Politische Konsumentinnen im Social Web

Praktiken der Vermittlung zwischen Bürger- und Verbraucheridentität

Politische Beteiligung wandelt sich. Der sozialwissenschaftliche Diskurs weist immer wieder auf eine Hinwendung der Bürger_innen zu neuen Formen des Engagements hin, die außerhalb der Einflusskanäle des repräsentativen Systems liegen. Dem Social Web kommt in diesem Prozess eine besondere Bedeutung zu, da es potenziell einen Raum für bürgerschaftliche Bildungsprozesse darstellt.

Katharina Witterhold untersucht die dieser Entwicklung zugrunde liegenden Bedingungen am Beispiel politischer Konsumentinnen. Mit dem Blick auf Frauen als Wegbereiterinnen eines neuen Politikstils sowie mit der Entwicklung einer praxeologischen Analyseperspektive auf Alltagspolitik betritt ihre Studie auch theoretisch Neuland.

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2017-03-24, 332 Seiten
ISBN: 978-3-8376-3710-6

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Katharina Witterhold

Katharina Witterhold, Universität Siegen, Deutschland

... mit Katharina Witterhold

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Der Beitrag, den Frauen als Bürgerinnen aber auch als Verbraucherinnen leisten, wird im Mainstream der Forschung (das gilt sowohl für die Partizipations- wie auch für die Verbraucherforschung) häufig übersehen. Gerade Letzteres hat mich immer irritiert, wenn in wissenschaftlicher Literatur von ›dem Verbraucher‹ gesprochen wird, man es aber in der Forschungspraxis dann regelmäßig mit Frauen zu tun hat, wenn es um Fragen der Organisation von, ich nenne es jetzt einmal, häuslicher Konsumroutine geht. In gleichem Maße wird in der Partizipationsforschung die ›unsichtbare Arbeit‹ von Bürgerinnen nur selten in den Blick genommen, obwohl soziale Bewegungen in höchstem Maße auf die Beziehungsarbeit ihrer Unterstützerinnen angewiesen sind.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die on/offline Perspektive auf den politischen Konsumalltag ermöglicht es, neue Formen von Engagement zu identifizieren, jedoch auch die eben angesprochenen unsichtbaren Unterstützungsleistungen sichtbar zu machen. Ein großer Vorteil der durch Social Media gestützten Kommunikation ist, dass die kleinteilige und anstrengende Arbeit der Mobilisierung anderer deutlicher hervortritt, bspw. durch Facebook-Posts. Auf der anderen Seite zeigt sich aber, dass es sich bei politischem Konsum als eine Form von ›Lifestyle Politics‹ nicht um eine nur low-cost/low-time Beteiligungspraktik handelt, sondern sich gerade im Alltag und im sozialen Umfeld der Bürgerinnen robuste Widerstände zeigen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Einen wichtigen Beitrag liefert das Buch sicherlich zur politischen Verbraucherforschung, da der bisherige Blick auf politischen Konsum als vorwiegend ökonomische Praktik erheblich erweitert wird. Statt nur zu kaufen oder zu boykottieren nehmen im Offline-Bereich vor allem Praktiken des Prosumings, der Eigenherstellung von Waren und Dienstleistungen, einen zentralen Stellenwert ein. Online können dagegen vor allem Praktiken des diskursiven politischen Konsums beobachtet werden. Zentral scheint mir jedoch der Blick auf die Informationspraktiken der politischen Verbraucherinnen zu sein, nicht nur, weil sie eine wichtige Ressource des Prosumings offline darstellen, sondern auch, weil sie als Ausdruck eines neuen Wissensverständnisses gedeutet werden können.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ein Austausch mit Michele Micheletti wäre sicherlich sehr spannend. Außerdem würde mich interessieren, wie mein Beitrag aus der Perspektive der Gender-Studies bewertet wird. Aber ganz ehrlich, am liebsten diskutiere ich mit meinem Vater, da er als Ingenieur, Prosument und maßgeblich Konsumverantwortlicher im Haushalt meiner Eltern eine so herausfordernd andere Sicht auf viele meiner Fragestellungen ermöglicht.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Da würde ich mich an ein Zitat aus der Abschiedsrede von Barack Obama anlehnen: Change only happens when ordinary > practices< get involved.

Besprochen in:
Zivilgesellschaft Info, II/8 (2017)
Autor_in(nen)
Katharina Witterhold
Buchtitel
Politische Konsumentinnen im Social Web Praktiken der Vermittlung zwischen Bürger- und Verbraucheridentität
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
332
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-3710-6
DOI
10.14361/9783839437100
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFT JHB JFD
BISAC-Code
SOC026000 POL010000 SOC052000
THEMA-Code
JBFS JHB JBCT
Erscheinungsdatum
2017-03-24
Auflage
1
Themen
Wirtschaft, Politik, Internet
Adressaten
Soziologie, Politikwissenschaft, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Konsum, Internet, Praktiken, Bürgerschaft, Frauen, Beteiligung, Social Web, Politik, Wirtschaft, Politische Soziologie, Mediensoziologie, Soziologie

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