Interview

... mit Benno Hinkes

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Im Zuge aktueller Turn-Debatten (spatial turn, topological turn, material turn etc.) werden Fragen der Architektur, der Stadt, der Landschaft bereits ausgiebig... >>>
... mit Benno Hinkes

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Im Zuge aktueller Turn-Debatten (spatial turn, topological turn, material turn etc.) werden Fragen der Architektur, der Stadt, der Landschaft bereits ausgiebig diskutiert. Allerdings bleibt der Aspekt der alltäglichen Wahrnehmung dabei epistemisch unterbeleuchtet. Den Begriff der »(gebauten) menschlichen Umwelt« ins Zentrum zu rücken ermöglicht es, Gebäude, urbane Regionen, Landstriche explizit unter dem Gesichtspunkt einer alltäglichen Erfahrung zu diskutieren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch fragt, was spezifisch aktuelle philosophische und künstlerische Positionen zur Erforschung der Art und Weise, wie wir gebaute Umwelten im Alltag wahrnehmen, beitragen können. Auch Kunst wird somit nicht im Sinne eines zu rezipierenden Produkts aufgefasst, sondern von der Seite des Machens her begriffen, das seinerseits weniger als »Hervorbringung von Werken«, sondern vielmehr als Erkenntnisse generierender Prozess aufgefasst wird.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Hinsichtlich der Debatte um raumbezogene Fragestellungen möchte das Buch dazu beitragen, den in eine wahrgenommene Umwelt eingebetteten, physisch verfassten Menschen – recht wörtlich – ins Zentrum zu rücken. »Wahrnehmen« wird dabei nicht mechanistisch aufgefasst, sondern, in Anschluss an den altgriechischen Begriff aisthesis, als »Verstehen mittels der Sinne« oder auch, wie früher gesagt wurde, als »sinnliche Erkenntnis«. Hinsichtlich der bislang noch recht allgemein geführten Debatte um Kunst als Forschung liefert das Buch eine Fallstudie, die nicht nur dessen prinzipielle Möglichkeit belegen, sondern vor allem dessen spezifische Chancen aufzeigen soll.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Das Buch stellt bereits in sich eine Diskussion dar, indem es philosophische Ansätze (so diejenigen Arnold Berleants und Gernot Böhmes) mit künstlerischen Positionen (Bruce Naumann, Ilya Kabakov, Rachel Whiteread u.a.) zusammenführt. Die zentrale Frage lautet: Was würde geschehen, wenn derartige Ansätze sich selbst explizit als transdisziplinären Dialog – als kollaboratives Forschen – verstehen würden? Freuen würde ich mich in diesem Sinn, wenn das Buch im Kreis all derer diskutiert wird, die mit den darin verhandelten Fragen befasst sind – also neben Philosoph_innen und Künstler_innen etwa auch Architekt_innen, Soziolog_innen oder Stadt- und Landschaftsforscher_innen.

5. Ihr Buch in einem Satz?
Ein Buch, das sich in einem Satz wiedergeben lässt, wäre wohl redundant. Aber das dem Text vorweggestellte Wittgenstein-Zitat »Denken ist kein unkörperlicher Vorgang [...]« gibt vielleicht einen ganz guten Hinweis auf die allgemeine Stoßrichtung. <<<


Benno Hinkes

Aisthetik der (gebauten) menschlichen Umwelt

Grundlagen einer künstlerisch-philosophischen Forschungspraxis

Gebaute Umwelten – Zimmer, Gebäude, urbane Plätze – werden von uns jeden Tag bewusst und unterbewusst wahrgenommen und wirken auf uns ein. Können künstlerische Installationen dazu dienen, diese Wirkungsweise zu erforschen? Ist es auch philosophischen Ansätzen möglich, sich dieser Fragestellung zuzuwenden, ohne dabei vor empirischen Verfahrensweisen oder der Zusammenarbeit mit künstlerischen Positionen zurückzuschrecken?
Benno Hinkes nähert sich den Themenfeldern Alltags- und Umweltästhetik, Installationskunst und philosophische Wahrnehmungsforschung auf ebenso grenzüberschreitende wie fundamentale Weise und steckt die Eckpfeiler eines eigenständigen transdisziplinären Forschungsbereichs ab: der Aisthetik der gebauten Umwelt.
Das Buch kann zugleich als Einführung in den Bereich der Alltags- und Umweltästhetik sowie der zeitgenössischen architektur- und ortsbezogenen Installationskunst gelesen werden.


 
Autorenbild Hinkes, Benno

Benno Hinkes (Dr. phil. in art.) ist Bildender Künstler und Theoretiker. Er arbeitet, forscht und lehrt an unterschiedlichen Orten im In- und Ausland. Seine künstlerische Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet.

Homepage:
Benno Hinkes: www.benno-hinkes.de

Besprochen in:
Fraunhofer IRB, 4 (2017)

Künstlerische Forschung, Bildende Kunst, Ästhetiktheorie, Philosophie, Soziologie, Architektur, Transdisziplinäre Stadt-, Landschafts- und Raumforschung

Print 39,99 €

03/2017, 496 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3667-3

Artikel-Nr.: 3667

-3667-3: Hinkes, Aisthetik der (gebauten) menschlichen Umwelt

Grundlagen einer künstlerisch-philosophischen Forschungspraxis

 

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E-Book 39,99 €

PDF-Download, 3,20 MB
03/2017, 496 Seiten
ISBN 978-3-8394-3667-7

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