Interview

... mit den Herausgebern

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Aneignung wird aktuell in der Planung intensiv diskutiert. Dieser Diskurs wird angeregt von den zivilgesellschaftlichen Forderungen nach mehr Teilhabe an... >>>
... mit den Herausgebern

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Aneignung wird aktuell in der Planung intensiv diskutiert. Dieser Diskurs wird angeregt von den zivilgesellschaftlichen Forderungen nach mehr Teilhabe an Stadtentwicklung und den Widerständen gegen viele stadt- und freiraumplanerische Projekte – wie gegen die Planungen zum Tempelhofer Feld in Berlin. Eher selten wird dabei Bezug auf die Debatten und die Theorien über Aneignung aus den 1970er Jahren genommen, in denen bereits viele gesellschaftspolitische und planungstheoretische Argumente zur Aneignung vertieft diskutiert wurden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es ermöglicht einen ersten vergleichenden Überblick über damalige und heutige Debatten und Diskursstränge zum Thema Aneignung in der Planung, mit besonderem Fokus auf urbane Freiräume. Außerdem bieten die verschiedenen Beiträge einen ersten Ausblick auf eine Ideengeschichte des Aneignungsbegriffs im Spannungsfeld zwischen Planung und Sozialpädagogik.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Es zeigt zunächst einmal auf, dass Fachdisziplinen wie die Stadt- und Freiraumplanung und die Sozialpädagogik – ohne viel voneinander zu wissen – intensiv über den selben Begriff diskutieren. Eine weitere Bedeutung liegt eher in der planerischen Praxis und deren Debatten. Hier ist Aneignung zum Schlagwort geworden, das alle Planungsverfahren und -prozesse ermöglichen sollen, ohne dass eigentlich klar ist was damit gemeint sein könnte. Zur Klärung des Begriffs kann das Buch hoffentlich beitragen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
An einem Tisch säßen wir gerne mit wichtigen Protagonisten der ›alten‹ Aneignungsdebatte, aus der Planung z.B. Werner Nohl, Helmut Böse-Vetter und Wulf Tessin, aus der Sozialpädagogik Ulrich Deinet und von KEKS aus München; und mit Leuten der ›neuen‹ Aneignungsdebatte, aus der Urban Gardening-Bewegung, den Protagonisten der Zwischennutzungsdebatte und dazu ein paar Köpfen aus Stadtverwaltungen und Planungsbüros; und dann gerne mit Alexei Leontjew, der die theoretischen Grundlagen für die Karriere der Aneignung in der Planung gelegt hat.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch bietet einen ersten Überblick über die Karriere des Begriffs der Aneignung in den Debatten um die Planung urbaner Freiräume im Spannungsfeld zu sozialräumlichen Ansätzen in der Sozialpädagogik. <<<


Thomas E. Hauck / Stefanie Hennecke / Stefan Körner (Hg.)

Aneignung urbaner Freiräume

Ein Diskurs über städtischen Raum

Der Begriff der Aneignung erlebt in Diskursen zu Theorie, Praxis und Politik der Stadtentwicklung ein Revival: Angesichts der Dynamiken spätmoderner Ökonomie und Politik geht es um die Verfügbarkeit und den selbstbestimmten Gebrauch von städtischem Raum und Lebenszeit. Dieser Diskurs schließt auch das »Selber machen« von urbanen Freiräumen mit ein, »Stadtentwicklung von unten« soll die urbanen Freiräume von morgen bestimmen. Bereits nach der Planungseuphorie der 1950/60er Jahre lenkte man den Blick auf »andere« Akteure der Produktion und des Gebrauchs von urbanen Freiräumen. Dieses Buch widmet sich der vergleichenden Betrachtung der damaligen und aktuellen Theorien über die Aneignung von urbanen Freiräumen in verschiedenen Fachdisziplinen.


 
Autorenbild Hauck, Thomas E.;Hennecke, Stefanie;Körner, Stefan;(Hg.)

Thomas E. Hauck (Dr.)
ist Landschaftsarchitekt und forscht und lehrt am Fachgebiet Freiraumplanung der Universität Kassel. Er leitet mit Prof. Wolfgang Weisser von der TU München das Forschungsprojekt "Animal-Aided Design" (AAD), ist Büropartner bei "Polinna Hauck Landscape+Urbanism - Büro für Stadtforschung und strategische Planung" und Mitglied der Künstlergruppe "Club Real". Er war Akademischer Oberrat an der TU München und promovierte dort zur Vergegenständlichung der ästhetischen Idee "Landschaft".
Stefanie Hennecke ist Professorin für Freiraumplanung am Fachbereich Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung der Universität Kassel. Sie studierte Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung in München und Berlin und promovierte an der Universität der Künste Berlin zur Stadtentwicklungspolitik Berlins in der Nachwendezeit. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität der Künste Berlin, koordinierte dort die Graduiertenschule für die Künste und die Wissenschaften und war Juniorprofessorin für Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur an der TU München. Ihre Forschungsgebiete sind die Geschichte des Stadtgrüns und die Nutzung urbaner Freiräume.
Stefan Körner ist Professor für Landschaftsbau, Landschaftsmanagement und Vegetationsentwicklung an der Universität Kassel. Nach einer Gärtnerlehre studierte er Landschaftsplanung an der TU Berlin. Danach folgten eine Tätigkeit als Landschaftsarchitekt in Berlin, eine wissenschaftliche Assistenz am Lehrstuhl für Landschaftsökologie der TU München und zeitgleich eine Promotion an der TU Berlin. Danach war er bis zu seinem Ruf an die Universität Kassel wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Stadtökologie der TU Berlin und verfasste in dieser Zeit seine Habilitationsschrift zur Rehabilitation der Landschaftsgestaltung als kulturelle Aufgabe. Daneben war er Lehrbeauftragter für das Fach Kulturgeschichte der Natur im Studiengang Landschaftsplanung. Forschungsschwerpunkte sind: Theorie der Landschaft, Planungstheorie, Naturschutz und Denkmalschutz, Naturschutztheorie, urbane Pflanzenverwendung und Vegetationsmanagement.

Homepage:
Thomas E. Hauck: www.polinnahauck.de
Thomas E. Hauck: Uni Kassel
Stefanie Hennecke: Uni Kassel
Stefan Körner: Uni Kassel

»Für die planenden Professionen ist es ein Buch, das zum Nachdenken anregt, die Nicht-Experten könnte es motivieren, genauer hinzuschauen, z.B. auf Restflächen und deren Gebrauch, auf Zwischennutzungen und Diskrepanzen zwischen Raumplanung und Raumnutzung zu achten und sich Stadtraum anzueignen. Das Buch sei allen empfohlen, die sich für die Fragen interessieren, wie und von wem öffentliche Räume in der Stadt gestaltet werden.«
Antje Flade, www.socialnet.de, 04.09.2017
Besprochen in:
Stadt und Raum, 4 (2017)
https://stadtundgruen.de, 07.09.2017, Bettina Oppermann

Freiraumplanung, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Architektur, Stadtgeschichte, Sozialpädagogik, Erziehungswissenschaft

Print 29,99 €

06/2017, 328 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-8376-3686-4

Artikel-Nr.: 3686

-3686-4: Hauck et al. (Hg.), Aneignung urbaner Freiräume

Ein Diskurs über städtischen Raum

 

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E-Book 26,99 €

PDF-Download, 10,66 MB
06/2017, 328 Seiten
ISBN 978-3-8394-3686-8

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