Autoreninterview

... mit Ilka Sommer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es sich um eine hochaktuelle Gesellschaftsanalyse handelt, die kaum jemand unbrauchbar finden... >>>
... mit Ilka Sommer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es sich um eine hochaktuelle Gesellschaftsanalyse handelt, die kaum jemand unbrauchbar finden dürfte. Sie wirft Fragen auf, die gerade im Kontext von Migration und Flucht besonders dringlich sind und weiter werden: wie wir qualifiziert von unqualifiziert unterscheiden, warum wir meinen, dass wir das können und zudem, dass es sein muss.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es betrachtet die sozialen Interaktionen in den Anerkennungsstellen. Dabei geht es nicht um Bürokratiekritik oder ein Werben für qualifizierte Einwanderung, sondern um die Reflexion selbstverständlicher, sozial geprägter Sichtweisen. Auch meine Position als Soziologin, als Deutsche, als Frau usw. mache ich zum Thema. Das Buch lädt damit ein, über die eigene Beziehung zur Welt neu nachzudenken und sucht den Austausch, den Widerspruch und die Kritik. Wenn nichts dergleichen passiert, habe ich meinen Job nicht gut genug gemacht.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Wir forschen relativ viel zu Diskriminierung und Rassismus. Damit problematisieren wir die Mechanismen der Abwertung von Anderen. Ich halte das Streben nach Aufwertung des Eigenen für das eigentliche Problem, vor allem, weil wir es fast immer von ungleichen Machtpositionen aus tun. Ich würde also sagen, dass Diskriminierung und Rassismus Effekte der Gewalt des kollektiven Besserwissens sind. »Das Kollektiv« ist dabei eben genau der Verhandlungsgegenstand.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Natürlich mit denen, die es gelesen haben. Damit es keine Floskel bleibt, möchte ich Sie/Euch bitten, mich danach zu kontaktieren und mir Ihre/Eure Meinung zu sagen – auch wenn das Buch nicht gefällt. Ich antworte.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Wenn wir die ›Gleichwertigkeit‹ der Bildungssysteme der Welt infrage stellen, erkennen wir uns offensichtlich nicht als Gleichwertige an. <<<


Ilka Sommer

Die Gewalt des kollektiven Besserwissens

Kämpfe um die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in Deutschland

Klassifizierendes Bewerten ist ein soziales Phänomen, das so alt ist wie die Menschheit selbst. Wie bewertet der deutsche Staat, ob weltweit erworbene ausländische Bildungsabschlüsse als »gleichwertig« anerkannt werden oder nicht? Ilka Sommers Studie zeigt anknüpfend an Pierre Bourdieus Theorie symbolischer Gewalt: Anerkennung ist weder eine objektive Information noch eine subjektive Entscheidung. Erstmals wird die administrative Praxis der »Gleichwertigkeitsprüfung«, die jüngst durch »Anerkennungsgesetze« ausgeweitet wurde, methodologisch reflektiert untersucht. Die impliziten Konstruktionsmechanismen werden empirisch fundiert sichtbar gemacht: Bewertende und Bewertete eint und entzweit die Gewalt des kollektiven Besserwissens.


 
Autorenbild Sommer, Ilka

Ilka Sommer promovierte in Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und wurde durch ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert. Zuvor studierte sie Sozialwissenschaften in Duisburg, Düsseldorf, Freiburg, Durban und Neu Delhi und arbeitete mehrere Jahre in der angewandten Forschung.

Soziologie, Politologie, Bildungswissenschaften, Ethnologie, Verwaltungswissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 39,99 €

09/2015, 412 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3292-7

Artikel-Nr.: 3292

-3292-7: Sommer, Die Gewalt des kollektiven Besserwissens

Kämpfe um die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in Deutschland

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 39,99 €

PDF-Download, 3,50 MB
09/2015, 412 Seiten
ISBN 978-3-8394-3292-1

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel zum Thema

Bildung, Arbeit

Weitere Titel aus der Reihe

Gesellschaft der Unterschiede