Interview

... mit Jörg Döring

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Seit knapp 20 Jahren geistert das Wort vom ›spatial turn‹ durch kultur- und... >>>
... mit Jörg Döring

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Seit knapp 20 Jahren geistert das Wort vom ›spatial turn‹ durch kultur- und sozialwissenschaftliche Debatten. Unser Buch ist auch im internationalen Forschungskontext das erste, das die verschiedenen fachspezifischen Perspektiven auf die ›räumliche Wende‹ systematisch versammelt: Positionen aus Literaturwissenschaft, Filmwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Medienwissenschaft, Philosophie sowie der Humangeographie. Dabei kommen Befürworter wie Kritiker des »spatial turn« gleichermaßen zu Wort.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es ist mitnichten so eindeutig, dass die Befürworter des »spatial turn« in den Kultur- und Sozialwissenschaften zu finden wären, seine Kritiker in der Humangeographie. Auch innerhalb der internationalen Humangeographie wird um Sinn und Unsinn einer grundbegrifflichen Fundierung von »Raum« und seiner Bedeutung für kulturelle Artefakte und soziale Prozesse erbittert gestritten. Es kann die Geographie nicht kalt lassen, wenn so viele Disziplinen aus Kultur- und Sozialwissenschaft in ihrem Territorium »wildern«.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Frage, ob es einen ›spatial turn‹ gibt, ist keine ausschließlich wissenssoziologische oder paradigmengeschichtliche: sie ist im Umkreis unserer Erfahrungen mit der Globalisierung angesiedelt. Zum einen könnte eine kategoriale Priorisierung des Raumes gegenüber der Zeit ein Ausdruck dafür sein, dass wir Konstellationen eines räumlichen Nebeneinander nicht mehr so leicht auf einer zeitlichen »Entwicklungsachse« beschreiben können. Deren Pole ›fortschrittlich‹ oder ›rückständig‹ sind in Frage gestellt. Zum anderen spricht die ›räumliche Wende‹ in so vielen Disziplinen für das vorläufige Ende eines allzu luftigen Konstruktivismus. ›Doch hart im Raum stoßen sich die Sachen‹: Fächerübergreifend zu beobachten ist die Rückkehr eines moderaten geographischen Materialismus – sehr zum Ärger vieler Geographen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Das Buch vertritt keine Position, sondern es bildet einen weitläufigen, lebendigen Diskussionszusammenhang ab.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Lob und Tadel der ›räumlichen Wende‹. <<<


Jörg Döring / Tristan Thielmann (Hg.)

Spatial Turn

Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften
(2., unveränderte Auflage 2009)

Warum reden alle vom Raum? Ist die Zeit der wissenschaftlichen Vorherrschaft der Zeit vorüber? Was tritt unter den Bedingungen der Globalisierung an die Stelle eines schwächelnden Fortschritts- und Entwicklungsparadigmas? Wenn mittlerweile fast alle Disziplinen in den Kultur- und Sozialwissenschaften damit beschäftigt sind, ihre Diskurse zu »verräumlichen«, ist dann die Rede von einem »Spatial Turn« angemessen?
Diese Anthologie leistet zweierlei: Zum ersten Mal erscheint auf dem deutschen Buchmarkt eine fächerübergreifende Anthologie zum Spatial Turn und zum ersten Mal findet eine Diskussion auch unter Beteiligung der Geographen statt – jenen »Raumspezialisten«, die sich in jüngster Zeit als scharfe Kritiker der fächerübergreifenden Raumkonjunktur profiliert haben.


 

Jörg Döring (Prof. Dr.) lehrt als Juniorprofessor Neuere deutsche Literatur und Medien an der Universität Siegen und leitet das Teilprojekt »Media Geography« am SFB/FK 615 »Medienumbrüche« der Universität Siegen.
Tristan Thielmann (Prof. Dr.) lehrt als Professor für Science and Technology Studies an der Universität Siegen und ist Leiter des DFG-Graduiertenkollegs »Locating Media«. Mit den Teilprojekten »Navigation in Online-/Offline-Räumen« und »Wissenschaftliche Medien der Praxistheorie« ist er am DFG-Sonderforschungsbereich »Medien der Kooperation« beteiligt.

Homepage:
Tristan Thielmann: SFB Medien der Kooperation Uni Siegen
Tristan Thielmann: Uni Siegen

»Dieser Sammelband ist allen, die sich für den Raumdiskurs interessieren, wärmstens zu empfehlen.«
Christine Hermann, www.literaturkritik.de, 6 (2010)
»In seiner präzisen Doppelstruktur von Raumdialog und Raumkorrektur, von der Erkundung neuer und der Kartierung bestehender Diskussionslinien des Raumes, bildet der Band [...] einen aktiven, fundierten und hilfreichen Beitrag zum Verständnis des ›Spatial Turn‹ und seiner (widersprüchlichen) Dynamiken.«
Laura Frahm, GERMANISTIK, 3 (2009)
»Insgesamt liefert der Band einen breit gefächerten Überblick über die derzeitige Diskussion um den ›spatial turn‹, die überhaupt nur durch die Gegenüberstellung der Auseinandersetzung mit der Raumthematik in den verschiedenen Disziplinen verständlich wird.«
Regine Henn, Soziologische Revue, 32/3 (2009)
»Die einzelnen Ansätze [beglücken] in ihrem Forschungsdesign, welches, von einer handlungs- bis zur systemtheoretischen Modellierung reichend, unisono das Plädoyer für eine diskursive Reintegration der Raumsemantik plausibel vorführt.«
Tim Raupach, MEDIENwissenschaft, 1 (2009)
»›Who is afraid of the spatial turn?‹, diese (angstvolle?) Frage wird sicherlich von den Buchbeiträgen nicht in aller Sinne beantwortet oder auch ausgeräumt; aber die aufgezeigten Positionen, die von dem Herausgebern geordnet werden in die ›emphatische Position‹, die ›strategische-neutrale Position‹ und in die ›aversiv-souveräne Position‹, bringen Licht in den bisher geführten – oder eben auch (noch) nicht geführten – Diskurs über das Raumparadigma.«
Jos Schnurer, www.socialnet.de, 8 (2008)
»[Es ist] überfällig, dass sich die mit der Kategorie Raum arbeitende Geschichtswissenschaft nicht länger aus der geographischen Rumpelkammer bedient, sondern innovative Konzepte, wie sie bereits für die Frühe Neuzeit existieren, aufgreift und weiterentwickelt. Der [...] Band liefert hierfür hervorragende Orientierungshilfen und ist daher allen Raumpionieren diesseits und jenseits des Spatial Turn wärmstens zu empfehlen.«
Ulrike Jureit, H-Soz-u-Kult, 19.08.2008
»[Es] bleibt dem Band nur zu wünschen, dass er nicht als Standardwerk in dem Sinne aufgefasst wird, hier würde der spatial turn in den Kultur- und Sozialwissenschaften abschließend erfasst und damit erledigt. Vielmehr sollten die hier versammelten Konzepte [...] als Handlungs- und Anwendungsaufforderungen verstanden werden, die der Ausführung und Vertiefung bedürfen.«
Micha Braun, Clio-online, 10 (2008)
Besprochen in:

Dialogische Erziehung, 3-4 (2009)

Soziologie, Geschichtswissenschaft, Geographie, Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft, Bildwissenschaft, Philosophie

Print 29,80 €

03/2008, 460 Seiten, kart.
ISBN 978-3-89942-683-0

Artikel-Nr.: 683

-683-0: Döring et al. (Hg.), Spatial Turn

Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften
(2., unveränderte Auflage 2009)

 

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PDF-Download, 4,30 MB
07/2015, 460 Seiten
ISBN 978-3-8394-0683-0

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