Entgrenzte Figuren des Bösen

Film- und tanzwissenschaftliche Analysen

Hannibal Lecter, der Joker und Co. – warum fühlen wir uns von bestimmten bösen Figuren in Narrativen nicht nur abgestoßen, sondern gleichsam fasziniert und angezogen? Und wie lassen sich diese Wahrnehmungen in den Kontext gängiger Rezeptionstheorien einordnen?

Sabrina Eisele zeigt in dichten Analysen von entgrenzten Figuren, dass sich eine gleichzeitige Wahrnehmung von Anziehung und Abstoßung unter Zuhilfenahme einer aus dem Spiel kommenden ‹ludischen Fiktionalität‹ beschreiben lässt. Eine Erweiterung erfährt das Konzept der entgrenzten Figur schließlich durch die Analyse der Tanzperformance »Angoloscuro« von William Forsythe.

34,99 € *

2016-06-02, 270 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3511-9

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Sabrina Eisele

Sabrina Eisele, Technische Universität München, Deutschland

... mit Sabrina Eisele

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Ein Rezipient, der im Kino, im Theater oder beim Lesen eines Romans mit abscheulichen Szenen und Figuren konfrontiert wird, würde sich am liebsten voller Abneigung abwenden. Gleichzeitig aber bleibt er fasziniert am Dargestellten hängen, möchte es weiter beobachten und erleben. Diese Bivalenz ist für mich das zentrale und faszinierendste Merkmal von Fiktionalität – dem wollte ich nachgehen und es als Analyseaspekt für die wissenschaftliche Diskussion nutzbar machen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der wesentliche Perspektivwechsel erfolgt durch die Integration des Spielbegriffs. Interessant ist, dass Fiktionalität im Spiel grundlegend anders gedacht wird als Fiktionalität in Narrativen, nämlich als eine Gleichzeitigkeit von Involviertheit in die fiktionale Welt und Beobachtung ihrer Herstellungsbedingungen. Nimmt man diese andere Perspektive in Bezug auf Narrative ein, erscheinen bestimmte Eigenarten – wie etwa unsere Reaktionsweise auf abscheuliche Figuren – in einem neuen Licht.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Mediale Formen vermischen sich zunehmend miteinander, neue Hybride entstehen. Entsprechend ist mein Buch transdisziplinär ausgerichtet, bringt also Erkenntnisse sowohl aus der Theater-, der Film-, als auch der Literaturwissenschaft produktiv miteinander in Verbindung. Durch die Konzentration auf das Merkmal der Fiktionalität können Diskurse, die zunächst nur für einen bestimmten Forschungsbereich ertragreich erschienen, übergreifend angewandt werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Da muss ich nicht lange überlegen: Mit Hannibal Lecter natürlich! Einem Mann, der beides hat, wie Maggie Kilgour in ihrer Analyse der Figur aus dem Film »Das Schweigen der Lämmer« betont: die Kultiviertheit und Bildung eines Ästheten sowie gleichzeitig einen rohen, wilden Geschmack. Bivalent eben – das zieht mich einfach an.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein Buch über das geheimnisvolle Spiel ›Fiktionalität‹ und warum wir uns ihm immer wieder so gerne verschreiben – auch wenn es wehtut.

»Leser_innen, die sich für den filmwissenschaftlichen Aspekt der entgrenzten bösen Figuren interessieren, [werden] nicht enttäuscht, da die Autorin Literatur, wie auch Filmfiguren, nicht nur oberflächlich aufgreift, sondern auch reflektiert.«
Nele Dücker, MEDIENwissenschaft, Sonderpublikation Wintersemster 2017/18
»Das Buch von Eisele bietet [...] interessante Einblicke in die Inszenierung und Erzählung von bösen Figuren.
Was Eiseles Analyse wohltuend von anderen Analysen unterscheidet, ist, dass sie immer die Auswirkungen auf die Zuschauer in den Blick nimmt.«
Lothar Mikos, tv diskurs, 21/4 (2017)
Besprochen in:
www.hhprinzler.de, 13.07.2016, Hans Helmut Prinzler
Autor_in(nen)
Sabrina Eisele
Buchtitel
Entgrenzte Figuren des Bösen Film- und tanzwissenschaftliche Analysen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
270
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3511-9
DOI
10.14361/9783839435113
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC AN DSB
BISAC-Code
SOC022000 PER011020 LIT000000
THEMA-Code
JBCC ATD DSB
Erscheinungsdatum
2016-06-02
Auflage
1
Themen
Kultur, Film, Tanz
Adressaten
Medienwissenschaft, Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft, Filmwissenschaft
Schlagworte
Film, Tanz, Narration, Spiel, Rezeption, Böses, Entgrenzung, Kultur, Theater, Literatur, Cultural Studies, Theaterwissenschaft, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft

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