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Natalia Borisova, Susi K. Frank, Andreas Kraft (Hg.)

Zwischen Apokalypse und Alltag

Kriegsnarrative des 20. und 21. Jahrhunderts
2009, 328 S., kart., zahlr. Abb., 32,80 €
ISBN 978-3-8376-1045-1
Reihe Kultur- und Medientheorie
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Wie vom Krieg erzählen? Die Frage nach den Möglichkeiten und Notwendigkeiten, aber auch nach der schuldhaften Verstrickung von Erzählungen in kriegerische Handlungen ist in den letzten 100 Jahren immer wieder gestellt worden. Sie hat nicht nur eine narratologische, sondern auch eine politische und moralische Dimension.
Was ist Krieg eigentlich? Die Beiträger/-innen dieses Bandes gehen von der Beobachtung aus, dass man in den europäischen bzw. okzidentalen Kulturen von gemeinsamen Entwicklungen in der narrativen Darstellung von Krieg in der Literatur und den modernen Bildmedien sprechen kann, die einerseits die Notwendigkeit des bezeugenden Dokumentierens hervorheben und andererseits die Erzählbarkeit von Krieg problematisieren. Zugleich kann man die Persistenz narrativer Muster wie »Apokalypse«, »Neuanfang« oder »Ausnahme« in den Kriegserzählungen des 20. und 21. Jahrhunderts sowie deutliche Unterschiede zwischen einzelnen national geprägten Erzähltraditionen feststellen.
Diese Aspekte stehen im Fokus der Beiträge, die anhand von Beispielen aus den Literaturen West-, Mittel- und Osteuropas und der USA sowie am Beispiel von Filmen, aus der Medienberichterstattung, von Kriegstagebüchern und ethnografischen Skizzen, von Bilddokumenten oder von philosophischen Kriegsdiskursen argumentieren.
Natalia Borisova (Dr. phil.) unterrichtet russische Literatur und Sprache an der Universität Konstanz.
Susi K. Frank (Prof. Dr. phil.) lehrt Ostslawische Literaturen und Kulturen an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Andreas Kraft (Dr. phil.) ist Germanist und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz im SFB 485 »Norm und Symbol«.
WWW: SFB 485
»Erfreulich ist die zeitliche wie auch räumliche Bandbreite der Beiträge.«
Elena Messner, www.kakanien.ac.at, 24.03.2010
»Die Beiträge werden sicherlich zur Diskussion um die kulturelle Verarbeitung von Kriegsgeschehen im allgemeinen und im besonderen, etwa im Hinblick auf den Jugoslawienkrieg, beitragen.«
Anja Tippner, OSTEUROPA, 7 (2011)
Besprochen in:
GERMANISTIK, 51/3-4 (2010)
Krieg, Erzählung, Literatur, Narrative, Kultur, Medien, Photographie
Literaturwissenschaften, Vergleichende Kulturwissenschaften, Medienwissenschaften
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Interview

... mit Prof. Dr. Susi Frank
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil es um ein Thema geht, mit dem sich jeder Mensch auseinandersetzen sollte.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Dieses ... mehrBuch richtet den Blick auf die Praktiken, die kulturellen Spezfika, die festgefahrenen Muster und die therapeutischen Möglichkeiten des Erzählens von den schrecklichsten und prägendsten Erfahrungen die Menschen machen können: vom Krieg.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Thema ›Krieg und Erzählung‹ setzt innerhalb der aktuellen Forschungsdebatten um ›Krieg und Medien‹, um den ›neuen Krieg‹, um ›Nicht-Krieg‹ als einer neuartigen latenten Kriegs-Situation, um ›Feindschaft‹, um ›Zeugenschaft‹ und ›literarisches Bezeugen‹ einen narratologischen und einen kulturvergleichenden Akzent, der einen differenzierten Blick auf regional spezifische Erzähltraditionen und -innovationen ermöglicht.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen, die denken, dass Erzählen ganz einfach ist.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Mit dem Erzählen vom Krieg hat die Literatur begonnen. Seit dem 19. und insbesondere im 20. Jahrhundert haben Kriege zu einer Infragestellung des Erzählens überhaupt geführt. Und doch hat sich Erzählen immer wieder unter Verwendung alter narrativer Muster und in immer neuen Formen nicht nur als unvermeidlich, sondern auch als unerlässlich zur Erfassung neuer Realitäten und zur Bewältigung aller Formen grausamer Erfahrung erwiesen.
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