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Christoph Scheurle
Die deutschen Kanzler im Fernsehen
Theatrale Darstellungsstrategien von Politikern im Schlüsselmedium der Nachkriegsgeschichte
2009, 246 S., kart., 25,80 €
ISBN 978-3-8376-1052-9
Reihe Kultur- und Medientheorie
Schlagworte:Medien, Theater, Politik, Fernsehen, politische Kultur, Bundeskanzler Adressaten: Medien- und Theaterwissenschaft, Politikwissenschaften, Kulturwissenschaft
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Die Rede vom politischen Theater – ein Allgemeinplatz – wird in diesem Buch zum ersten Mal auf eine sachliche Basis gestellt, indem die Darstellungsstrategien der Kanzler im Fernsehen aus theaterwissenschaftlicher Perspektive untersucht werden. Unter den Aspekten Inszenierung, Rolle und Figur analysiert der Autor die Darstellungsstile der Kanzler von Adenauer bis Merkel in Wahlspots, Interviews und anderen Fernseh-Formaten. Mit diesem eigenwilligen Ansatz zeigt die innovative Studie, dass es möglich ist, die Inszenierung der Politik jenseits von pauschaler kulturkritischer Medienschelte einerseits und Zynismus andererseits zu beleuchten.
Christoph Scheurle (Dr. phil.) ist Lehrbeauftragter der Universität Hildesheim und forscht zur praktischen Theaterwissenschaft. Er ist Mitglied des Theaterensembles 3%XTRA! und lebt und arbeitet als freier Schauspieler und Dramaturg in Berlin.
Pressestimmen
»[W]er kennt sie nicht, die Reden vom ›politischen Theater‹ und den ›Staatsschauspielern‹. Christoph Scheurle nimmt diese Gemeinplätze [...] beim Wort und gibt ihnen erstmals die sachliche Basis, die ihnen in der heutigen Medienöffentlichkeit seit Langem ... mehr gebührt.«
Michael Rösener, Mindener Tageblatt, 20.07.2009
»An der Inszenierung ist an sich nichts Verwerfliches. Schwierig wird es dann, wenn die Inszenierung sich von ihrem eigentlichen Gegenstand, der Politik, entkoppelt. Dann kann sie auch als Komödie erscheinen, etwa wenn das private Verhalten mit dem politische Image kollidiert.«
Christoph Scheurle im Interview mit der taz, 15./16.08.2009
»[E]ine fundierte Grundlage, die sich für alle empfiehlt, die das Medienspektakel dieser Bundestagswahl jenseits der üblichen Binsenwahrheiten begreifen wollen.«
www.tagesspiegel.de, 07.09.2009
»[Die Untersuchung bietet] Orientierung für alle, die sich bei der Beurteilung des anstehenden Medienspektakels im Vorfeld der Bundestagswahl am 27. September nicht mit Plattitüden und Stammtischparolen zufriedengeben wollen.«
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25.08.2009
»Die lesenswerte Doktorarbeit von Christoph Scheurle ist flüssig geschrieben. Sie bietet eine fundierte Analyse zum Forschungsfeld der Theatralität im Kontext der Politikvermittlung an.«
Christian Schicha, H-Soz-u-Kult, 23.11.2009
»[D]as Buch bietet insgesamt interessante Analysen, die sowohl für die Medien- als auch für die Politikwissenschaft fruchtbar zu machen sind.«
Thomas Klein, Rundfunk und Geschichte, 3-4 (2009)
Besprochen in:
Konkret, 9 (2010), Jürgen Roth
MEDIENwissenschaft, 3 (2010), Monika Weiß
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Lesetipps
Weitere Titel zu:
Interview

... mit Dr. phil. Christoph Scheurle
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Ich würde sogar sagen: Das ist das Buch, auf das die Welt gewartet hat. Nach all der medien- und politischen Stilkritik der letzten Jahre, die sich in der Regel damit begnügt hat, die Politik des Theaters zu verurteilen, erscheint mit »Die deutschen Kanzler im Fernsehen« ein Buch, das das politische Theater nicht verdammt, sondern erklärt. Politische Inszenierung ist nicht nur ... mehr notwendig, sie kann, wenn man sie richtig perspektiviert, auch ein ästhetisches Vergnügen sein.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
In diesem Buch wird zum ersten Mal der Frage nachgegangen, welche theatralen Strategien hinter den Selbst- und Fremddarstellungen der Bundeskanzler stecken. Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen zu diesem Thema, geht es der Studie nicht um eine quantitative Erhebung von Präsenzzeiten der Politiker im Fernsehen, sondern um die Qualität der Darstellung. Kanzlerdarstellungen sind als jeweils spezifische Imagekonstruktionen zu verstehen, bei ihrer Umsetzung greifen die Akteure – bewusst oder unbewusst – auf unterschiedlichen Darstellungsstile zurück, die sich an gängigen Schauspieltheorien orientieren und mit den Instrumentarien der Theaterwissenschaft beschrieben werden können.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In einer zunehmend durch Bilder sich konstituierenden Welt, ist die Frage nach dem Urheber der Bilder zentral. Das vorliegende Buch verstehe ich als Grundlage, die Entstehung politischer Bilderzählungen besser zu verstehen. Die Ikonographie der Politik ist dabei seit Mitte des letzten Jahrhunderts vor allem durch bewegte Bilder bestimmt. Was mit dem Fernsehen in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann und in meinem Buch beschrieben wird, findet heute seine Fortsetzung auf YouTube und anderen Foren des Internets. Mit dem Buch wird eine Grundlage geschaffen, solche Bildwelten qualitativ beschreiben zu können.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Angela Merkel, Anne Will, Gerhard Schröder, Helmut Schmidt. Gerne auch mit Berlusconi, wenn mein Italienisch besser wäre. Mit Willy Brandt, Günter Gaus und John F. Kennedy, wenn sie noch lebten.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Wenn es stimmt, dass Politik (immer auch) Theater ist, dann ist mein Buch die Anleitung, dieses Theater zu verstehen.
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