Andrea Lauser

»Ein guter Mann ist harte Arbeit«

Eine ethnographische Studie zu philippinischen Heiratsmigrantinnen

Das Phänomen der internationalen interkulturellen Heiratsmigration gewinnt seit Jahren zunehmend an Bedeutung. In ihm verweben und verdichten sich vielfältige Dynamiken zwischen Globalem und Lokalem, zwischen Ökonomie, Kultur und Geschlecht, zwischen Heirat und Ehe sowie zwischen Familie und Arbeit auf komplexe Weise. In dieser ethnographischen Migrationsstudie wird anhand dichter Fallbeschreibungen die Vernetzung zwischen Herkunfts- und Zielland philippinischer Heiratsmigrantinnen nachgezeichnet. Auf der Spurensuche nach kulturellen Bedeutungszusammenhängen ebenso wie nach alltäglichen Lebensstrategien wird eine kreative Verschränkung von kleinen und großen Erzählungen und ethnologischen Interpretationen und Analysen hergestellt. Im Ergebnis wird mit zahlreichen Klischees über Heiratsmigrantinnen aufgeräumt.


 

Andrea Lauser (Prof. Dr.) lehrt Ethnologie an der Universität Göttingen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migration und Identitätspolitiken, Transformationsprozesse und Revitalisierung von Religion und Ritual, Gender-Theorie und Ethnographie sowie Transnationalismusforschung.

Ethnologie, Soziologie, Kulturwissenschaft, Cultural Studies, Gender Studies

»In ihrer Studie 'Ein guter Mann ist harte Arbeit.' Eine ethnographische Studie zu philippinischen Heiratsmigrantinnen stellt Andrea Lauser das Phänomen philippinischer Ehefrauen in Deutschland in einem völlig neuen Licht dar. Übliche Stererotypisierungen und Vorurteile werden gründlich über den Haufen geworfen, um stattdessen eine lebendige Nahaufnahme vorzunehmen, welche die Frauen aus einer ungewöhnlichen Perspektive zeigt. Verschränkt werden Lebensgeschichten und ganze Familiengeschichten, Ausführungen über Migrationsgeschichte auf den Philippinen mit Begegnungsgeschichten der Ethnographin.
In dieser Schichtung, die quer und überraschend verläuft, aber nie geradlinig ist, so wenig wie die Biographien der Protagonistinnen, liegt die große Stärke des Buches. Es wird eine Multiperspektivität entwickelt, die überraschende Erkenntnisse zutage bringt. Immer wieder taucht der Leser/die Leserin in individuelle Schicksale ein, die nachfolgend in Beziehung gesetzt werden zu einem ganzen Familiennetzwerk und darüber hinaus in einem weiteren
kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhang gedeutet werden. Die Philippinen erschienen als Migrationsgesellschaft, in der von jeher eine gewisse Expertise in internationalem familiären ›networking‹ entwickelt worden ist.
Sehr deutlich wird im Buch die enge Verknüpfung zwischen der Herkunftsfamilie und neuer Ehe, gezeigt werden die vielfältigen Strategien der Frauen, diese Verbindung nicht abreißen zu lassen, sondern auf neue Weise fruchtbar zu machen. Heiratsmigration erschient - auch - als Mittel der gegenseitigen Unterstützungen, als Schauplatz der Erwartungen und als Gebiet, auf dem bestimmte Rollenzuweisungen vorhanden sind, mit denen die Beteiligten sich auseinandersetzen müssen.
Der Leser erhält Einblick in die enge Verbindung von - romantischen - Vorstellungen von Heirat und Ehe und die gleichzeitig vorhandenen ökonomischen Zwänge und sozialen Gesetzmäßigkeiten. Wie es der Titel bereits suggeriert, so tun die philippinischen Frauen viel dafür, um sich den Erwartungen zu stellen und gleichzeitig für ihre individuellen Vorstellungen vom Glück zu kämpfen. Das führt zu Konflikten und biographischen Brüchen, zu jeweils eigenen Lösungsversuchen und Erfolgen.
Neugierig und nicht nachlassend lässt uns Andrea Lauser an den wendungsreichen Schicksalen der Protagonistinnen teilhaben. Viele Interviewausschnitte und persönliche Berichte eröffnen dem Leser/der Leserin eine ganz andere oder auch vertraute Welt. Dabei verliert die Autorin nie den analytischen Blick und hinterfragt gerade das scheinbar Selbstverständliche, das sie in einen kulturellen Kontext stellt, aber auch als indiviudelle Handlungsstrategie ausweist.
Die Autorin ist den Heiratsmigrantinnen gleichsam ›nachgereist‹ und stellt in monatelanger teilnehmender Beobachtung sowohl den philippinischen als auch den deutschen Lebenszusammenhang dar. Sie verknüpft die Fäden der einzelnen Familienmitglieder und behält stets den Blick sowohl auf das philippinische Herkunftsland als auch auf das neue deutsche Heimatland. Alle Beteiligten, auch die jeweiligen Ehemänner, werden in ihrer transkulturellen familiären Vernetzung gezeigt.
Gerade indem sie die unterschiedlichen, über die Welt verteilten Schauplätze vorstellt, an denen die Familienmitglieder sich bewegen, erfüllt die Autorin in bestechender Komplexität den Anspruch einer ›multisited ethnography‹, einer ethnographischen Beschreibung, die die Tatsache globaler Strömungen in die Erzählung aufnimmt. Es ist ein lebendiges und spannendes Buch, das ganz neue Einsichten zutage fördert und die Frauen als äußerst aktiv Handelnde mit enormen Ressourcen zeigt.«

Anna-Kathrin Warner, Dr.phil., Institut für Kulturforschung, Universität Bremen

Print 28,80 €

04/2004, 340 Seiten, kart.
ISBN 978-3-89942-218-4

Artikel-Nr.: 218

-218-4: Lauser, Philippininnen

Eine ethnographische Studie zu philippinischen Heiratsmigrantinnen

 

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