Interview

... mit Hermann Doetsch und Andreas Mahler

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Figur des Gangsters prägt den französischen Nachkriegsfilm. In ihm kristallisieren sich Autonomie und Widerstand. Damit... >>>
... mit Hermann Doetsch und Andreas Mahler

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Die Figur des Gangsters prägt den französischen Nachkriegsfilm. In ihm kristallisieren sich Autonomie und Widerstand. Damit verhandelt er zum einen den fortschreitenden Verlust politischer Souveränität in Okkupation, Dekolonisierung und Globalisierung sowie zum anderen die zunehmende Bedrohung durch die gesellschaftliche Anonymisierung und Technisierung der Lebenswelt. Diese Konstellation scheint nunmehr aktueller denn je.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch zeigt den französischen Gangsterfilm zwischen amerikanischen Vorläufern und der heimischen Auseinandersetzung mit der Tradition bis heute. Darin eröffnet sich zum einen die Perspektive produktiver Aneignung eines filmischen Genres, zum anderen die seiner kreativen Fortführung und schließlich die Perspektive des Kinos selbst als eines wichtigen Verhandlungsorts gesellschaftsrelevanter Themen und Traumata.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Frage nach dem Faszinosum des Gangsters im französischen Nachkriegsfilm situiert sich zum einen in der aktuellen Debatte um den Prozess der Modernisierung als etwas Positives oder Negatives. Zum anderen berührt sie mit ihrer Sympathie für die Figur gegenwärtig geführte Diskussionen um Emotionen und Affekte und deren Bewertung in den Künsten. Nicht zuletzt leistet ihre Beantwortung einen gewichtigen Beitrag zur weitgehend vernachlässigten Debatte um das französische Genrekino.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Martin Heidegger als Denker des Seins und Kritiker von Technisierung und Funktionalismus sozusagen auch ein französischer Gangster. Mit Lorenz Engell über Film als Reflexionsmedium kultur- und mediengeschichtlicher Tendenzen. Mit Fritz Göttler als großem Kenner des französischen Kinos wie seiner Sujets und Sympathien. Mit Nina Grosse über heutige Inszenierungsmöglichkeiten des französischen Gangsters jenseits von Nostalgie und Larmoyanz.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Der französische Gangster als Produkt der Moderne in all ihren Ambivalenzen – als Verbrecher, Genießer, Familienmensch, Techniker und Widerständler. <<<


Hermann Doetsch / Andreas Mahler (Hg.)

Gangsterwelten

Faszination und Funktion des Gangsters im französischen Nachkriegskino

Der Gangster ist eine bestimmende Größe im französischen Nachkriegsfilm. In ihm kristallisieren sich wesentliche Aspekte eines sozialen wie filmischen Faszinosums. Das Trauma der Okkupation, die Diskreditierung der staatlichen Organe und das Voranschreiten einer funktionalistischen »abstrakten Gesellschaft« bereiten den Weg für eine Feier des um seine Leute besorgten Kleinganoven – dessen von Widerstand gezeichnete Welt allerdings zunehmend von anonymen Verbrechersyndikaten bedroht wird. Der Band geht der Modellierung französischer Gangsterwelten von den amerikanischen Vorbildern über die sozialen und medialen Umwälzungen der 1950er bis 1970er Jahre bis in die unmittelbare Gegenwart nach.


 

Hermann Doetsch (Dr. phil.) lehrt französische und spanische Literatur- und Filmwissenschaften an der LMU München.
Andreas Mahler lehrt Englische Philologie und Systematische Literaturwissenschaft an der FU Berlin.

Besprochen in:
GMK-Newsletter, 2 (2017)
www.hhprinzler.de, 21.02.2017, Hans Helmut Prinzler

Filmwissenschaft, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft

Print 36,99 €

01/2017, 278 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-3633-8

Artikel-Nr.: 3633

-3633-8: Doetsch/Mahler (Hg.), Gangsterwelten

Faszination und Funktion des Gangsters im französischen Nachkriegskino

 

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E-Book 36,99 €

PDF-Download, 7,80 MB
02/2017, 278 Seiten
ISBN 978-3-8394-3633-2

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