Interview

... mit Matthias C. Müller

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Raum- und Selbsttheorie sind wissenschaftliche Evergreens – so gesehen gehört mein Buch zu einem traditionsreichen Feld. Die jüngsten... >>>
... mit Matthias C. Müller

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?
Raum- und Selbsttheorie sind wissenschaftliche Evergreens – so gesehen gehört mein Buch zu einem traditionsreichen Feld. Die jüngsten globalen Entwicklungen allerdings verleihen diesen Theorien eine aktuelle Brisanz. In einer Welt, die kommunikativ, wirtschaftlich, kulturell, umwelt- und migrationspolitisch entgrenzt ist, stellt sich die Frage nach dem Ort des eigenen Selbst auf ungewohnt drängende Weise. Das Buch bietet hierzu historische Bestandsaufnahmen und interdisziplinäre Analysen und ermöglicht handlungsweisende Schlußfolgerungen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Zunächst eine kontraintuitive anthropologische Perspektive: Der Mensch wird konsequent vom Raum her verstanden. Der Raum erzeugt und formt den Menschen. Hier schlage ich den neuen Begriff einer Anthropotopologie vor. Zudem führen meine begriffstheoretischen Differenzierungen zu einer Konvergenztheorie, im Rahmen derer die je spezifischen Perspektiven der Neurowissenschaften, der Philosophie des Geistes und der Phänomenologie vereint werden können. Schließlich wirbt das Buch für den Aufbau einer Informationsontologie.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Greift man den Ansatz der Anthropotopologie, der Konvergenztheorie und der Informationsontologie auf, hat dies immense Folgen für andere Ansätze in den Lebenswissenschaften im weitesten Sinn. Auch kann die zwischen Geistes- und Naturwissenschaften geführte, von Mißverständnissen geprägte Debatte über den Wert und den Erkenntnisgewinn ihrer jeweiligen Methodik überwunden und zugleich eine gemeinsame, auf Perspektivendifferenzierung beruhende Wissenschaftssprache gefunden werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Emmanuel Macron und weiteren europäischen Staats- und Regierungschefs. Ich würde einen zentralen Aspekt des Buchs hervorheben: den Sinn von Grenzen. Dies betrifft jede Art von Grenzen, virtuelle und aktuale, mögliche und wirkliche, natürliche und künstliche, buchstäbliche und übertragene; also nicht nur Staatsgrenzen, sondern beispielsweise auch Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums und der Globalisierung, der biotechnologischen Mobilmachung und der Planbarkeit des Lebens.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Subjektivität ist eigentlich ein Raumphänomen: erst durch das Erleben einer Umgrenzung wird das Selbst hervorgerufen. <<<


Matthias C. Müller

Selbst und Raum

Eine raumtheoretische Grundlegung der Subjektivität

Jeder Mensch steht in einem mehr oder weniger klaren Verhältnis zur eigenen Person, zu dem, was man auch das Selbst nennt. Hierbei spielt der Raum eine entscheidende Rolle – denn der Mensch ist nicht begreifbar ohne den Ort, an dem er sich aufhält.
Matthias C. Müllers raumtheoretisch fundierte Neubeschreibung des philosophischen Großthemas Selbstheit bzw. Subjektivität zeigt nicht nur, daß menschliches Dasein nicht ohne Bezug auf das Wohnen im Raum begriffen werden kann, sondern auch, daß eigentlich nicht der Mensch den Raum hervorbringt, sondern vielmehr der Raum den Menschen.


 
Autorenbild Müller, Matthias C.

Matthias C. Müller (Dr. phil.), geb. 1970, hat seit 2005 regelmäßig Lehraufträge für Philosophie und Ästhetik an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe wahrgenommen und wurde 2015 von Peter Sloterdijk und Michael Hampe promoviert. 2005 gründete er die Akademie »Der Philosophische Garten« in Stuttgart und Berlin. Er veröffentlichte u.a. den Lebenskunst-Essay »Alle im Wunderland. Verteidigung des gewöhnlichen Lebens« (Diederichs Verlag, München, 2010).

Homepage:
Matthias C. Müller: www.philosophischergarten.de

Philosophie, Phänomenologie, Psychologie, Medizin, Biologie, Kognitions- und Neurowissenschaften, Literaturwissenschaft, Konstruktivismus, Geistes- und Naturwissenschaften, Ästhetik, Architektur sowie die interessierte Öffentlichkeit

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08/2017, 408 Seiten, kart., Abb.
ISBN 978-3-8376-4087-8

Artikel-Nr.: 4087

-4087-8: Müller, Selbst und Raum

Eine raumtheoretische Grundlegung der Subjektivität

 

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10/2017, 408 Seiten
ISBN 978-3-8394-4087-2

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