Interview

... mit Gabriel Scheidecker

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die meisten Veröffentlichungen zur Erziehung und Entwicklung von Kindern basieren auf Forschung in der europäischen oder US-amerikanischen... >>>
... mit Gabriel Scheidecker

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die meisten Veröffentlichungen zur Erziehung und Entwicklung von Kindern basieren auf Forschung in der europäischen oder US-amerikanischen Mittelschicht. Obwohl diese Mittelschicht nur einen kleinen Teil der Weltbevölkerung ausmacht, gibt es vergleichsweise wenige Publikationen zur Frage, wie Kinder in anderen sozialen Schichten oder kulturellen Kontexten aufwachsen und erzogen werden. Dieser Schieflage wirkt das Buch mit einer Untersuchung zur Kindheit und Erziehung in Madagaskar entgegen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch bietet einen vielschichtigen Einblick in den Alltag und die Erfahrungen von Kindern, deren Lebenswelt im ländlichen Madagaskar sich in vielerlei Hinsicht von der hiesigen unterscheidet. Wie sieht beispielsweise der Alltag ohne Schule aus, wer sind die zentralen Bezugspersonen der Kinder, welche Erziehungsziele verfolgen die Eltern? Über den spezifischen madagassischen Kontext hinaus eröffnet das Buch auch die Perspektive auf die Variabilität von Kindheit, Erziehung und Emotionen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Wissenschaftliche und öffentliche Debatten zur Kindheit basieren meist auf der Annahme, dass es genau einen richtigen Weg gibt, wie Kinder bestmöglich erzogen und in ihrer Entwicklung gefördert werden können. Demgegenüber verdeutlicht das Buch, dass je nach sozialem und kulturellem Kontext unterschiedliche Erziehungsziele und Entwicklungsverläufe sinnvoll sein können. Mit dieser, in pluralen Gesellschaften zunehmend relevanten Perspektive trägt die Studie zu einem kleinen aber wachsenden interdisziplinären Forschungsfeld bei.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Entwicklungspsychologen oder Pädagogen, die die oben erwähnte, universalistische Sichtweise auf Erziehung und Entwicklung vertreten.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Die Kinder der Studie (sollen) lernen, ihre Eltern zu fürchten, ihre Wut auf Außenstehende zu richten und andere Kinder als engste Bezugspersonen zu betrachten. <<<


Gabriel Scheidecker

Kindheit, Kultur und moralische Emotionen

Zur Sozialisation von Furcht und Wut im ländlichen Madagaskar

Wie erlernen Kinder Emotionen und welche Rolle spielt dabei ihre soziale und kulturelle Umwelt? Gabriel Scheidecker untersucht die – bisher primär in westlichen Kontexten erforschte – Sozialisation von Emotionen erstmals in Madagaskar.
Auf der Basis einer 15-monatigen Feldforschung in einer ländlichen Region der Insel beschreibt er detailliert die emotionalen Erfahrungen von Kindern in Verbindung mit den Erziehungsidealen und -praktiken ihrer Bezugspersonen. Im Fokus steht die Ausbildung einer kulturspezifischen moralischen Furcht gegenüber den Eltern sowie die feine Ausdifferenzierung von Wut. Damit erweitert der Band die Forschung zur Emotionssozialisation um eine kulturanthropologische Perspektive.


 

Gabriel Scheidecker, geb. 1982, ist Postdoktorand am SFB »Affective Societies« der Freien Universität Berlin und forscht zur Sozialisation von Emotionen im transkulturellen Kontext »vietnamesisches Berlin«. Der Sozial- und Kulturanthropologe promovierte am Exzellenzcluster »Languages of Emotion« (FU Berlin).

Sozial- und Kulturanthropologie, Kulturpsychologie, Entwicklungspsychologie, Erziehungswissenschaften, Emotionsforschung

Print 59,99 €

06/2017, 438 Seiten, kart., zahlr. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-3428-0

Artikel-Nr.: 3428

-3428-0: Scheidecker, Kindheit, Kultur und moralische Emotionen

Zur Sozialisation von Furcht und Wut im ländlichen Madagaskar

 

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05/2017, 438 Seiten
ISBN 978-3-8394-3428-4

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