Autoreninterview

... mit Helge Mooshammer und Peter Mörtenböck

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Wandel in der sozialen und kulturellen Untermauerung unserer Wirtschaftsordnung.... >>>
... mit Helge Mooshammer und Peter Mörtenböck

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Wandel in der sozialen und kulturellen Untermauerung unserer Wirtschaftsordnung. Selbstinitiative und Selbstorganisation sind immer mehr gefragt, unternehmerische Kreativität ist zur Bürgerpflicht geworden. Ein besonderes Kennzeichen dieser Veränderungen ist die zunehmende Vermischung von formellen und informellen Aktivitäten. Informelle Märkte sind entscheidende Brutstätten dieser neuen Verbindungen. Wie die Politik mit solchen Märkten umgeht, sagt viel über zukünftige Wirtschafts- und Arbeitsformen aus.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu?
Die heutigen Milieus informellen Wirtschaftens sind ein heiß umkämpfter Schauplatz. In den Debatten dazu spiegelt sich ein ganzes Spektrum ideologischer Ansätze, die am einen Ende in der voranschreitenden Informalisierung Chancen der Selbstermächtigung sehen und am anderen Ende eine weitere Aushöhlung von sozialstaatlichen Institutionen befürchten. Bezeichnenderweise stehen die Schlussfolgerungen aus diesen unterschiedlichen Sichtweisen nicht zwangsläufig in Opposition zueinander, sondern decken sich oft in unerwarteter Weise.

3. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Unser Buch greift genau diese unterschiedlichen Sichtweisen als analytische Richtschnur auf. Es zeigt auf, dass für die Bedeutung von Informalität vor allem die Motive und Interessen der Beteiligten entscheidend sind. Die Frage ist damit nicht mehr länger, ob Informalität Anerkennung oder Verachtung verdient, sondern wer auf welche Weise davon profitiert, dass bestimmte Formen des informellen Wirtschaftens kriminalisiert werden, während andere als Innovationsquelle gelten.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Die systematische Analyse der Bandbreite informeller Märkte, die wir in unserem Buch vornehmen, liefert einen umfangreichen Einblick in die Motivationen verschiedenster Interessensgruppen, die allesamt nach ›anderen Märkten‹ suchen. Deutlich wird hier, dass es in der Auseinandersetzung mit informellen Märkten um eine grundlegende Neuorientierung wirtschaftlicher Organisation geht, die angesichts globaler Kommunikations- und Produktionsmöglichkeiten sehr viel dynamischer geworden ist.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Wir spinnen im Buch einen Dialog mit vielen Autor_innen, die sich wie wir die Frage nach den Konsequenzen einer ausufernden ›Marktmentalität‹ gestellt haben. Karl Polanyi ist jener Autor, der diesen Begriff im Kontext der liberalen Marktwirtschaft des frühen 20. Jahrhunderts geprägt hat. Mit ihm würden wir uns gerne über die Finanzialisierung des Marktes unterhalten, die heute dafür sorgt, dass die Orientierung an Marktmaximen auch in unserer Zeit eine immer größere Rolle spielt, nicht nur wenn wir an wirtschaftlichen Austausch denken, sondern auch bei ganz gewöhnlichen sozialen Kontakten.

6. Ihr Buch in einem Satz:
Vom Rand der Gesellschaft zum Hoffnungsträger wirtschaftlicher Erneuerung: Welche Folgen hat der aktuelle Wettlauf um das Kapital informeller Märkte? <<<


Peter Mörtenböck / Helge Mooshammer

Andere Märkte

Zur Architektur der informellen Ökonomie

Weltweit gesehen gilt die Hälfte aller ökonomischen Aktivitäten als informell. In Zeiten der globalen Unsicherheit wird heute immer mehr darauf gesetzt, die produktive Energie von Informalität zu integrieren, um wirtschaftliches Wachstum und sozialen Zusammenhalt abzusichern. Informelle Marktplätze und die zahlreichen Konflikte rund um deren Räume und Konventionen bilden sowohl Schauplatz als auch Steuerungsmoment dieser Entwicklung. Von Märkten der Überlebensökonomie bis zum inszenierten ökonomischen Anderssein spürt dieses Buch den Diskursen und Akteuren, Widersprüchen und Potenzialen nach, die neue Formen von Informalität vorantreiben.


 

Peter Mörtenböck (Prof. Dr.) lehrt Kunst- und Architekturtheorie in Wien und London. Der Kulturwissenschafter gilt als Wegbereiter des Forschungsfeldes Visuelle Kultur im deutschen Sprachraum. Seine Texte zur Transformation von Stadt und urbaner Kultur sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.
Helge Mooshammer (Dr.), Architekt und Theoretiker, forscht und lehrt zu Fragen zeitgenössischer visueller Kultur in Wien und London. Er ist Autor zahlreicher Publikationen, die sich der globalen Dimension post-kapitalistischer Veränderungen und den von ihnen hervorgerufenen Gegenbewegungen widmen.

Homepage:
www.thinkarchitecture.net

»Anregung en masse.«
Beate Willms, taz.zeozwei, 1 (2017)
Besprochen in:
http://bundeswirtschaftsportal.de, 05.10.2016

Architektur, Politische Ökonomie, Entwicklungsstudien, Anthropologie, Stadtforschung, Soziologie, Geographie sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 27,99 €

10/2016, 196 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-3597-3

Artikel-Nr.: 3597

-3597-3: Mörtenböck/Mooshammer, Andere Märkte

Zur Architektur der informellen Ökonomie

 

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E-Book 24,99 €

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09/2016, 196 Seiten
ISBN 978-3-8394-3597-7

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