Autoreninterview

... mit Wolfgang Fach

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Weil gegenwärtig Regierende und Regierte einander gefährlich viel zumuten. Bezeichnend ist das Phänomen Trump. Viele Amerikaner sind inzwischen so... >>>
... mit Wolfgang Fach

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Weil gegenwärtig Regierende und Regierte einander gefährlich viel zumuten. Bezeichnend ist das Phänomen Trump. Viele Amerikaner sind inzwischen so frustriert von der Politik, dass sie auf Teufel komm raus einen Kandidaten ans Ruder bringen wollen, den politische Kreise als personifizierte Unverschämtheit und potenzielle Katastrophe ansehen, ›a madman who must be stopped‹. In anderen Demokratien geht es weniger hoch her, doch selbst bei uns sind gewöhnungsbedürftige Reibereien neuerdings an der Tagesordnung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Glaubt man dem Common sense, dann erfüllt ein Staat seine Aufgabe, wenn er für Ordnung sorgt. Wir sehen heute, dass das nicht reicht. Gesellschaften werden vom Gefühl der Ordnung zusammengehalten, wie schon Hegel weiß. Die deutsche Angst vor dem Terror z.B. wächst, obwohl es dafür keine handfeste Veranlassung gibt. Den Grund haben ferne Ereignisse in fremder Verantwortung gelegt (Amerika, Frankreich). Gefühle können sich von Verhältnissen entkoppeln: für Regierende sind sie dann eine riskante Zumutung.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Sollte Trump nicht nur ein Phänomen, sondern auch ein Fanal sein, müssen sich die Demokratie und ihre Wissenschaft auf einige Turbulenzen gefasst machen. Mit der viel gepriesenen Stabilität demokratischer Ordnungen wäre es jedenfalls nicht mehr weit her. Selbst Hegels Scharfsinn würde dementiert, weiß er doch das irritable Gefühl in modernen Gesellschaften gut aufgehoben. Falls zu allem Überfluss dieser innere Furor eine Liaison mit dem importierten Terror eingeht, werden neue ›Meisterdenker‹ Konjunktur haben.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
›Discussion is overrated‹.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Lesestoff für Leute, die sich fragen, wie es mit der Politik soweit kommen konnte (und keine fertigen Antworten erwarten). <<<


Wolfgang Fach

Regieren: Die Geschichte einer Zumutung

»Szenen einer missvergnügten Ehe« – dieses bürgerliche Trauerspiel wird derzeit auf den politischen Bühnen westlicher Demokratien gegeben. Es führt vor, wie weit sich Regierende und Regierte auseinander gelebt haben. Von heute auf morgen passiert so etwas nicht. Der Band lässt die wechselvolle Geschichte des Regierens Revue passieren und zeigt, wie angespannt das Verhältnis seit jeher gewesen ist. Dass Kanzler Könige und Bürger Bauern abgelöst haben, hat daran nichts geändert. Andererseits hält diese Mesalliance erstaunlich viel aus – selbst nach blutigen Konflikten arrangiert man sich wieder und findet ein neues Gleichgewicht der Frustration. Die Hoffnung, es gehe trotz allem stetig aufwärts, muss derzeit wieder einmal begraben werden.


 
Autorenbild Fach, Wolfgang

Wolfgang Fach, geb. 1944, war bis 2011 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Leipzig und dort als Prorektor auch mit »Bologna« befasst. Schwerpunkte seiner Forschung sind die Wandlungen des Politik-Begriffs sowie neue Formen des Regierens. Veröffentlicht hat er u.a. »Die Hüter der Vernunft« (1999), »Politische Ethik« (2003), »Die Regierung der Freiheit« (2003) und »Das Verschwinden der Politik« (2008). Außerdem ist er Mitherausgeber von »Behemoth. A Journal on Civilisation«.

»Eine ideengeschichtlich ebenso informierte, pointierte wie auch kritische Bestandsaufnahme.«
Matthias Lemke, Portal für Politikwissenschaft, 08.12.2016
»Insgesamt ist das glänzend geschriebene Buch eine erhellende Lektüre. Auch für Regenten.«
Michael Schornstheimer, Deutschlandradio Kultur, 26.11.2016
Besprochen in:
public, 11 (2016)
www.maecenata.eu, 3 (2016)

Politikwissenschaft, Politische Soziologie, Geschichte der Neuzeit

Print 22,99 €

09/2016, 168 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3606-2

Artikel-Nr.: 3606

-3606-2: Fach, Regieren

 

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08/2016, 168 Seiten
ISBN 978-3-8394-3606-6

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