O-Ton:
Stadtaspekte

Interview

... mit Michaela Schmidt

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Bauverwaltungen und Hochbauämter gelten gemeinhin als verstaubte, schnöde Orte, die nicht viel mit der Stadt- und Siedlungsentwicklung, geschweige... >>>
... mit Michaela Schmidt

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Bauverwaltungen und Hochbauämter gelten gemeinhin als verstaubte, schnöde Orte, die nicht viel mit der Stadt- und Siedlungsentwicklung, geschweige denn mit den Bauprojekten aus Architektur und Städtebau gemein haben. Das verwaltungspraktische Handeln, findet eher auf den Hinterbühnen statt und als solche wurden Verwaltungen sowohl von der Architektur, von Planungskreisen, der Politik als auch von den Sozialwissenschaften angesehen und stiefmütterlich behandelt. Das vorliegende Buch öffnet die Blackbox der Bauverwaltung und verhandelt prominent den Einfluss und die Wirkmacht der administrativen Praktiken auf Bauprojekte und in ihrer Summe auf die Siedlungslandschaft.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Durch den Perspektivwechsel Bauprojekte auf allen Ebenen von der Parzelle, über das Areal bis hin zum großmaßstäblichen Siedlungsgefüge aus der Warte der Verwaltung zu betrachten, wird die Gestaltungskraft der Bauverwaltungen zu Tage gefördert. Dies gelingt vor allem durch den forschungspraktischen Einsatz ethnographischer Mittel, die die Arbeit der Bauverwaltung in situ über mehrere Monate begleitete und die Wirkmacht der Verwaltung an ihrem Gegenstand – den Bauprojekten – herausarbeitet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Es zeigt sich, dass die Verwaltung eine wichtige Größe im Bauprozess darstellt, die, will man die Siedlungsentwicklung steuern, als aktive Ebene re-positioniert werden muss. Im Fokus aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen und den damit einhergehenden städtebaulichen Herausforderungen (Verdichtung, Zersiedlung, Wohnungsmangel, Gentrifizierung, soziale Desintegration) ist dieser Perspektivwechsel unbedingt angezeigt und zum Wohle der Siedlungsentwicklung zu Nutzen. Verwaltung darf nicht als lästige Größe oder Selbstzweck verkommen, sondern muss als aktiver Player gestaltet resp. genutzt werden und entsprechend handeln.
Die Arbeit leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die Praxisforschung selbst, die die Möglichkeiten der Ethnographie etwa mittels Beobachtungen, Videoaufnahmen oder Skizzen am Gegenstand der Verwaltung auslotet.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Expert_innen aus Architektur, Städtebau und Verwaltung. Mit Expert_innen aus Soziologie, Ethnographie und Politik.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Die Blackbox der administrativen Seite des Bauens wird in all ihren Facetten offengelegt. <<<


Michaela Schmidt

Im Inneren der Bauverwaltung

Eigenlogik und Wirkmacht administrativer Praktiken bei Bauprojekten

Wer macht eigentlich unsere Siedlungslandschaft? Diese Frage wird von Städtebauer_innen sowie Planer_innen meist beantwortet, indem sie sich selbst ins Zentrum stellen. Jedoch zeigen nicht nur umstrittene Großprojekte wie die Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen, dass hierbei auch die Bauverwaltung eine in ihrer Wirkmacht oft unterschätzte Rolle spielt – sie ist es, die im Modus des Erteilens von Baugenehmigungen aktiv in das Leben und in die gebaute Umwelt eingreift.
Abseits allfälliger Klischees wendet sich Michaela Schmidts Studie Bauprojekten in Schweizer Gemeinden und Kleinstädten zu, um dem Einfluss von Verwaltungen im Alltäglichen auf den Grund zu gehen und die realen Zusammenhänge und Wirkungen von städtebaulichen, politischen und administrativen Prozessen sichtbar zu machen.


 
Autorenbild Schmidt, Michaela

Michaela Schmidt (Dr. sc. ETH), geb. 1983, ist seit 2010 Nachwuchswissenschaftlerin am ETH Wohnforum – ETH CASE der ETH Zürich, Departement Architektur. Die Architektursoziologin forscht an der Schnittstelle zwischen gebauter Umwelt und Gesellschaft.

»Michaela Schmidt [gelingt es], einen äußerst wertvollen Beitrag zur Klärung dessen zu leisten, was innerhalb kommunaler Administrationen und spezifisch auf Bauverwaltungen vor sich geht, welche administrativen Ressourcen vorhanden sind und wie diese im Rahmen der kommunalen Autonomie genutzt werden (könnten). Dabei macht Schmidt auch aufgrund ihrer sprachlichen Kreativität [...] kommunale Verwaltungspraktiken intuitiver erlebbar.«
Lineo U. Devecchi, Geographica Helvetica, 72 (2017)
O-Ton: »Sie hieß mal Baupolizei« – Michaela Schmidt im Interview bei Stadtaspekte am 30.11.16.
(http://ow.ly/twuN306Hrsj)
Besprochen in:
AKP, 1 (2017)
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2017, Hans-Erhard Haverkampf
IRB Fraunhofer, 2 (2017)

Soziologie, Ethnographie sowie Praktiker_innen im Bereich Architektur, Raumplanung und Verwaltung

Print 39,99 €

10/2016, 338 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-3333-7

Artikel-Nr.: 3333

-3333-7: Schmidt, Im Inneren der Bauverwaltung

Eigenlogik und Wirkmacht administrativer Praktiken bei Bauprojekten

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 39,99 €

PDF-Download, 4,80 MB
10/2016, 338 Seiten
ISBN 978-3-8394-3333-1

EPUB-Download, 4,70 MB
10/2016
ISBN 978-3-7328-3333-7

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel zum Thema

Stadt, Arbeit

Weitere Titel aus der Reihe

Urban Studies