Autoreninterview

... mit Kirstin Mertlitsch

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Sisters, die Cyborgs und die Drags sind zentrale Gestalten der feministisch-queeren Theorien und Praxen. Ihre Funktionen und Bedeutungen wurden jedoch... >>>
... mit Kirstin Mertlitsch

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Sisters, die Cyborgs und die Drags sind zentrale Gestalten der feministisch-queeren Theorien und Praxen. Ihre Funktionen und Bedeutungen wurden jedoch bisher noch kaum unter einer erkenntnistheoretischen Prämisse untersucht.
Die Überlegung, dass es sich bei ihnen um Begriffspersonen (Deleuze) handelt und sie daher Wissensvermittler_innen im epistemologischen Sinne sind, ist bislang einzigartig.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Indem diese Figuren als Begriffspersonen verstanden werden, eröffnen sich neue Themen und Problemfelder. So kann dargestellt werden, welche impliziten Wissensformen wie Gefühle, Affekte, Körperwahrnehmungen, politische und ethische Haltungen, sowie Begehrensweisen von diesen Denkfiguren mitverhandelt werden. Dabei greift das Buch aktuelle Ansätze des New Feminist Materialism, der Affect Studies und der Studies of Emotions auf und denkt sie weiter.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Denken in Begriffspersonen beschreibt einen Prozess der Veränderung: Leser_innen werden im Akt des Nachdenkens, im Denkvollzug selbst zu jener Begriffspersonen welche dem jeweiligen Theorietext innewohnt. Mittels dieses Ansatzes greifen Epistemologie und Ontologie also ineinander, was erlaubt die philosophische Theoriefigur der Ontoepistemologie weiterzuentwickeln.

4. Ihr Buch in einem Satz:
Die Begriffspersonen Sisters, Cyborgs und Drags entstehen indem Lesende der theoretischen Werke der Gender Studies, im Akt ihres Denkvollzugs, selbst zu diesen werden – Epistemologie und Ontologie sind hier ein und dasselbe. <<<


Kirstin Mertlitsch

Sisters – Cyborgs – Drags

Das Denken in Begriffspersonen der Gender Studies

Feministische und queere Theorien sind mit ganz besonderen Figuren ausgestaltet: die »Sister« der zweiten Frauenbewegung, die »Cyborg« von Donna Haraway, das »Nomadic Subject« von Rosi Braidotti, die »New Mestiza« von Gloria Anzaldúa und die »Drag« von Judith Butler. Welche Funktionen erfüllen Begriffspersonen innerhalb von Genderdiskursen? Welche Wirkungen haben sie auf Leser_innen und Denker_innen? Und vor allem: Wo liegen die Potenziale dieser Figuren für Denken, Erkennen und politisches Handeln?
Kirstin Mertlitsch zeigt auf, welche wissenschaftlichen Theorien und Schlüsselkonzepte queer-feministische Begriffspersonen verkörpern und ausagieren. Sie analysiert erstmals, in welchen rationalen, emotional-affektiven und körperlich-materiellen Dimensionen Wissen vermittelt und Erkenntnisprozesse ermöglicht werden.


 

Kirstin Mertlitsch ist Leiterin des Universitätszentrums für Frauen- und Geschlechterstudien an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Die Philosophin und Genderforscherin promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin im Rahmen des DFG-geförderten Graduiertenkollegs »Geschlecht als Wissenskategorie«.

Homepage:
Uni Klagenfurt

»Mertlitschs mit konsequenter Schärfe durchgeführte und strukturierte Rekonstruktion, die anspruchsvoll, aber dennoch gut zu lesen ist sowie die umfangreiche Einbettung der Begriffspersonen in zeitgenössische wie klassische Literatur stellt insgesamt einen richtungsweisenden Beitrag zur queeren und feministischen Philosophie dar, indem sie ein Denken jenseits der männlichen ›ratio‹ eröffnet.«
Folke Brodersen, www.querelles.net, 18/1 (2017)
»Mertlitschs Leistung besteht in der theoretischen Zusammenführung verschiedener queer-feministischer Denkfiguren, die vom Differenz- über Chicana-Feminismus bis hin zur Feminist Technoscience reichen.«
Anna-Lena Berscheid, Feministische Studien, 2 (2016)
»Ein origineller Einstieg in die Theorien, deren Probleme und Lösungen.«
André Reichert, Zeitschrift für philosophische Literatur, 4 (2016)
»Mit ihrer Analyse zeigt die Autor_in nicht nur in kompakter und lebensnaher Weise, wie sich feministische und queer-feministische Erkenntnisweisen über die Jahrzehnte entwickelt haben, sondern auch mögliche Wege zu deren Weiterentwicklung hin zu einer queer-feministischen und damit intersektionalen Ontoepistemologie.«
Roswitha Hofmann, WeiberDiwan, 7 (2016)
Besprochen in:
Bulletin Info, 53 (2016), Kathleen Heft

Gender Studies, Philosophie, Kulturwissenschaft, Science and Technology Studies, Geschichtswissenschaft, Queer Studies

Print 34,99 €

03/2016, 278 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3349-8

Artikel-Nr.: 3349

-3349-8: Mertlitsch, Sisters – Cyborgs – Drags

Das Denken in Begriffspersonen der Gender Studies

 

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04/2016, 278 Seiten
ISBN 978-3-8394-3349-2

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