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Levent Tezcan

Religiöse Strategien der »machbaren« Gesellschaft

Verwaltete Religion und islamistische Utopie in der Türkei
2003, 232 S., kart., 26,80 €
ISBN 978-3-89942-106-4
Reihe Globaler lokaler Islam
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Diese Studie stellt den türkischen Islam in den geschichtlichen Kontext moderner Gesellschaftlichkeit und analysiert ihn anhand zweier Gegenstandsbereiche. Der staatlich verwalteten Religion, vertreten durch die Religionsbehörde, kommt die Aufgabe zu, den »moralischen Kitt« für die nationalstaatlich verfaßte Gesellschaft zu liefern. Konträr dazu sehen die in den 1990er Jahren erstarkten Islamisten im Islam die Grundlage eines alternativen Gesellschaftsmodells. Am Beispiel der islamistischen »Utopie« zeigt Levent Tezcan, wie sehr der intellektuelle Islamismus - entgegen seiner antimodernen Semantik – in die Strukturen der modernen Weltwahrnehmung eingebunden ist. Von besonderer Brisanz sind hierbei die im islamistischen Konzept der Idealgesellschaft steckenden totalitären Züge.
Weder ist es das Anliegen des Autors, das Säkularitätskonzept einfach auf die türkische Praxis zu applizieren, noch die Modernität der Islamisten nachzuweisen. Er arbeitet vielmehr die kulturspezifischen Übersetzungen moderner Diskurse, Praktiken und Institutionen heraus, und zwar bezogen auf beide der hier behandelten Ausformungen islamischer Religiosität.
Levent Tezcan (Dr. rer. soc.), geb. 1961 in der türkischen Kleinstadt Havza, hat Politikwissenschaft in Ankara und Soziologie in Bremen studiert. Er ist im Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld tätig.
WWW: Tezcan
»Wer heute über den Islam sprechen will, der darf über die Verwestlichung der Welt nicht schweigen. Dies ist die Ausgangsthese der instruktiven Studie von Levent Tezcan über die Situation des Islam in einer verwestlichten Gesellschaft, [...]. Tezcan setzt allen Strategien, angesichts der modernen Verwerfungen essentialistisch nach einem 'Wesen' des Islam zu suchen, die soziologisch einleuchtende These entgegen, dass es sich bei religiösen, politischen oder allgemein sozialen Phänomenen um historisch kontingente, diskursive Praktiken handelt.
Er [zeigt] auf, dass die politische Strategie einer zentralistischen und standardisierten Indienstnahme und Einhegung der Religion dazu führt, dass die Religion selbst zum diskursiven Medium politischer Strategien und Ambitionen wird.
Die Studie von Tezcan sei allen, die sich entweder mit der Frage der Modernität des Islam oder darüber hinaus mit den Problemen befassen wollen, die sich aus dem modernen Leitprinzip der Differenzierung von Religion und Politik ergeben, empfohlen.«
Soziologische Revue, 1 (2006)
Islam, Islamismus, Türkei, türkischer Säkularismus
Soziologen, Islamwissenschaftler, Sozialphilosophen
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