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Bülent Küçük
Die Türkei und das andere Europa
Phantasmen der Identität im Beitrittsdiskurs
2008, 236 S., kart., zahlr. Abb., 25,80 €
ISBN 978-3-8376-1012-3
Reihe Global Studies
Schlagworte:Türkei, EU, Identität, muslimische Migranten Adressaten: Soziologie, Politikwissenschaften, Sozialwissenschaften
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Diese Studie analysiert das dialogische Zusammenspiel zwischen den europäischen und türkischen Diskursen um den möglichen EU-Beitritt der Türkei. Die Differenzen stellen in der Perspektive postkolonialer Theorien ein ambivalentes und formatives Moment für die Bildung einer europäischen Identität dar: Die Europäer nehmen die Beitrittsverhandlungen zum Anlass, über ihr Selbstverständnis zu reflektieren, wobei diverse Ost-West-Repräsentationen kommuniziert und strukturiert werden. Die muslimischen Migranten in Europa und die Minderheiten in der Türkei fungieren dabei als interne Symptome, die die Unvollständigkeit der europäischen bzw. türkischen Identitäten sichtbar machen.
Bülent Küçük (Dr. phil.) ist Soziologe und arbeitet im Forschungsprojekt »Eurosphere« an der Sabanci Universität in Istanbul. Seine Forschungsschwerpunkte sind Öffentlichkeits-, Diskurs- und Postkoloniale Theorien.
Pressestimmen
»Sowohl zur Analyse der Auseinandersetzungen über den EU-Beitritt der Türkei und zur Frage der Identitätsbildung in Europa wie auch zur praktischen Anwendung der Diskurstheorie bietet dieses Buch vielfältige und innovative Beiträge.«
Sabine von Oppeln, ... mehr in Roland Marti/Henry Vogt, »Europa zwischen Fiktion und Realpolitik«, 7 (2010)
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Lesetipps
Weitere Titel zu:
Interview
... mit Dr. phil. Bülent Küçük
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht«. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Debatte um den türkischen Beitritt in die EU zeigt uns einen Formierungsprozess der europäischen Identität an der Schwelle seiner türkisch-islamischen Anderen, wobei die symbolischen Grenzen eines imaginären Europas sichtbar werden. Mein Buch beleuchtet diesen politisch brisanten und identitätstheoretisch herausfordernden Fall anhand einer vergleichenden Analyse der deutschen und ... mehr türkischen diskursiven Felder im Rahmen postkolonialer Theorien.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Dieses Buch hebt die dialogische Formierung des Selbst mit dem Diskurs des Anderen hervor, wobei die Aufmerksamkeit auf die aufeinander reagierenden kommunikativen Praktiken jenseits der nationalen Öffentlichkeiten gelenkt wird: Nicht die Europäer beobachten die Türken und machen sich ein Bild von ihnen oder vice versa; man beobachtet sich vielmehr gegenseitig und entdeckt dabei nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die bisherigen Studien zum EU-Beitritt der Türkei problematisieren immer noch entweder die politische (Un-)Fähigkeit der Türkei zu einer EU-Mitgliedschaft oder ihre kulturelle Andersartigkeit. Dieses Buch stellt den dominanten Blickwinkel quasi auf den Kopf, indem es die Aufmerksamkeit vielmehr auf die Bereitschaft Europas lenkt, die türkische Differenz zu integrieren, wobei die Grenzen der Imagination Europas zur Debatte gestellt werden.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Sowohl mit denjenigen liberalen Theoretikern, die von einem sich selbst genügenden postnationalen Europäisierungsprozess Europas ausgehen, als auch mit denjenigen, die argumentieren, dass es Europa an einer territorial bestimmbaren kollektiven Identität mangele, weil es an intermediären Strukturen fehle, die in klassischen Demokratien die politische Herrschaft von unten zügelten.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch zeigt, wie und wo die symbolischen Grenzen eines imaginierten Europas ausgelotet werden.
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