Interview

... mit den Herausgebern

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Fernsehserien sind in den vergangenen Jahren zu einem bestimmenden Thema in den Geistes- und Kulturwissenschaften geworden und haben sich vielleicht sogar zu... >>>
... mit den Herausgebern

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Fernsehserien sind in den vergangenen Jahren zu einem bestimmenden Thema in den Geistes- und Kulturwissenschaften geworden und haben sich vielleicht sogar zu demjenigen Medium entwickelt, das momentan am innovativsten erzählt und am stärksten rezipiert wird.
Dazu kommt, dass das Label des ›Quality-TV‹ zwar als distinktives Qualitätsmerkmal von Produzenten und Rezipienten inflationär gebraucht, aber kaum reflektiert wird. Was also macht Fernsehen zu ›gutem Fernsehen‹?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es soll sich genau diesem ›Graubereich‹ annähern: Was ist dieses ominöse ›Qualitätsfernsehen‹, welche diskursiven Potenziale und Probleme ergeben sich durch eine solches Sprechen über TV-Serien, wie lässt sich dieser Begriff für die kultur- und medienwissenschaftliche Forschung nutzen? Gleichzeitig werden hier erstmals Comedy-Formate, die bisher im QTV-Diskurs klar vernachlässigt wurden, explizit mit einer eigenen Sektion in die Forschung einbezogen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Viele der vor allem US-amerikanischen Fernsehserien der vergangenen Jahre wie The Wire, The Sopranos oder Mad Men gelten im Feuilleton und inzwischen auch in der Forschung als die ›Romane des 21. Jahrhunderts‹, als neue epische Großform mit gesellschaftsanalysierender Funktion. Als Legitimations- und Aufwertungsstrategie wird dabei zwar regelmäßig der Begriff des ›Quality-TV‹ benutzt, doch fehlt gerade in der deutschsprachigen Forschung noch das Bewusstsein für die Vor- und Nachteile eines solchen Labels.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Nun, auf theoretischer Ebene würden wir den Begriff des ›Quality-TV‹ wohl am liebsten mit Robert J. Thompson reevaluieren, der 1996 in einem Band einen Katalog von zwölf Punkten vorgelegt hat, damals aber eben weder The Sopranos noch Breaking Bad kennen konnte. Aus dem Serienbereich selbst könnte eine Diskussion mit Matthew Weiner und David Simon, den kreativen Köpfen hinter Formaten wie Mad Men respektive The Wire interessant sein.

5. Ihr Buch in einem Satz:
What we talk about when we talk about Quality Television! <<<


Jonas Nesselhauf / Markus Schleich (Hg.)

Das andere Fernsehen?!

Eine Bestandsaufnahme des »Quality Television«

Schon seit 1996 wird in der Literatur- und Medientheorie mit dem Begriff des »Quality Television« (QTV) gearbeitet, der reguläres TV von dem »anderen« und besseren Fernsehen zu trennen sucht – ähnlich wie später »Art TV«, »Prestige TV« oder »Auteur Series«. Was genau sich hinter diesen Termini verbirgt, bleibt dabei oft im Vagen.
Lassen sich konkrete Distinktionsmerkmale (kontroverse Themen, Kinoästhetik, Mehrfachcodierungen oder narrative Komplexität) festmachen? Sollte man einen engen und einen weiten QTV-Begriff verwenden, wobei letzterer auch bisher eher ausgeschlossene Formate wie Sitcoms beinhaltet? Oder hat der Ausdruck den Gegenstand überlebt, den er zu beschreiben sucht?
Die Beiträge des Bandes geben Antworten.


 

Jonas Nesselhauf, geb. 1987, ist Promotionsstipendiat an der Universität Vechta und arbeitet an einer Dissertation über die Figur des Kriegsheimkehrers aus komparatistischer Perspektive.
Markus Schleich, geb. 1985, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität des Saarlandes und promoviert zum Verhältnis von Popularmusik und literarischen Stoffen.

»Der Band [bietet] einen gelungenen Überblick über aktuelle Tendenzen der sogenannten Qualitätsserien, unabhängig von der Frage, ob sie am Ende sind oder nicht.«
Lothar, Mikos, tv diskurs, 80 (2017)
Besprochen in:
GMK-Newsletter, 3 (2016)
[rezens.tfm], 18.10.2016, Michael Fassel
MEDIENwissenschaft, 2 (2017), Irmela Schneider

Medienwissenschaft, Filmwissenschaft, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 39,99 €

01/2016, 306 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3187-6

Artikel-Nr.: 3187

-3187-6: Nesselhauf/Schleich (Hg.), Das andere Fernsehen?!

Eine Bestandsaufnahme des »Quality Television«

 

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E-Book 39,99 €

PDF-Download, 4,40 MB
12/2015, 306 Seiten
ISBN 978-3-8394-3187-0

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