Autoreninterview

... mit Livia Maria Loosen

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Welches Buch ›braucht‹ die Welt schon wirklich? Wer sich mit der deutschen... >>>
... mit Livia Maria Loosen

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Welches Buch ›braucht‹ die Welt schon wirklich? Wer sich mit der deutschen Kolonialgeschichte auseinandersetzen möchte, sollte sich jedenfalls nicht nur den Kolonien in Afrika zuwenden. Um das Bild zu komplettieren, müssen auch die Südseegebiete einbezogen werden. Ebenso verdient die Rolle der Frauen im Kolonialismus mehr Aufmerksamkeit. Mein Buch konzentriert sich also auf eine von der Forschung bisher in doppelter Hinsicht vernachlässigte Personengruppe und füllt damit eine Leerstelle.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Dadurch, dass der Fokus auf die weibliche deutsche Bevölkerung gelegt wird, ergibt sich ein neuer Blickwinkel auf die Geschichte der Südsee-Kolonien. Frauen kamen mit anderen Erwartungen und Zielen in die Kolonien als Männer, hatten dort andere Aufgaben und einen anderen Alltag – nicht zuletzt auch einen anderen Zugang zur indigenen Bevölkerung. Die Ereignisse durch die Augen der Frauen zu betrachten, stellt also eine wichtige Ergänzung der auf Männer fokussierten Geschichtsschreibung dar.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Geschlechterrollenbilder im Kolonialismus und mögliche Emanzipationsspielräume in der Fremde sind stets aktuelle Themen der Frauen- und Geschlechtergeschichte. Bisher wurden diese primär mit Bezug auf Afrika diskutiert, die Untersuchung entsprechender Quellen aus und über die Südsee-Kolonien ist neu und eröffnet interessante Vergleichsmöglichkeiten. Zudem wird nach Formen von Austausch und der momentan häufig thematisierten Übersetzung zwischen einander fremden Kulturen gefragt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Am liebsten mit den Frauen, um die es in meinem Buch geht! Ich würde aber auch gern mit allen diskutieren, die sich für die Geschichte der ›deutschen Südsee‹ und die Rolle der Frauen interessieren. Spannend könnte allerdings auch ein Gespräch mit denjenigen sein, die diesen Teil der deutschen Geschichte für zu unbedeutend halten, um ihn wissenschaftlich zu untersuchen...
5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein bisher von der Forschung vernachlässigtes Stück Kolonialgeschichte, das dem Bild von der ›deutschen Kolonialfrau‹ eine neue Facette hinzufügt. <<<


Livia Loosen

Deutsche Frauen in den Südsee-Kolonien des Kaiserreichs

Alltag und Beziehungen zur indigenen Bevölkerung, 1884-1919

Gestützt auf einen umfangreichen Quellenkorpus aus Briefen und Tagebüchern, kolonialen Publikationen und Archivakten untersucht Livia Loosen den Alltag deutscher Frauen in den so genannten »Südsee-Kolonien« des Kaiserreichs. Dabei legt sie besonderen Wert auf die Analyse der Beziehungen zur indigenen Bevölkerung sowie auf Fragen zum Geschlechterverhältnis und möglichen Emanzipationsspielräumen. Die Studie zeigt, dass sich die Situation in der Südsee in vielerlei Hinsicht von der im bisher deutlich besser untersuchten ehemaligen »Deutsch-Südwestafrika« unterschied, und bereichert den Forschungsstand zu Frauen im Kolonialismus um eine interessante Facette.


 
Autorenbild Loosen, Livia

Livia Loosen (Dr. phil.) promovierte am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und lebt in Mainz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind deutsche Kolonialgeschichte und Geschlechtergeschichte.

»Livia Loosen [legt] eine imposante Monografie vor, die es verdient, eine breite Leserschaft zu finden.
Eine bedeutsame Bereicherung für die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte.«
Dominik Schieder, Anthropos, 111 (2016)
»Das opulente Werk ist nicht nur eine Annäherung an ein spannendes und vielschichtiges Thema, sondern versucht im Rahmen einer möglichst breiten Abdeckung aller miteinander verwobenden Aspekte eine umfassende Darstellung von Beziehungsverhältnissen zu geben – das gelingt der Autorin Livia Loosen in beeindruckender Weise.
In Hinkunft werden Forscherinnen und Forscher, die sich der deutschen Kolonialgeschichte widmen, um dieses Buch nicht herumkommen. Es ist ein Muss, zumindest für jede Ozeanien-spezifische und/oder auf Missions- und Kolonialgeschichte spezialisierte Bibliothek.«
Hermann Mückler, Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 145 (2015)
»Livia Loosen has advanced the field of German colonial history with this impressively researched book. [...] Her book excels in the breadth, comprehensiveness and careful analysis of its source base. [...]
after reading this book, you almost feel like you have followed Loosen into the archives [...].«
Lora Wildenthal, Neue Politische Literatur, 59 (2014)
»Aufschlussreiche und vielschichtige Arbeit.«
Bettina Brockmeyer, H-Soz-u-Kult, 07.04.2015
»Ohne Zweifel handelt es sich um eine der ausführlichsten, qualitätsvollsten und zudem gut lesbaren Studien sowohl zur Kolonial- und Missionsgeschichte der Südsee, wie auch zur feministischen überseeischen Geschichtsschreibung.«
Ulrich van der Heyden, Interkulturelle Theologie, 1 (2015)
Besprochen in:

In die Welt für die Welt, 2 (2015)

Geschichtswissenschaft, Gender Studies sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 49,99 €

10/2014, 678 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-2836-4

Artikel-Nr.: 2836

-2836-4: Loosen, Deutsche Frauen in den Südsee-Kolonien

Alltag und Beziehungen zur indigenen Bevölkerung, 1884-1919

 

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10/2014, 678 Seiten
ISBN 978-3-8394-2836-8

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