Interview

... mit Philipp von Gall

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Eine Reihe hervorragender Bücher und Filme zeigen, dass wir unseren Umgang mit Tieren aus moralischen und Gerechtigkeitsgründen revolutionieren... >>>
... mit Philipp von Gall

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Eine Reihe hervorragender Bücher und Filme zeigen, dass wir unseren Umgang mit Tieren aus moralischen und Gerechtigkeitsgründen revolutionieren sollten. Dieses Buch trägt zum Verständnis bei, wie sich im Agrarbereich derart unhaltbare Zustände überhaupt durchsetzen konnten. Es entschleiert das deutsche Tierschutzgesetz als psychologischen Wegbereiter jenes widersprüchlichen und traurigen Mensch-Tier-Verhältnisses, das wir heute erleben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die kapitalistische Produktion von Tieren ist aus menschlicher Sicht furchtbar. Die Bürokratie rund um das deutsche Tierschutzgesetz findet andere Worte dafür: tierschutzkonform, unvermeidbar, verhaltensgerecht, artgemäß, etc. Dafür musste ein emotionaler Leerraum geschaffen werden, der den staatlichen Tierschutz für viele unfassbar macht. Das Buch stellt diese Unfassbarkeit in einen interessenpolitischen und emotionsphilosophischen Kontext.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Human-Animal-Studies brauchen einen neuen Begriff der politischen Mensch-Tier-Beziehung, um die Gräben diverser Disziplinen zur politischen Philosophie zu schließen. Die historischen Irrtümer des Tierschutzrechts, die den Weg zur umstrittenen industriellen Tierproduktion geebnet haben, eignen sich als Ausgangspunkt für diese Suche. Wo im Rahmen steriler Verwaltungsakte gesetzeskonforme Tierleben im Zentimetermaßstab definiert werden, ist keine Politik mehr, sondern nur noch Schaudern. Aus diesem Schaudern kann Kraft für eine neue Tierpolitik erwachsen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
In einer Runde mit einem Vertreter der Bundesregierung, der Verantwortung für die heutige Tierpolitik übernimmt, einer guten Verfassungsrechtlerin (z.B. Anne Peters) und – würde er noch leben – Max Horkheimer.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das deutsche Tierschutzrecht seit 1972 ist mitverantwortlich für die moralische Krise der agrarischen Tierhaltung. Es zeugt von einer Verdrängung der Ungerechtigkeit gegenüber Tieren. <<<


Philipp von Gall

Tierschutz als Agrarpolitik

Wie das deutsche Tierschutzgesetz der industriellen Tierhaltung den Weg bereitete

Seit Langem ergehen in Deutschland Forderungen an die Politik, Tiere in der Agrartierhaltung besser zu schützen. Gleichzeitig legitimieren rechtliche Mindestanforderungen die Tierhaltung im Namen eines Tierschutz-Sachverstandes.
Philipp von Gall untersucht die Verbindung beider Umstände und begründet auf Basis philosophischer Arbeiten u.a. von Peter Goldie, Markus Wild und Cora Diamond, warum die vor rund 40 Jahren beschlossenen Voraussetzungen des Sachverstandes neu verhandelt werden sollten. Er zeigt: Erst das Ende der Ausblendung der tierlichen Subjektivität und der menschlichen Emotion aus der Entscheidungsfindung wird dabei helfen, gesellschaftlich akzeptierte Kompromisse zu erreichen.


 
Autorenbild Gall, Philipp von

Philipp von Gall, geb. 1981, lebt und arbeitet in Berlin und Stuttgart. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften des Agrarbereichs an der Universität Hohenheim.

»[Hier wird] das Tierschutzgesetz (von 1972) zum ersten Mal in einer Rolle beschrieben, die es im gesamten System von Interessen und Begründungsdynamiken hat.«
Wolfgang Leyk, Tierstudien, 11 (2017)
»Philipp von Gall [ist] zu seinem Mut zu gratulieren, einer aktuellen politischen Frage auf den Grund zu gehen, auch wenn sie quer zu Disziplingrenzen liegt. Und dass es die Geschichte ist, die hierfür Erklärungen bereithält, dürfte im Grunde niemanden überraschen. So ist das Buch all denjenigen ans Herz zu legen, die nachdenken über die Ungereimtheiten landwirtschaftlicher Tierhaltung in Deutschland.«
Veronika Settele, Historische Zeitschrift, 304 (2017)
»Philipp von Gall leistet mit seiner Monografie einen wesentlichen Beitrag zu einem historisch informierten Verständnis der definierenden Parameter des deutschen staatlichen Tierschutzverständnisses. Er ermöglicht damit allen an politisch, ethisch oder juristisch geprägten Tierschutz- und Tierrechtsfragen Interessierten Einsichten in die fundamentalen juridischen Widerstände gegen eine zunehmende Berücksichtigung tierlicher Interessen.«
Frauke Albersmeier, TIERethik, 2 (2016)
»Dieses Buch ist nicht nur für Philosophen, Sozial- und Agrarwissenschaftler, sondern für jeden interessierten Leser eine lohnende Lektüre.«
Jens Schäfer, Kochen ohne Knochen, 4 (2016)
»Wer sich für Tierschutz interessiert, ist hier an der richtigen Adresse.«
Du und das Tier, 3 (2016)
O-Ton: »Es reicht nicht, Tiere vor Leid zu schützen« – Philipp von Gall im Interview bei der Schweinsfurth Stiftung im August 2016.
http://bit.ly/2xvWnKr
»Aktuell passend, mit zum Teil herausfordernden Ansätzen und als bohrender Beitrag zur Tierwohldiskussion sehr bereichernd.«
Unabhängige Bauernstimme, 7 (2016)
»Eine gewinnbringende Mischung aus kritischer Sozialwissenschaft und angewandter Philosophie mit politischer Relevanz.«
Friederike Schmitz, Zeitschrift für philosophische Literatur 4/3 (2016)
Besprochen in:
www.fellbeisser.de, 10.02.2016
UmweltBriefe, 5 (2016)
Slow Food Magazin, 4 (2016), Kirsten Kohlhaw
Du und das Tier, 3 (2016)

Human-Animal Studies, Wissenschaftsgeschichte, Rechtsphilosophie, Ideengeschichte, Agrarwissenschaften

Print 29,99 €

01/2016, 314 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3399-3

Artikel-Nr.: 3399

-3399-3: von Gall, Tierschutz als Agrarpolitik

Wie das deutsche Tierschutzgesetz der industriellen Tierhaltung den Weg bereitete

 

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02/2016, 314 Seiten
ISBN 978-3-8394-3399-7

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