Autoreninterview

... mit Oliver Scheytt

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Kulturpolitik braucht eine immer wieder neue Positionsbestimmung. Mit diesem Buch wird im Anschluss... >>>
... mit Oliver Scheytt

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Kulturpolitik braucht eine immer wieder neue Positionsbestimmung. Mit diesem Buch wird im Anschluss an den Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages »Kultur in Deutschland« das seit längerem umfassendste kulturpolitische Plädoyer vorgelegt. Es ist geprägt von Erfahrungen aus der kulturpolitischen Praxis und Reflexionen auf der Basis wissenschaftlicher Diskurse zu Kultur, Gesellschaft und Staat.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Rolle des Staates in der Kulturpolitik wird neu definiert: Kultur ist nicht nur Angelegenheit der Öffentlichen Hand sondern auch von Markt und Zivilgesellschaft. Weder ist der Staat einziger Akteur in der Kulturpolitik, noch kann die Bürgergesellschaft allein die Verantwortung für Kultur übernehmen, und wenn Kultur den ökonomischen Marktmechanismen überlassen bliebe, würden bestimmte Angebote nicht mehr vorhanden sein. Folglich wird das Leitbild einer »aktivierenden Kulturpolitik« entwickelt, die alle am kulturellen Leben beteiligten Akteure motiviert und einbezieht.
Das Buch ist ein umfassender kulturpolitischer Leitfaden, der in der Reflexion des Kontextes von Gesellschaft, Individuum und Staat, in Bezug auf den Kontent in Form der Gestaltungsfelder Künste, Geschichtskultur und Kulturelle Bildung sowie im Blick auf einen Konsens der Akteure die Kulturpolitik zeitgemäß neu begründet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Kulturpolitik ist zur Querschnittsaufgabe geworden. Kreative Allianzen zu anderen Politikfeldern wie Bildung, Soziales, Stadtentwicklung, Strukturpolitik spielen für den politischen Konsens und die Herstellung von Mehrheiten eine große Rolle und Kultur ist in der »Ökonomie der Aufmerksamkeit« eines der wichtigsten Felder für Politikerinnen und Politiker. Wie mittels solcher Allianzen in der kulturellen Öffentlichkeit die kulturelle Infrastruktur erhalten und ausgebaut werden kann, ist eine umfassende Herausforderung und zentrales Thema dieses Buches.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Das Leitbild von einem »aktivierenden Kulturstaat« wird sowohl im Bezug auf die Kulturgesellschaft als auch im Bezug auf das Individuum als Kulturbürger entwickelt. Die Handlungsmaximen für die Kulturpolitik werden unter Berücksichtigung unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen begründet, wobei die neuesten Erkenntnisse der Verfassungsrechtslehre eine besondere Rolle spielen. In der Gesellschaftsanalyse und bei der Reflexion der Rolle des Staates im Gemeinwesen werden aber auch neueste sozialwissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien ausgewertet, während bei der Betrachtung der Handlungsfelder Künste, Geschichtskultur und Kulturelle Bildung die jeweiligen Fachdisziplinen zu Rate gezogen werden.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

6. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch gibt allen verantwortlichen Akteuren im kulturellen Leben, in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, eine Orientierung für die Programmatik und Umsetzung des öffentlichen Kulturauftrags und die Gestaltung kreativer Allianzen. <<<


Oliver Scheytt

Kulturstaat Deutschland

Plädoyer für eine aktivierende Kulturpolitik

Dieses Buch markiert ein neues und zeitgemäßes Verständnis von Kulturpolitik. Der Enquetebericht des Deutschen Bundestages »Kultur in Deutschland« von Ende 2007 hat deutlich werden lassen, dass unser Kulturstaat durch das Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geprägt wird. Als Sachverständiges Mitglied der Kommission und einer der profiliertesten Kulturpolitiker plädiert Oliver Scheytt für eine »aktivierende Kulturpolitik«, die alle kreativen Kräfte mobilisiert. Aufgrund seiner Erfahrungen aus mehr als zwei Jahrzehnten Praxis in Kulturpolitik und Kulturmanagement hält er das Konzept einer »Kultur für alle« für überholt, da sich Kulturangebote angesichts von Globalisierung, Medialisierung und Pluralisierung zunehmend an wechselnde Minderheiten in der Kulturgesellschaft richten. Der Autor verabschiedet sich vom Bildungsbürgertum klassischer Prägung und fordert, das Individuum als »Kulturbürger« zum Bezugspunkt von Kulturpolitik zu machen.


 

Oliver Scheytt (Dr.) ist Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft und Professor für Kulturpolitik und kulturelle Infrastruktur an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Als Autor zahlreicher Publikationen zu Kulturpolitik und -management, Kulturrecht und Kulturelle Bildung ist er ein profunder Kenner der Kulturpolitik in Theorie und Praxis.

»Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, das neue Maßstäbe setzt und das nicht nur auf den Tisch verantwortungsvoller Kulturpolitiker gehört.«
Gerald Mertens, das Orchester, 6 (2009)
»Darauf hat man seit langem gewartet: dass die vielfältigen und anregenden kulturpolitischen Diskurse der letzten Jahre zusammengeführt und in vernetzender Reflexion präsentiert, kommentiert und auch kritisiert würden.«
Hermann Glaser, kulturpolitische mitteilungen, 124/1 (2009)
Besprochen in:

politik und kultur, 1 (2009), Gabriele Schulz
Kulturforum der Sozialdemokratie, 27.02.2009, Wolfgang Thierse
soziokultur, 2 (2012)

Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Kulturmanagement, Kulturpolitik

Print 27,80 €

09/2008, 310 Seiten, kart.
ISBN 978-3-89942-400-3

Artikel-Nr.: 400

-400-3: Scheytt, Kulturstaat Deutschland

Plädoyer für eine aktivierende Kulturpolitik

 

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07/2015, 310 Seiten
ISBN 978-3-8394-0400-3

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