Autoreninterview

... mit Anja Michaelsen

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Sentimentale Motive wie Kindsrettung und Identitätskrise dominieren den modernen Adoptionsdiskurs. Dabei rückt in den Hintergrund, dass Adoption in... >>>
... mit Anja Michaelsen

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Sentimentale Motive wie Kindsrettung und Identitätskrise dominieren den modernen Adoptionsdiskurs. Dabei rückt in den Hintergrund, dass Adoption in historisch je spezifischer Weise in Machtverhältnisse, in Geschlechter-, Klassen- und ›Rassen‹-Hierarchien, eingebunden ist. Insbesondere die biopolitische Dimension wird wenig berücksichtigt. In welchem Zusammenhang steht die Geschichtsvergessenheit und die sentimentale Affektivität moderner Adoption?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ich zeige an Hollywood-Melodramen seit den 1930er Jahren und (auto-)biografischen Dokumentarfilmen Ende des 20. Jahrhunderts, dass sich in der affektiven Aufladung von Adoption ein indirektes Wissen um ihre Gewaltförmigkeit artikuliert. Dies betrifft insbesondere die Darstellungen der biologischen Mütter und der Adoptierten in Bezug auf Klasse, Migration und Rassismus. Dabei geht es sowohl um das Politische der Adoption als auch um das Sentimentale.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Eine kritische Diskussion von Adoption kreist häufig um die Frage, wer Kinder adoptieren darf und wer nicht. Werden die Perspektiven der biologischen Eltern und der Adoptierten berücksichtigt, dann kommen hierarchische Geschlechter-, Klassen-, und ›Rassen‹-Beziehungen in den Blick, durch die sich die Frage nach der politischen Dimension von Adoption noch einmal neu stellt. Zugleich geht es darum, Sentimentalität als einen politischen Darstellungsmodus zu verstehen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen, die sich für eine kritische Perspektive auf Adoption und die Komplexität sozialer, biopolitischer und globalisierter Beziehungen interessieren, oder für die Lust am Sentimentalen und das Politische an Gefühlen, bzw. für politische Gefühle.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Der sentimentale Modus der Adoption gibt darüber Aufschluss, wie biopolitische Machtverhältnisse die (post-)moderne Familie und Gesellschaft bedingen. <<<


Anja Michaelsen

Kippbilder der Familie

Ambivalenz und Sentimentalität moderner Adoption in Film und Video

Moderne Adoption ist Gegenstand liberaler und ›multikultureller‹, biopolitischer und nationaler Imaginationen und Politiken. Die dabei entstehenden Ambivalenzen manifestieren sich in Spiel- und Dokumentarfilmen in einem sentimentalen Darstellungsmodus. Von »Stella Dallas« (1937) bis »First Person Plural« (2000) erzeugt Adoption affirmative, zugleich in Bezug auf Geschlecht, Klasse und ›Rasse‹ machtkritische Kippbilder.
Ausgehend von diesem ambivalenten kritischen Potenzial des Sentimentalen führt Anja Michaelsen in ihrer Analyse der medialen Gefühlsdisposition gegenwärtiger Familien Kultur- und Filmwissenschaft mit internationaler kritischer Adoptionsforschung zusammen.


 
Autorenbild Michaelsen, Anja

Anja Michaelsen (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Gender und Medien, Queer Theory sowie politische Gefühle.

Homepage:
Michaelsen

»Eine interessante Lektüre.«
Hans Helmut Prinzler, www.hhprinzler.de, 11.04.2017

Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft, Gender Studies, Cultural Studies, Queer Theory, Soziologie, Amerikanistik, Koreanistik

Print 29,99 €

02/2017, 142 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3663-5

Artikel-Nr.: 3663

-3663-5: Michaelsen, Kippbilder der Familie

Ambivalenz und Sentimentalität moderner Adoption in Film und Video

 

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E-Book 26,99 €

PDF-Download, 7,00 MB
02/2017, 142 Seiten
ISBN 978-3-8394-3663-9

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