Interview

... mit Jens Kersten

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Wir blenden den Abfall unserer Gesellschaft gerne aus: Aus den Augen aus dem Sinn! So verschieben wir unseren Müll in den Globalen Süden oder hinterlassen... >>>
... mit Jens Kersten

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Wir blenden den Abfall unserer Gesellschaft gerne aus: Aus den Augen aus dem Sinn! So verschieben wir unseren Müll in den Globalen Süden oder hinterlassen ihn künftigen Generationen. Dies ist verantwortungslos – sowohl gegenüber Menschen als auch gegenüber der Umwelt. Deshalb dürfen wird das Inwastement unserer Gesellschaft nicht ignorieren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Unser Buch eröffnet interdisziplinäre Perspektiven auf Abfall und Müll vom Archaikum über die Wegwerfgesellschaft bis zu den Zukunftsvisionen von Zero-Waste. Biologie, Ethnologie, Geo-, Geschichts-, Ingenieurs-, Kultur-, Rechts-, Religions- und Wirtschaftswissenschaften widmen sich unseren Deponien und Endlagern. Sie erklären die ethischen und ökonomischen Dimensionen von Lebensmittelabfällen und CO2 für Welthunger und Klimawandel. Sie verfolgen die globalen Stoffströme und den Plastik in den Weltmeeren. Sie blicken auf Slums und zeigen die lange Tradition von Recyclingtechniken.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Wir verbinden in unserem Buch natur- und die kulturwissenschaftliche Perspektiven, um möglichst viele Dimensionen des Inwastements unserer Gesellschaft zu veranschaulichen. Dafür haben wir gemeinsam ein ›Waste-Framework‹ entwickelt, das die Praxis, die Normen und die Kontexte von Abfällen entfaltet. So kann die interdisziplinäre Zusammenarbeit die ethischen, sozialen und politischen, die ökonomischen und ökologischen Herausforderungen unserer Inwastements annehmen und Lösungen finden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Am liebsten mit allen! Abfall in Umwelt und Gesellschaft geht uns alle an: Er berührt unsere individuelle Lebensführung. Er erfordert aber auch gesellschaftliche Aufmerksamkeit – seitens der Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik, seitens der Städte und Staaten, seitens der EU und der Weltgemeinschaft. Wir haben versucht, unser Buch so zu schreiben, dass möglichst alle diese Akteurinnen und Akteure ihre Fragen hinsichtlich unseres Inwastements wiederfinden, um so nicht nur mit uns, sondern auch miteinander ins Gespräch zu kommen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Wenn wir uns die Frage stellen, warum es überhaupt Müll gibt, begegnen wir uns selbst und unserer Geschichte, unserer Gesellschaft und unserer Zukunft – und deshalb macht uns Abfall so neugierig. <<<


Jens Kersten (Hg.)

Inwastement – Abfall in Umwelt und Gesellschaft

Abfälle entwickeln eine vollkommen eigenständige soziale, ökonomische und ökologische Handlungsmacht. Sie bilden das Inwastement einer Gesellschaft, das durch soziale Praxen, rechtliche Normen und kulturelle Kontexte konstituiert wird. In einem kompositionistischen Verständnis, welches die materielle Gegenständlichkeit von Abfall mit dessen kultureller Perzeption verbindet, konzipieren die Beiträge des Bandes Abfall als Kulturtechnik.
Diese interdisziplinäre Perspektive, die auf eine Ergänzung der Technikwissenschaften durch die Kulturwissenschaften Wert legt, weist auf das problematische Verhältnis von individueller und kollektiver Abfallverantwortung hin und schließt damit unmittelbar an Fragen nach globaler »Waste Justice« und einer Zukunft ohne Müll (»Zero Waste«) an.


 

Jens Kersten (Prof. Dr.) lehrt Öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaften an der Juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Homepage:
Jens Kersten: LMU München

»Ein wegweisender kulturgeschichtlicher Einstieg [in die Kreislaufwirtschaft].«
Alexandra Hildebrandt, Huffington Post, 10.05.2017
Ȇberaus erfrischend.
Man liest neugierig und mit Gewinn – was für jeden der Texte in diesem Buch gilt.«
Martin Seger, Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft, 158 (2016)
»Der Sammelband wird für Biologen, Ökonomen, Ökologen, Ethnologen, Geografen, Kulturwissenschaftler, Historiker, Techniker, Juristen, Theologen, Pädagogen, und all jene empfohlen, die erkennen wollen, dass Abfall eine soziale Konstruktion ist und damit eine Herausforderung darstellt, ›die Materialität des Abfalls und seiner Orte ... stärker in den Blick zu nehmen.‹«
Jos Schnurer, www.socialnet.de, 21.03.2016
Besprochen in:
iz3w, 354 (2016), Swetlana Hildebrandt
Stadt und Raum, 4 (2016)

Abfallwissenschaften, Biologie, Ethnologie, Geo-, Geschichts-, Ingenieurs-, Kultur-, Politik-, Rechts-, Sozialwissenschaften, Theologie, Umwelt- und Wirtschaftswissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit

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02/2016, 342 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3050-3

Artikel-Nr.: 3050

-3050-3: Kersten (Hg.), Inwastement – Abfall in U. u. G.

 

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02/2016, 342 Seiten
ISBN 978-3-8394-3050-7

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