Editorial

Wissenschaftliches Wissen gilt als rein, objektiv und geschlechtslos. Geschlecht hingegen wird - als Inbegriff von Subjektivität und Irrationalität - oft mit Weiblichkeit gleichgesetzt. Zugleich ist Geschlecht ein Code für jene sinnliche »Wirklichkeit«, die die Wissenschaften abzubilden versuchen. Die Transkriptionen zwischen diesen beiden Polen sind das Thema der Reihe.

Warum wird der Körper des idealen Wissenschaftlers als geschlechtslos (und dennoch männlich) imaginiert? Warum werden den Wissensordnungen immer wieder Geschlechtercodes eingeschrieben - von der »Alma Mater« über das »Seminar« bis zum... >>>
Wissenschaftliches Wissen gilt als rein, objektiv und geschlechtslos. Geschlecht hingegen wird - als Inbegriff von Subjektivität und Irrationalität - oft mit Weiblichkeit gleichgesetzt. Zugleich ist Geschlecht ein Code für jene sinnliche »Wirklichkeit«, die die Wissenschaften abzubilden versuchen. Die Transkriptionen zwischen diesen beiden Polen sind das Thema der Reihe.

Warum wird der Körper des idealen Wissenschaftlers als geschlechtslos (und dennoch männlich) imaginiert? Warum werden den Wissensordnungen immer wieder Geschlechtercodes eingeschrieben - von der »Alma Mater« über das »Seminar« bis zum »penetrierenden Blick« des mikroskopischen Auges? In der Geschichte des abendländischen Wissens fand und findet ein beständiger Reinigungsprozess statt, der Geschlecht zu einer Ausschlusskategorie macht - nicht nur auf der Ebene der Wissensproduktion, sondern auch der Wissenschaftsorganisation. Zugleich verweisen die Wissenschaften auf die Sexualität zurück, indem sie etwa Anspruch auf »Potenz« und »Fruchtbarkeit« erheben. Geschlecht ist Teil der Epistemologie des Wissens, es geht in seine Produktionen und Praktiken ein, wird aber als treibende Kraft negiert.

Thema der Reihe ist das Unbewusste der Wissensordnungen - die »rätselhaften« und unbenannten Dimensionen wissenschaftlicher Enthüllungen und Erkenntnisse. Dabei wird deutlich, dass die westlichen Wissenschaften des »Verschleierten« und des Rätsels bedürfen, um den eigenen Fortschritt zu sichern - ohne Geheimnis keine »Ent-Deckung«. Ob weiblich oder männlich codiert: Sexualität und Geschlecht sind die Garanten dafür, dass den Wissensordnungen ihre »dunklen Kontinente« erhalten bleiben.

In der Reihe GenderCodes werden historische und gegenwärtige Transkriptionen zwischen Wissen und Geschlecht untersucht. Die Zusammenhänge zwischen Wissen, Geschlechtercodes und Wissenschaften sollen an einzelnen Beispielen und konkreten Wissensfeldern erkundet werden. Dabei richtet sich der Blick auch auf die jeweiligen medialen Kanäle und deren materiale Widerständigkeit. Im Mittelpunkt stehen sowohl die materiellen als auch ideellen Instrumente dieser Transkriptionen sowie die epistemischen Objekte, an denen die Disziplinen ihre Wissensordnungen erproben.

GenderCodes ist ein Forum für wissenschaftliche Arbeiten, die Verbindungen herstellen zwischen der Geschlechterforschung, der Geschichte des Wissens und der Wissenschaftsgeschichte. Die Reihe richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen, welche die Frage nach Geschlecht und die Frage nach dem Wissen inter- oder transdisziplinär untersuchen. Publiziert werden Monographien, Anthologien und wissenschaftliche Qualifikationsschriften. Die Reihe ist international ausgerichtet, es werden deutsch- und englischsprachige Texte veröffentlicht. GenderCodes dient der Herstellung von Öffentlichkeit und wendet sich an ein Publikum, das an Geschlechterforschung und Wissenschaftsgeschichte interessiert ist.

Die Reihe wird herausgegeben von Christina von Braun, Claudia Bruns, Volker Hess und Inge Stephan. <<<
   
Ergebnisse: 17
 
Durchkreuzte Helden

Natasa Bedekovic, Andreas Kraß, Astrid Lembke (Hg.)

Durchkreuzte Helden

Das »Nibelungenlied« und Fritz Langs Film »Die Nibelungen« im Licht der Intersektionalitätsforschung

05/2014 34,99 € *

Neue Perspektiven der Intersektionalitätsforschung am Beispiel des Nibelungenlieds und dessen Adaption von Fritz Lang. Ist das Forschungsparadigma fruchtbar für die Kulturwissenschaft?

Kollektivität nach der Subjektkritik

Gabriele Jähnert, Karin Aleksander, Marianne Kriszio (Hg.)

Kollektivität nach der Subjektkritik

Geschlechtertheoretische Positionierungen

09/2013 ab 31,99 € *

Die »Identitätskrise« ist in aller Munde – die Unverzichtbarkeit auf Gemeinschaft auch. Wie lässt sich Kollektivität angesichts dieses Widerspruchs denken?

Weiße Frauen in Bewegung

Gabriele Dietze

Weiße Frauen in Bewegung

Genealogien und Konkurrenzen von Race- und Genderpolitiken

01/2013 ab 34,99 € *

Die Studie konfrontiert zwei zentrale Emanzipationsanstrengungen der Moderne miteinander: unmarkierte ›weiße‹ US-amerikanische Frauenbewegungen u...

Das Geschlecht der Anderen

Sophia Könemann, Anne Stähr (Hg.)

Das Geschlecht der Anderen

Figuren der Alterität: Kriminologie, Psychiatrie, Ethnologie und Zoologie

06/2011 ab 24,99 € *

Dieses Buch zeigt, wie das »Geschlecht der Anderen« im 19. und 20. Jahrhundert quer durch gesellschaftliche Wissensgebiete zur zentralen Figur normalisierender Geschlechterdiskurse avanciert.

Dämonen, Vamps und Hysterikerinnen

Ulrike Auga, Claudia Bruns, Dorothea Dornhof, Gabriele Jähnert (Hg.)

Dämonen, Vamps und Hysterikerinnen

Geschlechter- und Rassenfigurationen in Wissen, Medien und Alltag um 1900. Festschrift für Christina von Braun

05/2011 ab 26,99 € *

Der ver-rückte Kosmos der Moderne: Traditionelle Geschlechterbilder brechen auf, neue Weiblichkeitsmythen, Geschlechter- und Rassenfigurationen finden Eingang in Kino und Hörsaal.

Schwarz-Weiß-Symbolik

Jana Husmann

Schwarz-Weiß-Symbolik

Dualistische Denktraditionen und die Imagination von »Rasse«. Religion – Wissenschaft – Anthroposophie

11/2010 ab 34,99 € *

Bilder in schwarz und weiß – diese originelle Studie zeigt die verborgenen kulturhistorischen Linien zwischen symbolischen Traditionen von dualistischen Schwarz-Weiß-Unterscheidungen und dem Rassismus.

Scham und Schuld

Maja Figge, Konstanze Hanitzsch, Nadine Teuber (Hg.)

Scham und Schuld

Geschlechter(sub)texte der Shoah

10/2010 ab 26,99 € *

Um »Scham« und »Schuld« drehen sich die meisten Erzählungen über die Shoah. Der Band deckt die verborgenen geschlechtlichen Codierungen dieser Narrationen auf und zeigt ihre strategisch-diskursiven Einsätze in der Erinnerungspolitik.

Epistemologie und Differenz

Bettina Bock von Wülfingen, Ute Frietsch (Hg.)

Epistemologie und Differenz

Zur Reproduktion des Wissens in den Wissenschaften

10/2010 ab 26,99 € *

Das gängige Bild von Wissenschaft wird von Innovation, von der Entdeckung des Neuen bestimmt. Doch welche Rolle spielt das Alte, das Bestätigen und Reproduzieren von Bekanntem? Der Sammelband entwirft ein anderes Bild von der Wissenschaftsgeschichte.

XX0XY ungelöst

Ulrike Klöppel

XX0XY ungelöst

Hermaphroditismus, Sex und Gender in der deutschen Medizin. Eine historische Studie zur Intersexualität

02/2010 ab 38,99 € *

Geschlecht: unbekannt. Diese innovative Studie kann auf bisher kaum untersuchte medizinhistorische Quellen zurückgreifen. Sie vermag so ein völlig neues Bild von der Geschichte der Intersexualität zu zeichnen.

Das Unbewusste. Krisis und Kapital der Wissenschaften

Christina von Braun, Dorothea Dornhof, Eva Johach (Hg.)

Das Unbewusste. Krisis und Kapital der Wissenschaften

Studien zum Verhältnis von Wissen und Geschlecht

09/2009 ab 34,99 € *

Wissen hat ein verborgenes Geschlecht – so dieser Band zu den Wahlverwandtschaften und Wechselwirkungen von Wissens- und Geschlechtergeschichte aus dem Herzen der Berliner Kulturwissenschaft.

Kritik des Okzidentalismus

Gabriele Dietze, Claudia Brunner, Edith Wenzel (Hg.)

Kritik des Okzidentalismus

Transdisziplinäre Beiträge zu (Neo-)Orientalismus und Geschlecht (2., unveränderte Auflage 2010)

09/2009 ab 26,99 € *

»Eine ausgesprochen bündige und in sich geschlossene Einführung in einen vermeintlich bereits allseits ausgeleuchteten Themenkomplex.«
Britta Voß, Freiburger GeschlechterStudien, 24 (2010)

Hexen und Germanen

Katarzyna Leszczynska

Hexen und Germanen

Das Interesse des Nationalsozialismus an der Geschichte der Hexenverfolgung

08/2009 ab 31,99 € *

Der Band eröffnet einen neuen Blick auf die brüchige NS-Ideologie. Die Faszination führender Nazis für die Hexenverfolgung und ihre phantasmatisch gebrochene Identifikation mit der germanischen Frau verdeutlichen abermals die Widersprüche im Ideengebäude des Dritten Reichs.

Nationalsozialismus und Geschlecht

Elke Frietsch, Christina Herkommer (Hg.)

Nationalsozialismus und Geschlecht

Zur Politisierung und Ästhetisierung von Körper, »Rasse« und Sexualität im »Dritten Reich« und nach 1945

01/2009 35,80 € *

Der vorliegende Sammelband gibt erstmals einen umfassenden Überblick über die Bedeutung der Kategorie Geschlecht im Nationalsozialismus.

Geschlecht als Tabu

Ute Frietsch, Konstanze Hanitzsch, Jennifer John, Beatrice Michaelis (Hg.)

Geschlecht als Tabu

Orte, Dynamiken und Funktionen der De/Thematisierung von Geschlecht

12/2007 25,80 € *

Wie kommt es, dass die Frage des Geschlechts mal tabuisiert und mal offen verhandelt werden, fragt dieser Band aus dem Herzen der Berliner Kulturwissenschaft.

Männlichkeiten und Moderne

Ulrike Brunotte, Rainer Herrn (Hg.)

Männlichkeiten und Moderne

Geschlecht in den Wissenskulturen um 1900

12/2007 28,80 € *

Die Krise der Männlichkeit: bereits um 1900 ein bekanntes Phänomen der Zeit, das in diesem Buch kulturhistorisch aufgearbeitet und mit der Krise der Modernität in Verbindung gebracht wird.

Erlöser

Sven Glawion, Elahe Haschemi Yekani, Jana Husmann-Kastein (Hg.)

Erlöser

Figurationen männlicher Hegemonie

09/2007 ab 21,99 € *

Männliche Erlöserfiguren finden sich in Erzählungen von Literatur, Film und Wissenschaft, ohne dass sie umfassend Beachtung in der kritischen Gesch...

Verhandlungen im Zwielicht

Sabine Grenz, Martin Lücke (Hg.)

Verhandlungen im Zwielicht

Momente der Prostitution in Geschichte und Gegenwart

12/2006 ab 26,99 € *

In diesem interdisziplinärem Band versammelt sich ein Teil der derzeitigen europäischen Forschung zur Prostitution. Diese Forschung bemüht sich nic...

   
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