Interview

... mit den Herausgeberinnen und den Herausgebern

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihre Zeitschrift nicht zu?
»Querformat« ist ein neues Zeitschriftenformat, das... >>>
... mit den Herausgeberinnen und den Herausgebern

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihre Zeitschrift nicht zu?
»Querformat« ist ein neues Zeitschriftenformat, das seinen Titel in Wort und Bild zum Programm erhebt. Die Zeitschrift nimmt eine quere Perspektive auf zeitgenössische Phänomene, internationale Kunst und Populärkultur ein. Methodische Ansätze sind unter anderem die Gender, Cultural und Postcolonial Studies, die quere sowie fachübergreifende Perspektiven eröffnen. Wissenschaftliche Texte, die eine allgemeinverständliche Sprache verwenden, und das Layout der Zeitschrift korrespondieren unmittelbar und sind gleichgewichtig. Darin liegt eine Besonderheit von »Querformat«: Es ist nicht nur eine wissenschaftliche Zeitschrift, sondern zugleich auch gestalterisch avanciert. Entsprechend haben wir sowohl ein textuelles als auch ein visuelles Herausgeberteam. Mit jedem neuen Themenheft muss sich »Querformat« auch visuell immer wieder neu erfinden – ein Vergnügen beim Lesen und Sehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihre Zeitschrift?
Das ›Quere‹ ist Programm: in den Blick zu nehmen, was nicht offensichtlich ist, und scheinbar Nebensächliches zur Hauptsache zu machen. Vertraute Sehgewohnheiten und Wissensproduktionen werden hinterfragt. Der interdisziplinäre Ansatz des Heftes und die ›queren‹ wissenschaftlichen Herangehensweisen an die unterschiedlichen Themen ermöglichen neue Perspektiven. Etwa dann, wenn das aktuelle Heft zu »Nippes« dem historischen Hofnarr als Gartenzwerg in heutigen Vorgärten folgt, wenn Michelangelos David als Blow-Up in bunten Farben schillert, dabei antike Bemalungen zitiert und 'kitschig' verkehrt, oder wenn wir danach fragen, warum Swarovskis Kristallküken museal geadelt werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Das Thema des ersten Heftes ist »Nippes«. Die kleinen nutzlosen Ziergegenstände, die Staubfänger unserer Wohlfühlwelten, wurden bislang von der Wissenschaft kaum beachtet. Dabei ist Nippes längst nicht mehr nur Zeichen kleinbürgerlichen Spießertums, Nippes ist salonfähig geworden und wird unter den Vorzeichen von ›Camp‹ oder ›Cute Culture‹ spielerisch gewendet. »Querformat« zeigt seine Transformationen in der Welt der Kunst ebenso wie sein Erscheinen im Vorgarten, in der Szenekneipe, in der Vitrine von Museumsshop oder guter Stube. Wir versuchen auf diese Weise, den Blick nicht nur auf ›bedeutende‹ Objekte zu lenken, sondern verstehen unsere kulturwissenschaftliche Herangehensweise als eine Öffnung hin zur Alltagskultur.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
»Querformat« schlägt die Brücke zwischen Wissenschaft, Kunst und Populärkultur. Die Grenze zwischen High und Low sind fließend, so beziehen sich künstlerische Positionen zunehmend auf Phänomene der Populärkultur und vice versa. Damit sind gleichsam alle Fragestellungen, die das Heft präsentiert, auch für die öffentliche Diskussion relevant. So dreht sich das nächste Themenheft von »Querformat« (2009) um die Zigarette 'danach', nämlich nach dem Rauchverbot.

5. Mit wem würden Sie Ihre Zeitschrift am liebsten diskutieren?
Da die Zielgruppe von »Querformat« ebenso wie die Beiträger/innen ›etablierte‹ sowie ›Nachwuchs‹-Künstler/innen, Gestalter/innen und Wissenschaftler/innen aus den verschiedensten Disziplinen sind, würden wir uns gerne mit so vielen unterschiedlichen Leser/innen wie möglich über die Zeitschrift austauschen und viele ›quere‹ Anregungen und Rückmeldungen erhalten.

6. Ihre Zeitschrift in einem Satz:
»Querformat« ist ein wissenschaftliches Magazin und ein Designobjekt, das quere Perspektiven in Text und Bild eröffnet. <<<


Sabine Kampmann / Alexandra Karentzos / Birgit Käufer / Alma-Elisa Kittner / Thomas Küpper / Jörg Petri / Ulrike Stoltz (Hg.)

Nippes

Querformat. Zeitschrift für Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur, Heft 1

Die Zeitschrift Querformat nimmt eine ›quere‹ Perspektive auf zeitgenössische Phänomene, internationale Kunst und Populärkultur ein. Aus Sicht der Kunst-, Design- und Medienwissenschaft, Philosophie, Soziologie, Gender und Postcolonial Studies werden kulturelle Prozesse und Praktiken kritisch diskutiert.
Das erste Heft widmet sich Nippes, den Staubfängern unserer Wohlfühlwelten. Längst nicht mehr nur Zeichen kleinbürgerlichen Spießertums, ist Nippes als ›Camp‹ oder ›Trash‹ salonfähig geworden. Wissenschaftliche und künstlerische Bild- und Textbeiträge gehen seinen Transformationen in Kunst und Alltagskultur nach. Wenn sich etwa der historische Hofnarr als Gartenzwerg in heutigen Vorgärten wiederfindet, wenn Michelangelos David als Blow-Up in bunten Farben schillert, dabei antike Bemalungen zitiert und ›kitschig‹ verkehrt oder wenn Swarovskis Kristallküken museal geadelt werden, zeigt sich, wie durchlässig die Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur sind.


 

Sabine Kampmann (Dr. phil.) ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und aktuell wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Sie war Gastwissenschaftlerin der Forschungsinitiative »Alter(n) als kulturelle Konzeption und Praxis« an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, zuvor Vertretungsprofessorin an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und lehrte als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Ihre Habilitationsschrift widmet sich dem Thema »Die neue Sichtbarkeit des Alters. Greise Körper in Kunst und visueller Kultur (2016)«. In ihrer Dissertation (»Künstler sein«) setzte sie sich Disziplinen übergreifend mit dem Thema Autorschaft in der Gegenwartskunst auseinander.
Alexandra Karentzos (Dr. phil.) ist Professorin für Mode und Ästhetik an der Technischen Universität Darmstadt. Zuvor war sie Juniorprofessorin für Kunstgeschichte an der Universität Trier und wissenschaftliche Assistentin bei den Staatlichen Museen zu Berlin. Sie war Fellow in der Forschungsgruppe »No Laughing Matter. Visual Humor in Ideas of Race, Nationality, and Ethnicity« am Dartmouth College, Hanover/USA und am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald sowie Gastwissenschaftlerin am Institut für Kunstgeschichte an der Universidade Federal de São Paulo/Brasilien. Sie ist Mitbegründerin und Mitherausgeberin der Zeitschrift »Querformat. Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur«. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Kunst seit dem 19. Jahrhundert, Ironie und Postkolonialismus, Orientalismen, Gender Studies, Systemtheorie, Kunst und Tourismus sowie Antikenrezeptionen.
Birgit Käufer (Dr. phil.) ist freischaffende Kunsthistorikerin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Foto- und Medientheorie, Geschlechterforschung.
Alma-Elisa Kittner (Dr. phil.) ist Kunsthistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt »Barock und Moderne« an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
Thomas Küpper (Dr. phil.) ist Dozent an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Jörg Petri ist freiberuflicher Typograf und Professor für Kommunikationsdesign an der Hochschule Rhein-Waal. Als gelernter Schriftsetzer, studierter Medieninformatiker, freischaffender Typograf und Mitgründer der Edition Kopfnote interessiert ihn alles, was mit Schrift zu tun hat.
Ulrike Stoltz ist Künstlerin und Professorin für Typografie und Buchgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Homepage:
Sabine Kampmann: www.querformat-magazin.de
Alexandra Karentzos: www.querformat-magazin.de
Birgit Käufer: www.querformat-magazin.de
Alma-Elisa Kittner: www.querformat-magazin.de
Thomas Küpper: www.querformat-magazin.de
Jörg Petri: www.querformat-magazin.de
Ulrike Stoltz: www.querformat-magazin.de

»Trotz oder gerade wegen des zunächst etwas undurchdringlich anmutenden Ideen- und Beziehungsgeflechts entzückt der Inhalt jedoch durch eine höchst angenehm-subversive Betrachtung(sweise) des aktuellen Zeit- und Kulturgeschehens.«
Umrisse, 1 (2009)
Besprochen in:

fiber, 15 (2009), Hannah Lisa Kunyik

Kunstwissenschaft, Philosophie, Designwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Gender und Postcolonial Studies

Print 9,80 €

09/2008, 102 Seiten, kart., zahlr. Abb.
ISBN 978-3-89942-995-4

Artikel-Nr.: 995

-995-4: Kampmann et al. (Hg.), Nippes

Querformat. Zeitschrift für Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur, Heft 1

 

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