Autoreninterview

... mit den Herausgebern

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Das EUropäische Migrations- und Grenzregime ist in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht in die Krise geraten: Die Schengener Außengrenzen haben... >>>
... mit den Herausgebern

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Das EUropäische Migrations- und Grenzregime ist in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht in die Krise geraten: Die Schengener Außengrenzen haben sich als de facto nicht kontrollierbar erwiesen, das Dubliner Asylsystem ist in sich zusammengebrochen und die Personenfreizügigkeit von Unionsbürger*innen sowie die Idee einer ›sozialen Union‹ wurden massiv in Frage gestellt. Das Ziel dieser Ausgabe von »movements« ist es, solche Entwicklungen empirisch fundiert und kritisch zu analysieren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Ausgabe bringt Forschungsarbeiten zusammen, die sowohl umkämpfte Bewegungen nach EUropa als auch innerhalb EUropas untersuchen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie die Versuche des Regierens der Migration jene Kategorien konstruieren, die Migration überhaupt erst zum Problem machen. Die Autor*innen betreiben also keine ›Migrant*innenforschung‹, sondern untersuchen Prozesse der ›Migrantisierung‹, die stets auch neue, emanzipatorische politische Praxen hervorbringen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Beiträge dieser Ausgabe zeigen, wie verschiedene Unterscheidungen – zum Beispiel zwischen schutzbedürftigen Geflüchteten und illegalisierten Migrant*innen oder zwischen erwünschter Mobilität von Arbeitskräften und sogenannter ›Armutszuwanderung‹ – oft widersprüchlich, aber stets wirkmächtig miteinander verknüpft sind. Sie versuchen, diese Dualismen zu überwinden und analysieren die umkämpfte Produktion und die Effekte solcher Differenzierungen, anstatt sie als gegeben vorauszusetzen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Seit dem Sommer der Migration fließen immer mehr Forschungsgelder in Projekte zu Migration und insbesondere in die ›Flüchtlingsforschung‹. Gerade in Zeiten eines solchen Hypes gilt es genau hinzuschauen, forschungspolitische Konjunkturen zu hinterfragen und nicht in eine staatstragende Perspektive des Regierens zu verfallen. Wir möchten diese Ausgabe daher mit allen diskutieren, die zu Flucht und Migration forschen – und mit denen, die sich selbst auf die Reise nach und durch EUropa gemacht haben.

5. Ihr Buch in einem Satz:
»movements« 3(1) nimmt die Krise des EUropäischen Migrations- und Grenzregimes in den Blick und untersucht dabei die umkämpften Bewegungen nach und durch EUropa. <<<


Mathias Fiedler / Fabian Georgi / Lee Hielscher / Philipp Ratfisch / Lisa Riedner / Veit Schwab / Simon Sontowski (Hg.)

movements. Journal für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung

Jg. 3, Heft 1/2017: Umkämpfte Bewegungen nach und durch EUropa

Das Journal movements versammelt wissenschaftliche, aktivistische und künstlerische Auseinandersetzungen mit Migrations- und Grenzregimen. Es fördert den Austausch zwischen wissenschaftlichen Analysen und den Bewegungen der Migration – und ist damit ein Ort für die politische Debatte über unsere Gesellschaften in Bewegung.
Diese Ausgabe widmet sich verschiedenen Facetten der EUropäischen Migrationspolitik, die selten in ihrem Zusammenwirken analysiert werden: den Auseinandersetzungen um EU-Binnenmigration und soziale Rechte sowie den Dynamiken der Grenz- und Asylpolitik seit der Krise des Grenzregimes 2015/2016.
Die Zeitschrift erscheint bei transcript als Printversion sowie unter www.movements-journal.org als Open Access.


 

Mathias Fiedler, Soziologe und Kulturanthropologe, ist u.a. ein aktives Mitglied bei der Forschungsassoziation Bordermonitoring.eu.
Fabian Georgi (Dr.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg.
Lee Hielscher arbeitet ethnographisch und aktivistisch u.a. zu Mobilitäten von Arbeiter*innen und struktureller Ausbeutung in der EU.
Philipp Ratfisch promoviert am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück.
Lisa Riedner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Universität Göttingen.
Veit Schwab promoviert am Centre for Applied Linguistics (CAL) und Department for Politics and International Studies (PaIS) an der University of Warwick (Großbritannien).
Simon Sontowski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der Universität Zürich.

Homepage:
Mathias Fiedler: movements-journal.org
Mathias Fiedler: bordermonitoring.eu
Mathias Fiedler: Academia.edu
Mathias Fiedler: Twitter - Bordermonitoring
Mathias Fiedler: Twitter
Fabian Georgi: movements-journal.org
Fabian Georgi: Uni Marburg
Fabian Georgi: Academia.edu
Lee Hielscher: movements-journal.org
Lee Hielscher: Academia.edu
Philipp Ratfisch: movements-journal.org
Philipp Ratfisch: Academia.edu
Lisa Riedner: movements-journal.org
Lisa Riedner: Uni Göttingen
Veit Schwab: movements-journal.org
Veit Schwab: Academia.edu
Veit Schwab: Twitter
Simon Sontowski: movements-journal.org
Simon Sontowski: Uni Zürich
Simon Sontowski: sontowski.wordpress.com

Geographie, Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Soziologie sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 24,99 €

04/2017, 236 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3571-3

Artikel-Nr.: 3571

-3571-3: movements (Jg. 3, 1/2017)

Jg. 3, Heft 1/2017: Umkämpfte Bewegungen nach und durch EUropa

 

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