Interview

... mit Patricia Mühr

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Geschlechtervorstellungen strukturieren Kriegsfilme und auch Kriege. Betrachtende solcher auf die radikale Sichtbarkeit von körperliche Gewalt setzenden... >>>
... mit Patricia Mühr

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Geschlechtervorstellungen strukturieren Kriegsfilme und auch Kriege. Betrachtende solcher auf die radikale Sichtbarkeit von körperliche Gewalt setzenden Spielfilme, reagieren nicht selten körperlich auf diese Szenarien. Aktuelle visuelle (dominante) Strategien berühren Fragen nach möglichen und unmöglichen Identifizierungen. Wie die Betrachtenden sich damit zu Narrationen und Repräsentationen von Kriegen positionieren ist entscheidend für die Wahrnehmung von Kriegen, die immer intermedial vermittelt werden. Die Lektüren machen in diesem Sinne ein Angebot sich im Wissen um hegemoniale Ordnungen auf Kriegsfilme einzulassen, deren Sogwirkung zu erkennen, deren Widersprüche aufzuspüren und dessen Verwobenheiten mit den tagtäglichen Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten von Krieg auseinanderzusetzen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Wahl dessen, was ich neu zu rahmen versucht habe, ist intermedial angelegt. Durch die Zusammenstellung des Materials und die methodologische Herangehensweise an dieses versucht das Buch die Fabrikation von dominanten, gegenderten Fiktionen von Krieg und daran anknüpfend von Rettungs- Heilungsszenarien sichtbar zu machen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Kriegsfilme werden hierzulande oftmals nicht mit einem Fokus auf Geschlechterkonstruktionen untersucht und recht selten aus einer intermedialen Perspektive. So kann man in meiner Studie sowohl dichte Filmanalysen lesen, die mit Filmen und Bildern zusammengebracht wurden, die während des Schreibens zirkulierten, als auch Lektüren von Denkmälern, Skulpturen und Bildern, die mit Kriegsfilmen zusammengedacht wurden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Elizabeth Bennet während eines langen Spaziergangs durch uferlose Landschaften. Wenn er noch leben würde, sicherlich mit Maurice Halbwachs über meine Herangehensweise und darüber, wie neue Technologien unsere Wahrnehmungsweisen verändern und ob der Begriff des kollektiven Gedächtnisses vor diesem Hintergrund noch funktioniert. Gerne mit Historiker_innen und Bildwissenschaftler_innen, die insbesondere die nordamerikanische Geschichte aus transkultureller Perspektive beforschen. Und immer gerne mit Student_innen, die sich für visuelle Repräsentationen, für Sichtbares und Unsichtbares von Kriegen und Erzählungen von Kriegen interessieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein dickes Buch darüber, wie trickreich und komplex Kriegsfilme die Betrachtenden zu Kompliz_innen von Kriegen und ihren Fiktionen machen. <<<


Patricia Mühr

Soldatenkörper unter Beschuss

(Trans-)Nationale Narrationen und Geschlechterkonstruktionen im US-amerikanischen Kriegsfilm

Kriegsfilme wie Saving Private Ryan, We Were Soldiers und Black Hawk Down führen uns versehrte Soldatenkörper vor Augen. Patricia Mühr nimmt diese Körper in den Fokus und fragt, wie die Mobilisierung von Affekten zu einer transnationalen, gegenderten Erzählung wird. Aus einer intermedialen Perspektive argumentiert sie, dass Bilder und Erinnerungen von Krieg die Leseweise von Kriegsfilmen mitsteuern. An Bildern, die im Kontext von 9/11 entstanden, zeigt die Studie, wie Hollywood wiederum Erzählmuster produziert, die von Berichterstattungen über Kriege und Katastrophen variantenreich transformiert werden. Den im Film und in den Printmedien produzierten Bildern der Angst steht zudem ein mit Vorstellungen von Weiblichkeit verknüpftes Heilungsangebot zur Seite.


 

Patricia Mühr (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Materielle Kultur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Sie lehrt und forscht im Bereich Kulturwissenschaften. Ihre Schwerpunkte sind Filmtheorie, Dress im Hollywoodfilm, kulturwissenschaftliche Geschlechterforschung und mobile Lehr- und Lerndesigns.

O-Ton: »Projektionen westlicher Gesellschaften« –
Patricia Mühr im Interview bei L.I.S.A. – Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung am 09.01.2018.
http://bit.ly/2mgzPHb
»Die Analysen von Patricia Mühr sind sehr präzise und konkret, das Spektrum der Filme geht weit über die genannten Titel hinaus, man kann das Buch durchaus der Basisliteratur zum Thema Kriegsfilm hinzufügen.«
Hans Helmut Prinzler, www.hhprinzler.de, 05.01.2018

Medienwissenschaft, Filmwissenschaft, Kulturwissenschaft, Kunstwissenschaft, Vergleichende Bildwissenschaften

Print 39,99 €

10/2017, 446 Seiten, kart., zahlr. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-3614-7

Artikel-Nr.: 3614

-3614-7: Mühr, Soldatenkörper unter Beschuss

(Trans-)Nationale Narrationen und Geschlechterkonstruktionen im US-amerikanischen Kriegsfilm

 

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