Interview

... mit Dennis Göttel

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Scheibe ist ein zugleich trennendes wie auch verbindendes Medium. In ihrer gläsernen Ausformung hat sie die Architektur seit Mitte des 19.... >>>
... mit Dennis Göttel

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Scheibe ist ein zugleich trennendes wie auch verbindendes Medium. In ihrer gläsernen Ausformung hat sie die Architektur seit Mitte des 19. Jahrhunderts maßgeblich verändert. Und als Speichermedium steht sie am Beginn der Fotografie. Bis heute nimmt die Relevanz der Scheibe zu, ist sie doch inzwischen Teil der den Alltag durchdringenden Mediennutzung, wenn sie als Touchscreen allerorten berührt wird. Die Scheibe selbst als Medium zu fassen und ihre Rolle dabei zwischen Transparenz und Opazität genauer zu verfolgen, ist Aufgabe und Ergebnis des Sammelbandes.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Mit der Scheibe findet sich ein transversales Objekt der Mediengeschichte: Es durchzieht ganz unterschiedliche visuelle Praktiken und Schauanordnungen. Durch den Fokus auf ein spezifisches Ding können mediale Dispositive zusammengeführt werden, die auf den ersten Blick nichts anderes als eben die Glasscheibe verbindet. Eine Linie der Mediengeschichte kann so gezogen werden, und sie wird als Geschichte materieller Kultur beschreibbar. Theoretische Fragen nach Blickregimen und Ordnungen der Sichtbarkeit werden auf diese Weise rückgebunden an materiell Konkretes. Eine Mediengeschichte der Scheibe kennt deswegen z.B. keine fundamentale Zäsur zwischen Analogem und Digitalem. Stattdessen werden trotz medientechnischer Transformationen Kontinuitäten der Scheibe begreifbar.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Aufgrund neuer Entwicklungen in der Glasarchitektur wird Glas ein immer breiter eingesetzter Baustoff. Wenn Diskurse der Dispositive sowie über Blickregime und Überwachung bei der Analyse der Bauten in Anschlag gebracht werden können, wird die Scheibe auch zum Ausdruck von Medienimmanenz. Medialisierung kann im Zeitalter der Digitalisierung damit in einem breiteren, vom spezifischen Medium unabhängigeren Kontext weitergedacht werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Der Aufsatzband zur Glasscheibe richtet sich sowohl an Architektur- wie Medientheoretiker_innen. Das Buch trägt nicht zuletzt zu aktuellen Debatten um materielle Kulturen und der Handlungsmacht von Dingen bei. Wo viele Beiträge des Bandes eine Politik von Sichtbarmachung und Unsichtbarmachung,von der Unscheinbarkeit, indes Wirkmächtigkeit der Dispositive mit Scheiben verhandeln, lohnt sich eine weitere Diskussion im größeren Zusammenhang einer repolitisierten Kulturwissenschaft, die ästhetische Topoi indes nicht vernachlässigen will.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine Medientheorie der Scheibe, von Fotografie bis Touchscreen, von Architektur bis Blickregime. <<<


Dennis Göttel / Florian Krautkrämer (Hg.)

Scheiben

Medien der Durchsicht und Reflexion

Die »Scheibe« – verbindend und trennend zugleich –, scheint ein Ding zu sein, dessen Unscheinbarkeit erst durch Störungen wie Kratzer oder Spiegelungen suspendiert wird.
Ob Schaufenster, Zuckerglas oder zeitgenössische Screens: Die Bandbreite der Beiträge aus Architekturgeschichte, Medien-, Film-, Kunstwissenschaft und Fototheorie macht den prekären Bildträger »Scheibe« in historisch und materiell spezifischen Anordnungen als ein transversales medienepistemisches Objekt begreifbar.


 

Dennis Göttel (Dr. phil.) ist Postdoc für Kulturgeschichte des Wissens an der Leuphana Universität Lüneburg.
Florian Krautkrämer (Dr. phil.) lehrt Film- und Medienwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Besprochen in:
GMK-Newsletter, 1 (2017)

Medienwissenschaft, Filmwissenschaft, Architekturtheorie

Print 24,99 €

12/2016, 160 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-3117-3

Artikel-Nr.: 3117

-3117-3: Göttel/Krautkrämer (Hg.), Scheiben

Medien der Durchsicht und Reflexion

 

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12/2016, 160 Seiten
ISBN 978-3-8394-3117-7

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