Interview

... mit den Autoren

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Seit Jahren nimmt die Zahl psychischer Erkrankungen zu. Ursachen sind nicht zuletzt in der Arbeitswelt zu finden. Darüber sind Öffentlichkeit, Unternehmen... >>>
... mit den Autoren

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Seit Jahren nimmt die Zahl psychischer Erkrankungen zu. Ursachen sind nicht zuletzt in der Arbeitswelt zu finden. Darüber sind Öffentlichkeit, Unternehmen und Gewerkschaften zu Recht besorgt. Oft aber bleibt unklar, wie Belastungen in der Arbeit und psychische Erkrankungen zusammenhängen. Allgemeine Hinweise auf Anforderungen der modernen Gesellschaft stehen individualisierenden Lösungen gegenüber: besseres Stressmanagement, Sich-Abgrenzen-Lernen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Wir haben verschiedene Sichtweisen zusammengeführt: Unsere empirische Untersuchung hat Arbeits- und Professionssoziologen mit psychoanalytischen Sozialpsychologen und Therapeutinnen zusammengeführt. Wir haben sowohl belastende Arbeitssituationen als auch den Blick von Ärzten und Therapeutinnen und die Erfahrungen von betrieblichen Experten der Wiedereingliederung analysiert und die Sichtweise von Betroffenen selbst ernst genommen. Unser Buch zeichnen Interdisziplinarität und Multiperspektivität aus.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Wir zeigen, wie wichtig die Überwindung der jeweiligen begrenzten Fachperspektiven und der Handlungslogiken der Teilsysteme ist. Das Buch warnt vor eindimensionalen Ursachenzuschreibungen, ohne die Dramatik psychischer Erkrankungen in der Arbeitswelt zu verharmlosen. Es beschränkt sich nicht auf allgemeine Zeitdiagnosen, sondern weist den Zusammenhang von Vulnerabilitäten und Arbeitsbelastungen auf und zeigt die Möglichkeiten, aber auch Grenzen therapeutischer und betrieblicher Lösungen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Unsere Ergebnisse sind relevant für unterschiedliche Adressaten. Wir würden gerne mit betrieblichen Praktikern über Gesundheitsförderung und Wiedereingliederung, mit Ärzten und Therapeuten über die Möglichkeiten von Therapien sprechen. Besonders würden wir uns freuen, wenn wir zu einem Austausch zwischen Betriebspraktikern und Psychotherapeuten beitragen könnten. Und natürlich hoffen wir auf einen fruchtbaren Austausch mit anderen Wissenschaftlern, die an diesem Thema arbeiten.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Wenn Arbeitssituationen krank machen, reicht es nicht, nur den Erkrankten zu therapieren. <<<


Nora Alsdorf / Ute Engelbach / Sabine Flick / Rolf Haubl / Stephan Voswinkel

Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt

Analysen und Ansätze zur therapeutischen und betrieblichen Bewältigung

Welche Arbeitssituationen sind psychisch belastend? Wie gehen Organisationen mit psychischen Erkrankungen um? Und wie wird die Erwerbsarbeit in Therapien thematisiert?
Die Autor_innen analysieren Fälle psychisch erkrankter Beschäftigter interdisziplinär und zeigen auf, welche Verbesserungsmöglichkeiten es an den Schnittstellen von Gesundheitssystem und betrieblicher Wiedereingliederung gibt.


 

Nora Alsdorf (Dipl.-Soz.), geb. 1984, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sigmund-Freud-Institut. Sie arbeitet als Supervisorin und Coach.
Ute Engelbach (Dr. med., Dipl.-Päd.), geb. 1967, ist Oberärztin im Bereich Psychosomatik der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurt.
Sabine Flick (Dr. phil.), geb. 1978, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe Universität Frankfurt sowie Wissenschaftlerin am Institut für Sozialforschung.
Rolf Haubl (Dipl.-Psych., Dr. phil., Dr. rer. pol. habil.), geb. 1951, war Professor für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt sowie Direktor des Sigmund-Freud-Instituts.
Stephan Voswinkel (PD Dr. disc. pol.), geb. 1952, ist Soziologe am Institut für Sozialforschung und Privatdozent am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Homepage:
Nora Alsdorf: www.sfi-frankfurt.de
Sabine Flick: www.ifs.uni-frankfurt.de
Rolf Haubl: www.sfi-frankfurt.de
Stephan Voswinkel: www.ifs.uni-frankfurt.de

»Ein erhellendes Buch.«
neue caritas, 17 (2017)

Soziologie, Psychologie, Medizin, Politikwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 29,99 €

09/2017, 344 Seiten, kart., Abb.
ISBN 978-3-8376-4030-4

Artikel-Nr.: 4030

-4030-4: Alsdorf et al., Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt

Analysen und Ansätze zur therapeutischen und betrieblichen Bewältigung

 

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09/2017, 344 Seiten
ISBN 978-3-8394-4030-8

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