Interview

... mit Simon Hofmann

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Organspende ist ein hochaktuelles und kontroverses Thema. Das Buch zeigt am Beispiel der Schweiz die historischen Hintergründe auf und trägt zum... >>>
... mit Simon Hofmann

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Organspende ist ein hochaktuelles und kontroverses Thema. Das Buch zeigt am Beispiel der Schweiz die historischen Hintergründe auf und trägt zum Verständnis der heutigen Probleme und Debatten bei: Wie etablierten sich die Praktiken und Regelungen der Organspende? Wie wurde der Organmangel zum großen Problem? Wie kam es zur großen Ambivalenz im öffentlichen Sprechen über die Organspende?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Überraschende Erkenntnisse resultieren daraus, dass ich die medizinische Praxis mit öffentlichen Debatten und populärkulturellen Narrativen in Beziehung setze. So kann ich etwa zeigen, dass fiktive Organhandelsgeschichten sowohl die medizinische Praxis als auch die politische Regelung der Organspende beeinflussten. Oder: Dass die moralisierenden Werbekampagnen letztlich zu einem Hemmschuh für eine rechtliche Liberalisierung der Organspende wurden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Neuere kulturwissenschaftliche Forschung zu Biomedizin und Körpergeschichte fragt nach Machtverhältnissen und ökonomischen Beziehungen. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag, indem es Konzepte von Medikalisierung und Biopolitik differenziert: Die verbreiteten Thesen einer zunehmenden Unterwerfung, Verdinglichung und Kommerzialisierung des menschlichen Körpers werden der komplexen Geschichte der Organspende nicht gerecht. Das Organ, so zeigt sich, war beides: ein Geschenk und eine Ware.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Einerseits mit dem britischen Soziologen Nikolas Rose, dessen Arbeiten zur Biomedizin mich beeinflusst haben. Andererseits mit allen Menschen, die mit der Organspende direkt zu tun haben – mit Organempfänger_innen, Organspender_innen bzw. ihren Angehörigen, Pflegenden, Ärzt_innen sowie Gesundheitspolitiker_innen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine Kulturgeschichte der Organspende, die Krankenhaus, Urban Legends und Parlament verbindet. <<<


Simon Hofmann

Umstrittene Körperteile

Eine Geschichte der Organspende in der Schweiz

Wie kam es zur Krise der Organspende in der Schweiz? Trotz Reformen und Werbekampagnen beklagte die Transplantationsmedizin ab Ende der 1980er-Jahre ein zunehmendes Misstrauen und sinkende Spenderzahlen.
Simon Hofmann beleuchtet die Rollen von Ärzten, Pflegenden, Angehörigen und Empfängern, aber auch von Medien, Politikern und der Pharmaindustrie. Dabei setzt er die Praxis in Krankenhäusern mit öffentlichen Debatten und fiktiven Narrativen über Organhandel in Beziehung. Er erzählt die komplexe und widersprüchliche Geschichte einer modernen Biomedizin an der Grenze von Leben und Tod, die ebenso von ökonomischem Kalkül wie von utopischen Hoffnungen und traumatischen Ängsten geprägt ist.


 
Autorenbild Hofmann, Simon

Simon Hofmann studierte Geschichte und Filmwissenschaft an der Universität Zürich und promovierte 2013 an der Universität Luzern. Er ist Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Zürich und Lehrer an der Kantonsschule Baden. Seine Forschungsschwerpunkte sind Körper- und Sexualitätsgeschichte, Medizingeschichte und die Geschichte der Psychoanalyse.

»Eine empfehlenswerte Lektüre.«
Anita Winkler, H-Soz-u-Kult, 20.07.2017
Besprochen in:
www.lehrerbibliothek.de, 19.07.2016, Dieter Bach
Schweizer Geschichte, 67/2 (2017), Merve Winter

Geschichtswissenschaft, Soziologie, Kulturwissenschaft sowie Angehörige, potenzielle Spender_innen und die interessierte Öffentlichkeit

Print 37,99 €

02/2016, 334 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3232-3

Artikel-Nr.: 3232

-3232-3: Hofmann, Umstrittene Körperteile

Eine Geschichte der Organspende in der Schweiz

 

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Open Access Open Access

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02/2016, 334 Seiten
ISBN 978-3-8394-3232-7

CC BY NC ND

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