Interview

... mit Christoph Weckenbrock

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Das Thema Schwarz-Grün hat mich als Politikwissenschaftler schon seit Jahren beschäftigt – und begeistert. Keine andere Beziehung in der... >>>
... mit Christoph Weckenbrock

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Das Thema Schwarz-Grün hat mich als Politikwissenschaftler schon seit Jahren beschäftigt – und begeistert. Keine andere Beziehung in der deutschen Parteiengeschichte ist spannender als die zwischen Union und Grünen. Erst wenn man sich noch einmal bewusst macht, wie die beiden Parteien in den 1980er Jahren zueinander standen, wird klar: Schwarz-Grüne Koalitionen sind eigentlich immer noch eine kleine Sensation.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu?
Am Vorabend der Bundestagswahl gehört Schwarz-Grün zu den möglichen Koalitionsvarianten. Ein Bündnis mit den Grünen könnte für die Union nach der Wahl die einzige Chance sein, die ungeliebte Große Koalition zu beenden. Ob es für ein solches Zweierbündnis auch arithmetisch reicht, erscheint momentan jedoch mehr als unsicher. Hier käme ein Jamaika-Bündnis unter Einschluss der FDP ins Spiel. Das Thema berührt also in jedem Fall eine zentrale gesellschaftliche Frage, nämlich die nach der Zusammensetzung der nächsten Bundesregierung.

3. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch und welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Die Analyse der historischen Annäherung von Union und Grünen vom Ende der 1970er bis heute eröffnet auch einen neuen Blickwinkel auf die Geschichte unseres Parteiensystems und unserer politischen Kultur. Die Kontroversen zwischen den beiden Parteien bildeten fast immer auch die gesellschaftlichen Konfliktlinien in der Bundesrepublik ab. Dass sich die Parteien aussöhnen konnten zeigt einerseits die Lern- und Integrationsfähigkeit unseres politischen Systems. Andererseits ist Schwarz-Grün aber auch ein Symbol dafür, dass die Polarisierung zwischen den Parteien und damit auch ihre Unterscheidbarkeit erheblich abgenommen haben. Das ist durchaus ein zwiespältiger Befund.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Kurt Biedenkopf. Er war der erste prominente Christdemokrat, der in den Grünen mehr gesehen hat als nur linksradikale Öko-Spinner. Und natürlich mit Claudia Roth, die es sich in den 1980er Jahren wohl nicht einmal hätte träumen lassen, dass Ihre Partei im Jahr 2017 in gleich vier Bundesländern zusammen mit der Union regiert.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Wie Union und Grüne es schafften, von Erzfeinden zu Bündnispartnern zu werden. <<<


Christoph Weckenbrock

Schwarz-Grün für Deutschland?

Wie aus politischen Erzfeinden Bündnispartner wurden

Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Union und Grünen ist in der deutschen Parteiengeschichte einzigartig. Als fundamentaloppositionelle Bewegung gegründet, lehnten die frühen Grünen fast alles ab, was Christdemokraten heilig war: Tradition, Wachstum, Westbindung. Für die Union dagegen waren die Grünen Staatsfeinde. Schwarz und Grün – das war noch bis in die Neunziger wie Schwarz und Weiß. Doch weil sich beide Parteien tiefgreifend wandelten, gelang es, diese Gräben zu überwinden. Über die Jahre wurden aus politischen Erzfeinden Bündnispartner. Erst in den Kommunen, dann in den Ländern – und vielleicht bald auch im Bund. Christoph Weckenbrock erzählt die spannende Geschichte von Schwarz und Grün – vom Ende der siebziger Jahre bis zum Vorabend der Bundestagswahl 2017.

»Was in den achtziger und neunziger Jahren für beide Seiten abwegig erschien, ist heute immer noch ungewöhnlich, aber nicht unmöglich. Dieses Buch erzählt von der langsamen Auflösung des Tabus Schwarz-Grün – oftmals spannend wie ein Polit-Thriller.«
(Ole von Beust)

»Weckenbrock liefert hier kein flammendes Plädoyer für Schwarz-Grün im Bund. Er zeigt vielmehr, wie dieses Bündnismodell überhaupt in den Bereich des Möglichen rücken konnte. Dabei ist ihm ein im besten Sinne aufregendes Sittenbild bundesdeutscher Zeit- und Parteiengeschichte gelungen.«
(Rezzo Schlauch)


 

Christoph Weckenbrock (Dr. phil.), geb. 1983, ist Lehrbeauftragter am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Koalitions- und die Parteienforschung. Er hat u.a. zur deutschen Parteienlandschaft, zur NPD und zur Energiewende publiziert.

Homepage:
Christoph Weckenbrock: Uni Bonn

»Der Bonner Politikwissenschaftler weist deskriptiv und klug-problemorientiert nach, wie aus Erzfeinden schließlich Bündnispartner wurden, die [...] variabel bereits zusammenarbeiten.«
Karl-Rudolf Korte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2017
»[Das Buch] überzeugt durch sachlichen Überblick und Sinn für anekdotische Details.«
Peter Carstens, Deutschlandfunk – Andruck, 18.09.2017

Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Politische Kulturforschung sowie die interessierte Öffentlichkeit

Print 22,99 €

07/2017, 256 Seiten, kart.
ISBN 978-3-8376-4043-4

Artikel-Nr.: 4043

-4043-4: Weckenbrock, Schwarz-Grün für Deutschland?

Wie aus politischen Erzfeinden Bündnispartner wurden

 

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08/2017, 256 Seiten
ISBN 978-3-8394-4043-8

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08/2017
ISBN 978-3-7328-4043-4

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