Interview

... mit Götz Großklaus

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Wenn wir die ‹Globalisierung‹ verstehen wollen, müssen wir ihre kolonialen Anfänge verstehen. Somit wird sich Europa im... >>>
... mit Götz Großklaus

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Wenn wir die ‹Globalisierung‹ verstehen wollen, müssen wir ihre kolonialen Anfänge verstehen. Somit wird sich Europa im Augenblick der Suche nach einer europäischen Identität seiner Kolonialgeschichte und der Fortdauer kolonialer Handlungs- und Denkmuster bewußt. Die überkommenen Paradigmen kultureller Überlegenheit, der Mission und der Deklassierung des Anderen etc. erweisen sich aber in der vernetzten globalen Welt als anachronistisch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Der literarisch-koloniale Diskurs wird aus gesamteuropäischer Perspektive als systemisches Element des kolonialen Prozesses im Ganzen analysiert. Der ›offiziöse‹ Diskurs kommuniziert das mentale Programm kolonialer Weltbemächtigung und wird zur Agentur der Normalisierung und Legitimierung des kolonialen Geschehens. Der verdrängte kritische Diskurs thematisiert die lange tabuierte Geschichte kolonialer Gewalt – aus der Sicht des Kolonisierten: Die Analyse hebt den Bruch mit der eurozentrischen Sichtweise hervor.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Im Gegensatz zu nationalspezifischen Untersuchungen wird hier versucht, den System-Charakter des europäischen Kolonialismus herauszuarbeiten: Der systemischen Zusammenhang der kolonialen, industriell-technischen und politischen Revolutionen, in den jedes koloniale Einzelgeschehen eingebettet ist, kann als das geschichtliche Programm europäischer Weltbemächtigung überhaupt gesehen werden.

4. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch ist die Skizze einer Mentalitätsgeschichte des Kolonialismus und verknüpft die Frühzeit der Entdeckungen und Eroberungen mit der ›Globalisierung‹ der Gegenwart. <<<


Götz Großklaus

Das Janusgesicht Europas

Zur Kritik des kolonialen Diskurses

Warum ist das mentale Programm des Kolonialismus heute global noch so aktuell? Es wirkt in einer Vielzahl literarischer Texte nach, die die Kernbotschaft des rassisch-minderwertigen Anderen weltweit verbreiten, normalisieren und legitimieren.
Dieses Buch zeichnet die verdrängte koloniale Vorgeschichte der europäischen Weltmacht-Stellung nach und zeigt die Kontinuität des kolonialen Prozesses bis in die Gegenwart seiner globalen Vernetzung auf. Die Analyse des kolonialen Geschehens erfolgt an fiktionalen und non-fiktionalen Texten im historischen und systemischen Zusammenhang der kolonialen Weltbemächtigung. Die europäische Selbstreflexion erschließt somit Wege, sich von der uneingestandenen Nachwirkung kolonialen Handelns und Denkens zu befreien.


 
Autorenbild Großklaus, Götz

Götz Großklaus (Prof. em. Dr.), geb. 1933, Literatur- und Medienwissenschaftler, ist Prof. em. für Neuere Deutsche Philologie an der Universität (TH) Karlsruhe (jetzt: KIT), wo er das Institut für Angewandte Kulturwissenschaft (jetzt: ZAK) mitbegründet und -geleitet hat. Er war u.a. assoziierter Professor für Mediengeschichte an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und hatte zahlreiche Gastprofessuren u.a. in Ägypten, Australien und der Türkei inne. Seine Hauptarbeitsgebiete umfassen in den Fachrichtungen der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft die Kulturthematik von ›Natur‹ – ›Raum‹ und ›Zeit‹ sowie u.a. das Gesamtwerk von Heinrich Heine und Andreas Gryphius.

Vergleichende Literaturwissenschaft, Heine-Forschung, Kulturwissenschaft, Soziologie sowie die interessierte Öffentlichkeit

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08/2017, 230 Seiten, kart., z.T. farb. Abb.
ISBN 978-3-8376-4033-5

Artikel-Nr.: 4033

-4033-5: Großklaus, Das Janusgesicht Europas

Zur Kritik des kolonialen Diskurses

 

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08/2017, 230 Seiten
ISBN 978-3-8394-4033-9

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