Autoreninterview

... mit Christine Bähr, Suse Bauschmid, Thomas Lenz und Oliver Ruf

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Unser Band setzt sich mit der Vorstellung des... >>>
... mit Christine Bähr, Suse Bauschmid, Thomas Lenz und Oliver Ruf

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Unser Band setzt sich mit der Vorstellung des ›unnützen Überflusses‹ auseinander und fragt damit auch nach der Bedeutung von Produktivität für verschiedene kulturelle Praktiken. Der Band selbst stellt eine Art ›Werkzeugkasten‹ zur Verfügung, mit dem sich, so ist zu hoffen, die Auseinandersetzung mit dem – aktuell ja auch gerade im Feld der Ökonomie und Arbeit brisanten – Moment der Verausgabung ›produktiv‹ führen lässt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Der Band analysiert kulturelle Phänomene des Überflusses und der Überschreitung aus literatur-, kunst- und medienwissenschaftlicher, aus soziologischer und historischer Perspektive. Er sucht im Spektrum der Disziplinen die verschiedenen Facetten des Verausgabens (von Geld, von Waren, von körperlicher Leistungsfähigkeit, usw.) sichtbar zu machen und ihre kulturwissenschaftliche Dimension auszuleuchten.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die gegenwärtigen Kulturwissenschaften werden seit einiger Zeit durch eine ausgeprägte Theoriediskussion geprägt, die ihre Dynamik und ihren Ausdruck aus dem Spannungsfeld wechselnder ›cultural turns‹ über (fast) alle Disziplinen hinweg erhält. Dabei wurde bislang dem Konnex von Überfluss und Überschreitung, wenn überhaupt, nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen (von der Konsum- über die Spaßgesellschaft hin zur ›großen‹ (Wirtschafts-)Krise eine methodologische und interpretatorische Reflexion derselben geradezu einfordern. Auf diesen Befund reagiert der Band und will zumindest erste Prolegomena zur Erschließung eines solchen Desiderats beisteuern.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit dem vor ziemlich genau 80 Jahren verstorbenen Thorstein Veblen: In seiner Theory of the Leisure Class analysiert und karikiert er die ökonomische, kulturelle und historische Bedeutung der Verschwendung und des Überflusses. Zudem wirkte er wissenschaftstheoretisch im freien Raum zwischen den Disziplinen der Literatur, der Soziologie und der Ökonomie.

5. Ihr Buch in einem Satz:
»Wir vergessen oft, daß das Spiel der Philosophie (...) ein Wettkampf ist. Es handelt sich immer darum, soweit wie möglich zu kommen.« (Georges Bataille) <<<


Christine Bähr / Suse Bauschmid / Thomas Lenz / Oliver Ruf (Hg.)

Überfluss und Überschreitung

Die kulturelle Praxis des Verausgabens

Das Moment des Verausgabens zeichnet sich in einer Überschreitung ab, die Grenzen und Grenzziehungen zugleich in Frage stellt und (neu) formiert. Als Verausgabung ist wahrnehmbar und beschreibbar, was die Begrenzungen gegebener Ressourcen überwindet und einen vorhandenen Status quo überbietet. Phänomene des Exzesses und des Rausches ebenso wie des Wettbewerbs und des Überflusses thematisieren die Grenzen des Notwendigen, der Kontrolle wie auch der Souveränität.
Die Beiträge des Bandes verfolgen Spuren des Verausgabens in Sprache und an Körpern, in den Feldern der Literatur, der Künste und der Medien.


 

Christine Bähr (Dr. phil.) ist Akademische Rätin a.Z. im Fach Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Trier. Ihre Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind Dramatik und Theater sowie kulturtheoretische Ansätze in der Literaturwissenschaft.
Suse Bauschmid (M.A.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt »Historische Syntax des Jiddischen«, Jiddistin und Literaturwissenschaftlerin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Drama der jüdischen Aufklärung, ältere jiddische Literatur sowie komparatistische Untersuchungen zur jiddischen und deutschen Literatur.
Thomas Lenz (Dr. phil.) arbeitet als »Assistant-chercheur« an der Universität Luxemburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Konsumsoziologie und der (historischen) Bildungsforschung.
Oliver Ruf (Prof. Dr. phil.) ist Professor für Medien-und Designwissenschaft mit den Schwerpunkten Medienästhetik, Designtheorie und Medienkultur an der Hochschule Furtwangen und Herausgeber der Reihe »Medien- und Gestaltungsästhetik« im transcript Verlag. Seine Forschungsschwerpunkte sind Theorie, Geschichte und Praxis der Medien und Gestaltungen, Ästhetik, Kulturtechnikforschung sowie Narratologie/Storytelling.

»Sehr lesenswerte Beiträge.«
Nicola Tams, KULT_online, 30 (2012)
»Die kultur- und religionsphilosphische Beschäftigung mit dem allgemeinen Gabe-Topos dürfte durch die vielfältige und facettenreiche interdisziplinäre Thematisierung im Band fruchtbare Anstöße und Impulse erhalten.«
René Kaufmann, Rundbrief (Universität Dresden), 35 (2010)

Kulturwissenschaften, Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie

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07/2009, 246 Seiten, kart.
ISBN 978-3-89942-989-3

Artikel-Nr.: 989

-989-3: Bähr et al. (Hg.), Überfluss

Die kulturelle Praxis des Verausgabens

 

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07/2015, 246 Seiten
ISBN 978-3-8394-0989-3

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