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Jürgen Hasse
Unbedachtes Wohnen
Lebensformen an verdeckten Rändern der Gesellschaft
2009, 254 S., kart., zahlr. Abb., 24,80 €
ISBN 978-3-8376-1005-5
Reihe Kultur- und Medientheorie
Schlagworte:Wohnen, Kultur, Stadt, Leben, Raum, Tradition Adressaten: Architekturtheorie, Phänomenologie, Stadtforschung, Kulturwissenschaften, Lebensphilosophie, Sozialpsychologie
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»Als ob wir das Wohnen je bedacht hätten.« – Diese Diagnose von Martin Heidegger gilt auch heute noch. Mehr denn je!
Das Buch setzt am Leerlaufen des Denkens über das Wohnen an. Was meinen wir, wenn wir über unser Wohnen sprechen? Zur Vertiefung des Verständnisses reflektiert die Studie vor dem Hintergrund qualitativer Fallstudien Formen nicht alltäglichen Wohnens als Ausdruck besonderer Lebenssituationen (im Gefängnis, in der Seemannsmission, im Kloster, in der Obdachlosigkeit etc.). Die Illustrationen und historischen Rekonstruktionen verschaffen Zugänge zu einem geisteswissenschaftlichen Nach-Denken über das Wohnen.
Jürgen Hasse (Prof. Dr. rer. nat. habil.) lehrt am Institut für Humangeographie der Universität Frankfurt a.M. Seine Forschungsschwerpunkte sind räumliche Vergesellschaftung, Raum und Ästhetik, Mensch-Natur-Verhältnisse sowie phänomenologisch orientierte Stadtforschung.
Pressestimmen
»Ist dies nicht geradezu ein Ideal des Wohnens: das eigene Heim als zweite Haut, die so behaglich anliegt, dass man sie gar nicht bemerkt? Gegen solcherlei Vernachlässigung einer elementaren Dimension der Existenz möchte der Frankfurter Humangeograph ... mehr Jürgen Hasse mit Heidegger das ›Ungedachte des Wohnens‹ denken.«
FAZ, 06.11.2009
»Das Buch bietet erfrischend nach-denkliche Anregungen auch einem dem philosophischen Diskurs nicht so vertrauten Sozialwissenschaftler und inspiriert, nicht nur das Wohnen an den Rändern der Gesellschaft, sondern auch das eigene Wohnen zu Be-fragen.«
Prof. Dr. Christian Stark, www.socialnet.de, 01.12.2009
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Lesetipps
Weitere Titel zu:
Interview

... mit Prof. Dr. rer. nat. habil. Jürgen Hasse
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Jeder Mensch wohnt in der einen oder anderen Weise. Sofern das eigene Wohnen überhaupt bedacht wird, so meist aus profanen Gründen (Renovierung, Anschaffungen, Umzug etc.). Unentdeckt bleibt dabei der Sachverhalt, dass sich im Wohnen eine Form individuellen und gesellschaftlichen Lebens ausdrückt. Wer sein eigenes Wohnen zu verstehen versucht, erfährt deshalb etwas ... mehr über sich und seinen Ort in der Gesellschaft. Das Buch will zum Nach-Denken von Ausdrucksformen eigenen Lebens anregen.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es greift ein heute in Vergessenheit geratenes Thema der Lebensphilosophie wieder auf: Was bedeutet es zu wohnen? Was wir über unser eigenes Wohnen wissen, ist uns durch eine schleichende Dethematisierung entzogen. Wir müssen es erst wieder in die Denkwürdigkeit ›treiben‹. Aus dem Blickwinkel seltsamer, randlicher, unauffälliger und übersehener Formen des Wohnens können wir es exotisieren und so wieder in den eigenen Denkraum zurückholen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Wissenschaft steht heute unter dem Druck externer Verwertungszwänge. Wissenschaftliches Wissen verliert aber seinen Sinn für den lebensweltlichen Gebrauch, wenn es keine Antworten auf Fragen des täglichen Lebens mehr geben kann. Das Buch liefert deshalb – auf der Grenze zwischen Sozialgeschichte, Sozialwissenschaft und Lebensphilosophie – dem lebensweltlichen Denken Leitlinien des Nachdenkens über eine persönliche und zugleich politische Art sein Leben zu führen.
4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Sie kann ein in gewisser Weise ›trocken‹ gewordenes Thema unseres Lebensalltags wieder in einen Zusammenhang stellen, in dem die Gestaltung unseres Lebens in einer doppelten Weise denkwürdig wird: (a) Wie wollen wir an persönlichen Orten wohnen (und nicht nur eingerichtet sein)? Und (b): Über welche Ansprüche an das Wohnen soll sich die Gesellschaft in einem vielperspektivischen Diskurs verständigen?
5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Menschen, die sich Ausdrucksformen ihres eigenen Lebens verständlich machen wollen.
6. Ihr Buch in einem Satz:
Es ist der (beispielhafte) Versuch, das scheinbar Selbstverständlichste im eigenen Leben zu begreifen.
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