Interview

... mit Belinda Grace Gardner

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Das Spannungsverhältnis zwischen Dauer und Vergänglichkeit ist ein Thema, das uns als Menschen grundsätzlich bewegt: Wie gelingt es uns,... >>>
... mit Belinda Grace Gardner

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Das Spannungsverhältnis zwischen Dauer und Vergänglichkeit ist ein Thema, das uns als Menschen grundsätzlich bewegt: Wie gelingt es uns, unserem essenziell flüchtigen Dasein Gestalt und Substanz zu geben? Künstlerinnen und Künstler machen das Unmögliche möglich, indem sie zugleich das Ephemere als wesentliches Lebensprinzip greifbar machen und es dabei transzendieren, also ästhetische Strategien entwickeln, die unsere Endlichkeit zu überwinden vermögen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
In unserer zutiefst ephemeren Zeit, in der sich die Wirklichkeit selbst im Rauschen ihrer Bilder zu verflüchtigen droht, eröffnet das Buch über die darin betrachteten künstlerischen Ansätze Perspektiven einer erweiterten Wahrnehmung sowohl der Realität als auch der Bilder, durch die wir unser Dasein heute begreifen. Die Rückblende auf die historische Dimension des Bildes als originärer Austragungsort des Flüchtigen und des Bleibenden schärft den Blick für eine gegenwärtige Ästhetik des Transitorischen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Thema des Flüchtigen ist heute von höchster Akutheit und wirft gerade in bild- und medienwissenschaftlichen Zusammenhängen eine Fülle von Fragen auf, die im Feld der Gegenwartskunst auf besonders komplexe Weise verhandelt werden. Meine Untersuchung der dialektischen Produktivmachung des Ephemeren als bildstiftendes Prinzip versteht sich als gezielt interdisziplinär angelegter Beitrag zur aktuellen kunstwissenschaftlichen Debatte unter Berücksichtigung ihrer kunsthistorischen Unterfütterung.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Am liebsten würde ich mit einem aus vor- und post-digitalen Bildbetrachterinnen und -betrachtern bestehenden Personenkreis über die im Buch erörterten Fragen der Flüchtigkeit und der künstlerischen Gestaltgebungen des Transitorischen sprechen. Mir scheint, dass sich im Phänomen des Ephemeren die unterschiedlichen Auffassungen über unsere Wirklichkeit generationsübergreifend treffen. Doch würden mich die Divergenzen zwischen den Blickrichtungen ebenso interessieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Die Kunst vermag kraft ihrer Grenzen überwindenden Bilder unserem ephemeren Dasein Gestalt, Sinnhaftigkeit und Dauer zu verleihen: Darum geht es im Kern in meinem Buch. <<<


Belinda Grace Gardner

Transitorisch: Strategien gegen die Vergänglichkeit

Gestaltgebungen des Ephemeren in der Gegenwartskunst von Meret Oppenheim bis Christian Boltanski

Als essenzielle Dynamik unseres Menschseins und unserer fundamental flüchtigen Zeit schlägt sich das TRANSITORISCHE in der Kunst der Gegenwart nieder. Die Untersuchung versammelt 14 internationale Künstlerinnen und Künstler, die dem Ephemeren eine Form und ein Stück weit Dauer geben. Zentrale Themen sind die Beschäftigung mit der Conditio humana und eine existenziell unterfütterte Verbildlichung des Flüchtigen und TRANSITORISCHEN, in denen Kreisläufe des Werdens und Vergehens ebenso produktiv gemacht werden wie die transzendenten Energien der Empathie, der Liebe und der kollektiven Teilhabe.
Das TRANSITORISCHE nimmt Gestalt an in: Meret Oppenheims Wolkenformationen, den Zeitfallen von Daniel Spoerri, Maria Fisahns Vitalisierungen des Verfalls, Marilyn Minters Störbildern des Glamours, Catherine Bolducs Luftschlössern der Wahrnehmung, Naho Kawabes existenziellen Licht- und Schattenspielen, Ena Swanseas Malerei einer ungreifbaren Wirklichkeit, Lorenz Estermanns nomadisierenden Bauten zwischen Aufbruch und Verfall, Mirko Reissers Selbstportraits im Wandel, Volker Langs Erinnerungsräumen, Luis Camnitzers mehrfach gebrochenen Spiegelungen, Teresa Margolles' Elegien vergangenen Daseins, Felix Gonzalez-Torres' Memento mori der Liebe und in der Lebensspurensicherung von Christian Boltanski.


 
Autorenbild Gardner, Belinda Grace

Belinda Grace Gardner (Dr. phil.), geb. 1960, Literatur- und Kunstwissenschaftlerin, ist in Hamburg als Kritikerin, Autorin und Kuratorin im Feld der Gegenwartskunst tätig. Sie lehrt an der Hochschule für bildende Künste Hamburg im Studienschwerpunkt Theorie und Geschichte. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Bildkonzepte der romantischen Liebe und des Ephemeren sowie (Re-)Konstruktionen von Wirklichkeit, Identität, Erinnerung, Ort und Raum in der aktuellen Kunst.

Besprochen in:
Informationsdienst Kunst, 623 (2017)

Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft, Bildwissenschaft, Medientheorie, Kulturtheorie

Print 39,99 €

02/2017, 312 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-3767-0

Artikel-Nr.: 3767

-3767-0: Gardner, Transitorisch: Strategien gegen die Vergänglichkeit

Gestaltgebungen des Ephemeren in der Gegenwartskunst von Meret Oppenheim bis Christian Boltanski

 

Lieferzeit in der Regel 3-5 Werktage

 
 
 

E-Book 39,99 €

PDF-Download, 20,60 MB
02/2017, 312 Seiten
ISBN 978-3-8394-3767-4

Preise inkl. gesetzlicher MwSt.*

Weitere Titel zum Thema

Kunst, Bild

Weitere Titel aus der Reihe

Image