Interview

... mit Jörg Volbers

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
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... mit Jörg Volbers

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Dieses Buch ist für alle, die konventionelle Erklärungen und Einteilungen zeitgenössischer Philosophie herausfordern. Will Wittgenstein, der zahme Hund, wirklich nur Sprachspiele beschreiben? Welche Art von Kritik lässt seine Philosophie noch zu? Und was soll das mit Genealogie und Selbsttechniken zu tun haben? Es geht darum, auch im postmodernen Rahmen dem Projekt treu zu bleiben, das Denken zu denken – und um die ethischen Konsequenzen dieses philosophischen Ziels.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch führt zwei Traditionen zusammen, die sich immer noch viel zu gern wechselseitig ignorieren: Foucaultianer und Wittgensteinianer. Beide treffen sich, wie gezeigt wird, im klassischen Problem der philosophischen Selbstkritik; beide reagieren darauf mit einem Konzept der Philosophie als eine transformative, exemplarische ›Arbeit an sich‹. Die Studie nimmt diese Konzeption ernst und erkundet, jenseits aller Lebenskunst-Romantik, ihre systematischen und historischen Implikationen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Arbeit gibt der erkenntnistheoretischen Diskussion um Skeptizismus und Realismus einen neuen Dreh, indem sie systematisch Cavells Behauptung begründet, dass der Skeptizismus kein logisches, sondern ein ethisches Problem ist. Sie relativiert die ästhetisierende Rezeption des späten Foucaults, indem sie das Konzept philosophischer Selbsttransformation als eine Grundsatzposition Foucaults herausarbeitet, die über das späte Interesse an griechischer Ethik hinaus sein Werk durchzieht.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit überzeugten Wittgensteinianern, die mir (und Cavell) eine Romantisierung der Philosophie Wittgensteins vorwerfen; und mit Foucault-Anhängern, denen ich sicherlich zu individualistisch argumentiere.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Die Einsicht in die Sprachlichkeit und Geschichtlichkeit des Denkens zwingt uns, Philosophie als eine Transformation des philosophierenden Subjekts selbst aufzufassen – als ein repräsentativer Wandel im Selbst- und Weltverhältnis, bei dem die eigene Kultur kritisch auf sich selbst trifft. <<<


Jörg Volbers

Selbsterkenntnis und Lebensform

Kritische Subjektivität nach Wittgenstein und Foucault

Die sprachliche und soziale Natur der Erkenntnis ist eine Grundeinsicht der Moderne. Doch welchen Spielraum lässt sie noch der Kritik, der distanzierten Prüfung der eigenen Sprache und Lebensform? Vor dem Hintergrund des Werkes Stanley Cavells fragt dieses Buch nach dem Verhältnis von Lebensform und Selbsterkenntnis. In ungewohnter Weise liest es Wittgenstein und Foucault als komplementäre Antwortstrategien auf dieses Grundproblem: Philosophie muss als eine »Arbeit an sich« (Wittgenstein), als körperliche »Selbsttechnik« (Foucault) verstanden werden. Nicht ethische Programmatik, so kann gezeigt werden, sondern systematische Konsequenz führt zu einer Engführung von Philosophie und Lebenspraxis.


 

Jörg Volbers (Dr. phil.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der FU Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der Praxistheorie (Wittgenstein, Heidegger und der Pragmatismus) sowie bei Theorien der Subjektivität und der Subjektivierung (Foucault und Cavell).

Philosophie, Ethik, Sozialphilosophie, Erkenntnistheorie

Print 29,80 €

05/2009, 290 Seiten, kart.
ISBN 978-3-89942-925-1

Artikel-Nr.: 925

-925-1: Volbers, Selbsterkenntnis

Kritische Subjektivität nach Wittgenstein und Foucault

 

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09/2015, 290 Seiten
ISBN 978-3-8394-0925-1

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