O-Ton:
der Freitag

Interview

... mit Florian Biskamp

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Kaum eine Debatte wird in der Öffentlichkeit leidenschaftlicher geführt als die sogenannten Islamdebatten. Einer der entscheidenden Streitpunkte ist... >>>
... mit Florian Biskamp

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Kaum eine Debatte wird in der Öffentlichkeit leidenschaftlicher geführt als die sogenannten Islamdebatten. Einer der entscheidenden Streitpunkte ist die Frage, wo die Grenze zwischen einem in der demokratischen Öffentlichkeit legitimen Sprechen über den Islam einerseits und antimuslimischem Rassismus andererseits verläuft. In meinem Buch reflektiere ich eben diese Frage vor dem Hintergrund von neuerer kritischer Theorie und Postcolonial Studies.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch eröffnet sowohl auf der Theorie- als auch auf der Sachebene neue Perspektiven. Auf der Theorieebene zeichnet es sich dadurch aus, dass es mit neuerer kritischer Theorie (Habermas, Benhabib) und Postcolonial Studies (Said, Bhabha, Spivak) zwei Perspektiven zusammenführt, die sonst nur getrennt voneinander betrachtet werden. Auf der Sachebene ermöglicht dies einen Blick, der sowohl demokratische Kritik als auch Rassismus erfassen kann.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Innerhalb der Forschungsdebatte dient die Arbeit insbesondere der theoretischen und methodologischen Reflexion. Die Grenzziehung zwischen demokratischer Kritik und antimuslimischem Rassismus bzw. zwischen Islamkritik und Islamophobie wird in der empirischen Forschung zumeist behandelt, als sei sie trivial. Mein Buch zeigt zunächst auf, dass sich die Grenzziehung sehr viel komplizierter gestaltet, und legt dann dar, wie sie vollzogen werden kann.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Das Buch ist ein Diskussionsangebot an alle theoretisch interessierten Leser_innen, die ebenfalls sehen, dass sich die Islamdebatten in einem Dilemma bewegen; an alle, die sehen, dass es einerseits reale Probleme in islamischen Kontexten gibt, die einer öffentlichen Thematisierung bedürfen, die aber auch anerkennen, dass diese öffentlichen Debatten immer wieder in die Stigmatisierung und Marginalisierung einer Minderheit umschlagen.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Wo verläuft die Grenze zwischen dem in einer demokratischen Öffentlichkeit legitimen Sprechen über Religion und antimuslimischem Rassismus? <<<


Floris Biskamp

Orientalismus und demokratische Öffentlichkeit

Antimuslimischer Rassismus aus Sicht postkolonialer und neuerer kritischer Theorie

Seit Jahren wird in politischer Öffentlichkeit und Wissenschaft heftig darüber gestritten, welches Sprechen über den Islam als legitimer Teil demokratischer Debatten zu betrachten ist und welches nicht. Diese Konflikte nimmt Floris Biskamp als Ausgangspunkt für eine theoretische Diskussion von Aushandlungen kultureller Differenz in der demokratischen Öffentlichkeit. Er legt dar, unter welchen Verkürzungen die gängigen Konzepte von Islamophobie, Islamfeindschaft und antimuslimischem Rassismus leiden. Um diese zu überwinden, entwickelt er vor dem Hintergrund von neuerer kritischer Theorie und postkolonialer Theorie ein Konzept von Rassismus als systematisch verzerrtem Kommunikationsverhältnis.


 
Autorenbild Biskamp, Floris

Floris Biskamp ist Soziologe und Politikwissenschaftler an der Universität Kassel. Er hat bei Helmut Dubiel in Gießen promoviert und war als Gastwissenschaftler bei Seyla Benhabib an der Yale University tätig. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen politische Theorie, Gesellschaftstheorie, das Verhältnis von Politik und Religion sowie Rassismus- und Antisemitismusforschung.

Homepage:
Floris Biskamp: Uni Kassel

O-Ton: »Vieles ist absurd« – Floris Biskamp im Gespräch mit Houssam Hamade beim Freitag am 18.8.2017.
http://bit.ly/2ymDmIq
Besprochen in:
IDA-NRW, 22/3 (2016)

Soziologie, Politikwissenschaft, Philosophie sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 39,99 €

08/2016, 444 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3590-4

Artikel-Nr.: 3590

-3590-4: Biskamp, Orientalismus und demokratische

Antimuslimischer Rassismus aus Sicht postkolonialer und neuerer kritischer Theorie

 

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09/2016, 444 Seiten
ISBN 978-3-8394-3590-8

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