Autoreninterview

... mit Thorsten Benkel

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Nicht allein deshalb, weil ohnehin jeder sterben muss; sondern vor allem deshalb, weil die kulturelle Einrahmung von Altern, Sterben und Tod gegenwärtig... >>>
... mit Thorsten Benkel

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Nicht allein deshalb, weil ohnehin jeder sterben muss; sondern vor allem deshalb, weil die kulturelle Einrahmung von Altern, Sterben und Tod gegenwärtig einem massiven Umbruch unterliegt. Das betrifft nicht nur die körperliche Erfahrung, sondern auch die Rituale, die normativen Bewertungsschemata und die moralischen Legitimationskontexte am Lebensende. Der soziale und auch der mediale Wandel haben neue Perspektiven etabliert, die mittlerweile gesellschaftlich auf Resonanz stoßen – darum geht es in diesem Buch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Wer meint, dass Sterben gewissermaßen ›von selbst abläuft‹ und der Tod nichts anderes als ein Naturphänomen ist - der sollte es einmal ausprobieren! Denn tatsächlich vermischen sich hier Kultur und Natur. In dem Buch wird anhand verschiedener Blickwinkel aufgezeigt, dass die Art und Weise, wie eine Gesellschaft den Tod ›verwaltet‹, ein Indikator für ihren kulturellen Stand ist. Dies wird anhand neuester Entwicklungen und auf Basis aktuellen Datenmaterials ausführlich und interdisziplinär rekonstruiert.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Ende des Lebens war für das Leben selbst immer schon von fundamentaler Bedeutung; allerdings hat die Wissenschaft den Tod lange Zeit nur am Rande thematisiert, schon gar nicht als gesellschaftliches Phänomen. Auch dank der gestiegenen Relevanz von Körperkonzepten in den Sozial- und Kulturwissenschaften setzt sich allmählich die Auffassung durch, dass mit dem Tod das Leben nicht endet, sondern dass vielmehr soziale Transformationsprozesse eingeleitet werden. Und außerdem: das Thema Sterben ist immer ›aktuell‹.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Menschen, die bereits verstorben sind. Sie müssten sich dafür allerdings aus ihrer unbestimmten Sphäre heraus zurück begeben in die Welt, die sie verlassen haben, damit wir, die wir noch im Diesseits existieren, mit ihrer Hilfe womöglich jene ›Sinnlücken‹ stopfen können, auf die man bei diesem Themengebiet nun einmal zwangsläufig stößt. Ob die Toten diesbezüglich allerdings wirklich mehr wissen als die Lebenden, bliebe dann abzuwarten.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Der Tod ist jedermanns Zukunft, doch diese Zukunft ist nicht statisch, sondern wandelt sich – für nähere Informationen: bitte aufschlagen! <<<


Thorsten Benkel (Hg.)

Die Zukunft des Todes

Heterotopien des Lebensendes

Sterben und Tod sind alltägliche Vorkommnisse, die oft als außeralltäglich angesehen werden. Die Verwendung abstrakter Begriffe lässt das Problem der konkreten Lebensbeendigung in die Ferne rücken. Der Tod geht so auf Distanz und kreist dennoch das Leben ein. Seine Präsenz in zeitlicher wie in räumlicher Perspektive ist einerseits ein Effekt normativer Konzepte und andererseits eine Konsequenz sozialer Wandlungsprozesse. Die Beiträge des Bandes gehen aus interdisziplinärer Sicht auf Sterbe- und Todeskontexte wie Friedhof, Hospiz, das Lebensende im Internet, anonyme Bestattung, Heimtiertod sowie auf den Einfluss der Individualisierung ein und zeigen, dass das Image des Todes sich wandelt und neue Sinnzusammenhänge entstehen.


 

Thorsten Benkel (Dr. phil.) lehrt Soziologie an der Universität Passau.

»Die Zusammenstellung unterschiedlicher Betrachtungsweisen und Gewichtungen sowie die interdisziplinäre Ausrichtung des Sammelbandes führt zu interessanten Übereinstimmungen, Überschneidungen und Gegensätzen, die nicht nur einzelne Aspekte der gegenwärtigen Trauerkultur erhellen, sondern durchaus auch Ausblicke in eine mögliche Zukunft bereithalten.«
Barbara Leisner, http//:friedhofsfreunde.blogspot.de, 03.04.2017
»Der Sammelband profitiert vor allen Dingen von der oft detailreichen Beschreibung der jeweiligen Untersuchungsgegenstände.
Insgesamt liefert Thorsten Benkel nicht nur zahlreiche Weiterführungen der bisherigen Fachliteratur zu Sterbe-, Todes- und Trauerräumen, sondern darüber hinaus auch ein Buch, das selbst wiederum eine Vielzahl an Anschlussmöglichkeiten für weitere Forschungen liefert.«
Ekkehard Knopke, www.socialnet.de, 25.11.2016
»Ein Überblick über aktuelle Tendenzen und Entwicklungen im Spannungsfeld von Tod und Gesellschaft.«
Liebgard Jennerich, Friedhofskultur, 1 (2017)
Besprochen in:

www.lehrerbibliothek.de, 5 (2017), Thorsten Benkel

Soziologie, Kulturwissenschaft, Geschichte, Medizingeschichte, Theologie sowie Berufspraktiker_innen

Print 32,99 €

09/2016, 370 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-2992-7

Artikel-Nr.: 2992

-2992-7: Benkel (Hg.), Die Zukunft des Todes

Heterotopien des Lebensendes

 

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08/2016, 370 Seiten
ISBN 978-3-8394-2992-1

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