Thomas Lemke

Veranlagung und Verantwortung

Genetische Diagnostik zwischen Selbstbestimmung und Schicksal

Sind Gene unser Schicksal? Die sozialwissenschaftliche und philosophische Diskussion der Ergebnisse der Genomforschung ist eigentümlich verzerrt. Meist wird die Gefahr eines genetischen Determinismus beschworen, der Selbstbestimmung und Freiheit der Subjekte bedrohe. Diese Studie zeigt die Grenzen dieser Kritik. Sie macht deutlich, dass die Arbeit von Selbsthilfegruppen im Bereich genetischer Krankheiten neue Formen personaler Identität und kollektiver Vergemeinschaftung schafft. Das genetische Wissen führt nicht zu einer »Biologisierung des Sozialen«, sondern verändert die individuelle Erfahrung von Schwangerschaft, Familie und Partnerschaft ebenso grundlegend wie gesellschaftliche Institutionen. Der Band wird abgerundet durch ein Glossar und eine Liste nützlicher Internetadressen, die einen Einstieg in die Diskussion ermöglichen.


 

Thomas Lemke (Dr. phil.) ist Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Gesellschaftstheorie, politische Theorie, Organisationssoziologie, Biopolitik, Gen- und Reproduktionstechnologien.

»Die leicht lesbare, wenn auch nicht ganz voraussetzungsfreie Erläuterung des Forschungsstandes zur Huntington-Krankheit, die Rekapitulierung der Argumente und Positionen um Gentests und nicht zuletzt die Zusammenführung von Literatur zu diesem Thema machen die Untersuchung zu einer informationsreichen Einführung in die soziale und politische Problematik prädiktiver Gentests.«
Alexander von Schwerin, Gen-ethischer Informationsdienst GID, 164 (2004)

»Zu den erhellenden Befunden der Studie – die durch Glossar und nützliche Webadressen zum Themengebiet im Anhang ergänzt wird – gehört es, dass ganz deutlich aufgezeigt werden kann, dass die Risikopersonen im Falle des genetischen Huntington-Tests nicht ohnmächtig einem wissenschaftlichen-technologischen Apparat ausgeliefert sind, der sie klassifiziert und nach Testergebnissen selegiert.
Die analysierten Beispiele der von der Huntington-Krankheit Betroffenen zeigen, dass sie nicht nur Objekte medizinischer Fürsorge oder wissenschaftlicher Forschungsinteressen sind (deren anormales genetisches Material im Falle der Huntington-Krankheit paradoxerweise geschätzter Rohstoff der medizinischen und kommerziellen Forschung ist, diese Menschen also über ›genetisches Kapital‹ im Sinne von Bordieu verfügen), sondern sich selbst als Subjekte wahrnehmen, deren Existenz entscheidend von ihrer genetischen Ausstattung abhängt.«
Sven Sauter, EWR 5 (2006),
www.klinkhardt.de, 11/12 (2006)
»Genetische Diagnostik zwischen Selbstbestimmung und Schicksal. Das genetische Wissen führt nicht zu einer Biologisierung des Sozialen, sondern verändert die individuelle Erfahrung von Schwangerschaft, Familie und Partnerschaft ebenso grundlegend wie gesellschaftliche Institutionen.«
Dr.med. Mabuse, 7/8 (2004)
Besprochen in: Sichere Arbeit, 5 (2005)

Soziologie, Medizin, Bioethik, Selbsthilfegruppen

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02/2004, 140 Seiten, kart., mit Glossar
ISBN 978-3-89942-202-3

Artikel-Nr.: 202

-202-3: Lemke, Veranlagung

Genetische Diagnostik zwischen Selbstbestimmung und Schicksal

 

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07/2015, 140 Seiten
ISBN 978-3-8394-0202-3

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