Interview

... mit Magdalena Scherl

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
In Rousseaus Denken spiegeln sich die Versprechen, aber auch die Abgründe der politischen Moderne. Mit seinem Traum von Freiheit und kollektiver... >>>
... mit Magdalena Scherl

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
In Rousseaus Denken spiegeln sich die Versprechen, aber auch die Abgründe der politischen Moderne. Mit seinem Traum von Freiheit und kollektiver Selbstbestimmung, der sich unversehens in den Alptraum einer durch Zwang und Manipulation erkauften Einheit verkehrt, gehört Rousseau nach wie vor zu den faszinierendsten Denkern der politischen Ideengeschichte. Wie kaum ein anderer kann er uns noch heute als Reiseleiter in das finstere Herz der Demokratie dienen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Meine Lektüre versucht, Rousseaus politisches Denken konsequent von der Geschlechter- und Begehrensthematik ausgehend zu verstehen. Damit thematisiere ich nur scheinbar einen Randaspekt – tatsächlich führt der Zusammenhang zwischen Politik und Sexualität, zwischen Republik und Geschlechterordnung mitten hinein in die zentralen Fragestellungen der rousseauschen Philosophie, die sich um das spannungsreiche Verhältnis von Einheit und Spaltung drehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Rousseau träumt zwar voller Sehnsucht von der Einheit des politischen Gemeinwesens, doch letztlich dreht sich bei ihm alles um das unvermeidliche Scheitern der Einheit. Diese Einsicht verleiht seiner Philosophie ungeahnte Aktualität und macht sie für das zeitgenössische politische Denken anschlussfähig. So wird Rousseau mit seiner profunden Skepsis gegenüber den eigenen Träumen zu einem unfreiwilligen Vordenker der Postmoderne.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen, die sich für Rousseaus politische Philosophie, für den Zusammenhang zwischen Politik, Sexualität und Geschlechtlichkeit und für die Ambivalenzen der modernen Demokratie interessieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Rousseau sehnt sich nach Einheit, doch es ist die Spaltung, die sein Denken fortwährend heimsucht und bestimmt. <<<


Magdalena Scherl

Ersehnte Einheit, unheilbare Spaltung

Geschlechterordnung und Republik bei Rousseau

Das politische Denken Rousseaus ist von einer tief greifenden Ambivalenz durchzogen: Einerseits soll mit der Republik die verlorene Einheit des Menschen auf politischer Ebene zurückgewonnen werden – doch andererseits bleibt angesichts der unheilbaren Spaltung des vergesellschafteten Menschen jede Hoffnung auf Einheit vergeblich.
Magdalena Scherl rekonstruiert diesen Zwiespalt, indem sie das Republikideal im Lichte der Geschlechter- und Begehrenstheorie analysiert und dabei neben Rousseaus politischen Schriften auch sein literarisches Werk einbezieht. So werden die Aporien und Abgründe des republikanischen Denkens ausgeleuchtet, das sich im Spannungsfeld zwischen ersehnter Einheit und unheilbarer Spaltung bewegt.


 
Autorenbild Scherl, Magdalena

Magdalena Scherl (Dr. phil.) promovierte an der Universität Regensburg in politischer Philosophie. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der moderne Republikanismus, postmodernes politisches Denken sowie die Themen Körper, Geschlecht und Politik.

Politikwissenschaft, Philosophie, Gender Studies, Literaturwissenschaft

Print 39,99 €

06/2016, 290 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3516-4

Artikel-Nr.: 3516

-3516-4: Scherl, Ersehnte Einheit, unheilbare Spaltung

Geschlechterordnung und Republik bei Rousseau

 

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05/2016, 290 Seiten
ISBN 978-3-8394-3516-8

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