Autoreninterview

... mit Martin Schäfer

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Der Imperativ des sogenannten ›lebenslangen Lernens‹, der im 21. Jh. den Bildungs- und Arbeitssektor bestimmt, geht mit dessen Theatralisierung... >>>
... mit Martin Schäfer

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Der Imperativ des sogenannten ›lebenslangen Lernens‹, der im 21. Jh. den Bildungs- und Arbeitssektor bestimmt, geht mit dessen Theatralisierung einher, z.B. mit der Notwendigkeit zur flexiblen Inszenierung des eigenen Selbst. Viele der impliziten Annahmen, Bilder und Erzählmuster finden sich in den Erziehungs-, Bildungs- und Theaterfiktionen des selbsternannten ›pädagogischen‹ 18. Jh. wie als Negativfolie vorgeprägt. Ihre Wechselverhältnisse lassen sich an diesen historischen Vorgeschichten entfalten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Der Blick geht gleichzeitig von einer Konstellation des 21. Jahrhunderts auf ihre Vorgeschichte um 1800 und wieder zurück: Die ›schöne neue Arbeitswelt‹ des ›lebenslangen Lernens‹ speist sich aus den das Theater betreffenden Semantiken, Rhetoriken und Narrativen, die bei Goethe und seinen Bezugstexten explizit verhandelt, arrangiert und inszeniert werden. Das wirft nicht nur eine neue Sicht auf diese wohlbekannten Texte, sondern ermöglicht auch eine kritische Herangehensweise an die Gegenwart.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Dieser historische Beitrag aus Literatur- und Theaterforschung bietet einen alternativen Zugang zu einem vor allem in der Soziologie und Erziehungswissenschaft als ein herausragendes Problem unserer flexibilisierten Gegenwart verhandelten Komplex an. Hervor treten dabei die vielschichtigen Rollen, die Fiktion, Literatur und theatrale Inszenierung in diesem Komplex spielen: teils produktiv und stabilisierend, teils verstörend, verschiebend und unterminierend.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen, die sich die Zeit nehmen, das Buch zu lesen; vor allem mit den Autorinnen und Autoren aus Gegenwart und Vergangenheit, auf deren literarische und theoretische Texte, auf deren Gedankengebäude ich mich beziehe. Was halten sie davon? Was hätten sie davon gehalten?

5. Ihr Buch in einem Satz:
Die Theatralisierung des Bildungs- und Arbeitssektors im 21. Jh. lässt sich von ihren literarischen Vorgeschichten im 18. Jh. her historisieren – und kritisieren. <<<


Martin Jörg Schäfer

Das Theater der Erziehung

Goethes »pädagogische Provinz« und die Vorgeschichten der Theatralisierung von Bildung

Die Kapitel zur »pädagogischen Provinz« aus Goethes spätem Roman »Wilhelm Meisters Wanderjahre« präsentieren nicht nur einen eigenwilligen erzieherischen Entwurf sowie einen rückblickenden Kommentar zu den Bemühungen des selbsternannten »pädagogischen« 18. Jahrhunderts. Gleichzeitig markieren die hier aufgerufenen Diskurse und Dispositive ein Spannungsverhältnis zwischen einerseits Theater/Theatralität und andererseits Erziehung/Bildung. Von Goethes Inszenierung dieser Spannung her erweisen sich einige Klassiker der Erziehungs- und Bildungsliteratur als Vorboten für die im frühen 21. Jahrhundert um sich greifenden Theatralisierungstendenzen auf dem Bildungs- und Arbeitssektor: Rousseaus Erziehungsbibel »Émile«, Goethes eigene »Lehrjahre« und andere.


 
Autorenbild Schäfer, Martin Jörg

Martin Jörg Schäfer (Prof. Dr. phil.) lehrt Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Theaterforschung an der Universität Hamburg.

Homepage:
Martin Jörg Schäfer: Uni Hamburg

»Schäfer gelingt es, die bisher unzureichend untersuchte paradoxe Konstellation von Theatralität, Mimesis und Pädagogik in den Diskursen des späten 18. Jahrhunderts aufzudecken und lesenswert darzustellen.«
Tim Zumhof, H-Soz-u-Kult, 27.04.2017

Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Philosophie, Erziehungswissenschaft, Germanistik

Print 37,99 €

10/2016, 308 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3488-4

Artikel-Nr.: 3488

-3488-4: Schäfer, Das Theater der Erziehung

Goethes »pädagogische Provinz« und die Vorgeschichten der Theatralisierung von Bildung

 

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12/2016, 308 Seiten
ISBN 978-3-8394-3488-8

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