Interview

... mit Christoph Hoeft, Sören Messinger-Zimmer und Julia Zilles

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Proteste und Widerstände gegen Infrastrukturprojekte unterschiedlichster Art sind zu einem wesentlichen Teil... >>>
... mit Christoph Hoeft, Sören Messinger-Zimmer und Julia Zilles

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Proteste und Widerstände gegen Infrastrukturprojekte unterschiedlichster Art sind zu einem wesentlichen Teil der politischen Kultur Deutschlands geworden. Gerade an den diversen Projekten im Kontext der gesamtgesellschaftlich stark befürworteten Energiewende entzünden sich in der konkreten lokalen Umsetzung Konflikte. Anhand dieser Konflikte lässt sich viel über die Demokratievorstellungen der Bürger_innen, aber auch der Entscheidungsträger_innen in Politik, Verwaltung und Unternehmen lernen. Mit Blick auf die politische Kultur entscheidet sich in diesen Konflikten daher deutlich mehr als die Frage, ob ein konkretes Projekt umgesetzt wird oder nicht.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Wir haben uns nicht nur auf die Perspektive der Protestierenden konzentriert, sondern auch alle anderen beteiligten Akteure in die Analyse eingeschlossen, also beispielsweise Politiker_innen, Verwaltungen und die durchführenden Unternehmen. Ebenso wurde die betroffene, aber nicht aktive Bevölkerung vor Ort in den Blick genommen. Auf diese Weise können wir ein umfassenderes Bild der Bedeutung von Protesten gegen Energiewendeprojekte zeichnen. Dabei zeigt sich, dass zwar nahezu alle Widerspruch und Protest für einen normalen Teil des politischen Prozesses halten, aber dennoch keine Seite so recht weiß, wie sie damit umgehen soll und wie politische Entscheidungen noch getroffen werden können.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Unser Buch zeigt, wie fruchtbar es ist, intensiv in lokale Konflikte einzutauchen und so Dynamiken und Reaktionen der Akteure besser zu verstehen. Die Energiewende und eben auch die daraus entstehenden Konflikte werden verschiedenste Forschungsdisziplinen noch über viele Jahre beschäftigen, da sie für die nächsten Jahrzehnte sowohl gesellschaftlich als auch technisch prägend sein wird.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Unsere Ergebnisse dürften all jene interessieren, die die technische Notwendigkeit und Machbarkeit der Energiewende ins Zentrum stellen und dabei manchmal die gesellschaftlichen Mühen einer solch großen Wandlung aus den Augen verlieren. Hier sehen wir die Chance, durch eine Diskussion unserer und ähnlicher Forschungen ein besseres Verständnis der tatsächlichen Herausforderungen zu erreichen. Allgemeiner interessiert uns eine weitergehende Auseinandersetzung mit allen, die sich fragen, wie unsere Gesellschaft so weitreichende Entscheidungen wie die Energiewende in Zukunft fällen und durchsetzen will.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Erst die Einbeziehung der Sichtweisen aller beteiligten Akteure an einem Konflikt ermöglicht ein umfassendes Verständnis der Dynamiken und Folgen für die politische Kultur. <<<


Christoph Hoeft / Sören Messinger-Zimmer / Julia Zilles (Hg.)

Bürgerproteste in Zeiten der Energiewende

Lokale Konflikte um Windkraft, Stromtrassen und Fracking

Auch wenn die Energiewende als gesellschaftlicher Konsens gilt: Wenn es um die konkrete Umsetzung geht, wächst der Widerspruch – immer häufiger kommt es bei erforderlichen Bauprojekten zu massiven Protesten. In dieser Studie werden solche Konflikte daraufhin analysiert, wie die beteiligten Akteure – also Unternehmen, Politik, Verwaltung und die Protestierenden – sich gegenseitig wahrnehmen und mit welchen Strategien sie ihre Ziele verfolgen. Auch die Perspektive der selbst nicht aktiven, aber betroffenen Bevölkerung und ihre Sicht auf die Konfliktparteien werden ausgewertet.
Durch diesen Forschungsansatz wird ein umfassendes Bild der umkämpften Umsetzung der Energiewende gezeichnet, in dem auch die Folgen der Konflikte für die Demokratie in den Blick genommen werden.


 

Christoph Hoeft (M.A.) arbeitet am Göttinger Institut für Demokratieforschung zu Protest und promoviert über die kollektiven Lernprozesse von sozialen Bewegungen.
Sören Messinger-Zimmer (M.A.) arbeitet zu zivilgesellschaftlichem Engagement und Protest am Göttinger Institut für Demokratieforschung.
Julia Zilles (M.A.) arbeitet am Göttinger Institut für Demokratieforschung zu Protesten im Kontext der Energiewende.

Homepage:
Christoph Hoeft: Uni Göttingen
Christoph Hoeft: www.demokratie-goettingen.de
Sören Messinger-Zimmer: Uni Göttingen
Julia Zilles: Uni Göttingen

Besprochen in:
http://www.berliner-impulse.de, 3 (2017)
INIS, 8 (2017)

Politikwissenschaft, Soziologie, Ingenieurswissenschaften, Raumplanung, Kommunalpolitiker sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 29,99 €

03/2017, 284 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-3815-8

Artikel-Nr.: 3815

-3815-8: Hoeft et al. (Hg.), Bürgerproteste in Zeiten der...

Lokale Konflikte um Windkraft, Stromtrassen und Fracking

 

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02/2017, 284 Seiten
ISBN 978-3-8394-3815-2

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02/2017
ISBN 978-3-7328-3815-8

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