Interview

... mit Marius Hildebrand

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Der SVP-Populismus lässt sich aus meiner Sicht als (unfreiwillige) Avantgarde des europäischen Rechtspopulismus begreifen. Aber nicht nur das macht... >>>
... mit Marius Hildebrand

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Der SVP-Populismus lässt sich aus meiner Sicht als (unfreiwillige) Avantgarde des europäischen Rechtspopulismus begreifen. Aber nicht nur das macht ihn besonders interessant. Der Schweizer Fall ist auch deswegen spannend, weil der populistische SVP-Flügel lange Zeit als »Einsprengsel in die Konkordanz« bagatellisiert wurde und die konkordanzdemokratische schweizerische politische Kultur als populismusresistent galt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Der Populismus ist nicht nur ein brandaktuelles Thema. Er bildet auch einen Brennpunkt der politischen Theorie. Denn während die einen den Populismus als pathologisches und anti-pluralistisches Phänomen identifizieren, erkennen die radikaldemokratischen und postfundamentalistischen Politiktheorien, welche meine Analyse des Schweizer Populismus informieren, in den populistischen Rekursen auf ein Volk ein potentiell demokratisierendes Moment. Die Spannung des Buches resultiert auch daraus, diese Populismustheorien mit einem ›unliebsamen‹ rechtspopulistischen Diskurs zu konfrontieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Im Unterschied zu Perspektiven, die populistische Projekte als pathologische Sekundärphänomene gesellschaftlicher Integrationsdefizite begreifen, fasse ich
den Schweizer Populismus als politisches Projekt sui generis. Die Spaltung zwischen Volk und Elite erscheint daher keineswegs als anachronistische und unaufgeklärte Vereinfachung, sondern als eine Möglichkeit der Repräsentation des Sozialen, die zwar nicht per se inkompatibel mit Pluralismus ist, im Fall des SVP-Diskurses aber eben doch »anti-politische Subjekte« hervorbringt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Am liebsten mit dem leider verstorbenen Politik- und Populismustheoretiker Ernesto Laclau. Spannend wäre es natürlich zudem, mit Christoph Blocher zu sprechen – auch um live zu erleben, wie Blocher mitunter anspruchsvolle demokratietheoretische Argumente gegen den konkordanzdemokratischen Elitenkonsens mit kulturrassistischen Positionen artikuliert.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Peter Bichsel, ein schweizerischer Linksintellektueller, hat einmal gesagt, dass diese SVP-Wähler »nicht so ganz anders« seien als er. Es gibt vielleicht viele gute Gründe, diese Aussage abwegig zu finden, aber die Vorstellung gefällt mir. Deswegen fordert das Buch implizit dazu auf, dieses »Nicht-ganz-anders-Sein« zum Ausgangspunkt der politischen Auseinandersetzung zu machen, anstatt alles, was sich einem rationalen Diskurs entzieht, dem Rechtspopulismus zu überlassen. <<<


Marius Hildebrand

Rechtspopulismus und Hegemonie

Der Aufstieg der SVP und die diskursive Transformation der politischen Schweiz

Die Schweizerische Volkspartei ist binnen 25 Jahren von einer braven Klientelpartei zum politischen Taktgeber avanciert. Sie ist nicht nur die stärkste politische Kraft des Landes, sondern auch ein Vorbild des europäischen Rechtspopulismus.
Marius Hildebrand beleuchtet die Karriere der SVP mithilfe der formalen Populismustheorie Ernesto Laclaus. Im Unterschied zu sozialstrukturellen und ideologiekritischen Analysen, die den Populismus als Anomalie perspektivieren, wird er hier als Effekt einer diskursiven Transformation der politischen Schweiz betrachtet.


 
Autorenbild Hildebrand, Marius

Marius Hildebrand (Dr.) forscht an der Universität Hamburg in den Bereichen Politische Theorie und Ideengeschichte, Sozialtheorie, Rechtssoziologie, Populismus- und Hegemonietheorie sowie Gouvernmentalitätsstudien.

»Eine interessante Ergänzung zu den meisten Arbeiten zum Populismus, indem es [das Buch] jene ›Willens- und Identitätsbildungsprozesse, die Populismusforscher/innen in der Regel voraussetzen, untersucht. Während Letztere jeweils lediglich kurz darauf verweisen, dass die Termini ›Volk‹ und ›Elite‹ ganz unterschiedliche Bedeutungen haben können, zeigt dieses Buch detailliert anhand der Schweizerischen Volkspartei auf, wie diese beiden Begriffe und der für den Populismus zentrale Antagonismus zwischen ihnen diskursiv konstruiert werden.«
Edward Weber, Swiss Political Review, 23/3 (2017)
»Das Buch [bietet] einen überzeugenden Überblick über die populistische Erfolgsgeschichte SVP und vertritt selbstbewusst die These, dass einfache Versuche der dauerhaften Ausgrenzung solcher politischen Bewegungen erstens wahrscheinlich wirkungslos sind und zweitens nicht unbedingt zur Stärkung der Demokratie beitragen.«
Max Lüggert, Portal für Politikwissenschaft, 25.04.2017
»Eine exzellente Analyse des Aufstiegs der Schweizer Volkspartei zu einer der stärksten politischen Kräfte des Landes.«
Marian Pradella, www.socialnet.de, 01.03.2017

Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft

Print 39,99 €

01/2017, 398 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3712-0

Artikel-Nr.: 3712

-3712-0: Hildebrand, Rechtspopulismus und Hegemonie

Der Aufstieg der SVP und die diskursive Transformation der politischen Schweiz

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 39,99 €

PDF-Download, 6,10 MB
02/2017, 398 Seiten
ISBN 978-3-8394-3712-4

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel zum Thema

Politik

Weitere Titel aus der Reihe

Kultur und Kollektiv