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Elena Stepanova

Den Krieg beschreiben

Der Vernichtungskrieg im Osten in deutscher und russischer Gegenwartsprosa
2009, 342 S., kart., 33,80 €
ISBN 978-3-8376-1105-2
Reihe Lettre
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Wie deuten deutsche und russische Schriftsteller 60 Jahre nach Kriegsende ein Ereignis, das die gegenseitige Wahrnehmung und das politische Selbstbewusstsein ihrer Landsleute so nachhaltig geprägt hat? Die Studie bietet einen Vergleich der aktuellen deutschen und russischen literarischen Interpretationen des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion. Anhand von ausgewählten Texten (darunter Werke von Georgi Wladimow, Viktor Astaf'ev, Uwe Timm und Tanja Dückers) werden die Geschichtsbilder über den Krieg untersucht und in einen breiteren deutsch-russischen kulturpolitischen Kontext gestellt.
Mit einem Vorwort von Peter Jahn.
Elena Stepanova (Dr. phil.), Politologin und Historikerin, forscht am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Universität Jena. Ihre Forschungsgebiete sind die literarische Aufarbeitung von Gewalterfahrung, deutsch-russische Kulturbeziehungen und die Kulturgeschichte der Sowjetunion.
WWW: www2.uni-jena.de/philosophie/histinst/osteuropa/
Zweiter Weltkrieg, Literatur, Russland, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus
Geschichtswissenschaft, Politologie, Slawistik, Germanistik
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Interview
... mit Dr. phil. Elena Stepanova
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Im Unterschied zur gängigen Praxis in der Bundesrepublik, ausschließlich die deutsche Kriegserfahrung zu berücksichtigen, gehe ich ... mehrin meinem Buch auch auf die Sichtweise der russischen Seite ein. Dies ermöglicht einen differenzierten Blick auf den ›Vernichtungskrieg im Osten‹, der das zweitgrößte NS-Verbrechen nach dem Völkermord an den Juden darstellt.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Es zeigt, dass in der UdSSR und in Russland entgegen der landläufigen Meinung sehr wohl eine Aufarbeitung des ›Großen Vaterländischen Krieges‹ stattfand – nämlich im Medium Literatur. Ebenso zeigt es, dass der verbrecherische Charakter des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion und seine Folgen in der deutschen Literatur wenig berücksichtigt werden. Erstmalig werden in meiner Studie die Sichtweisen von Autoren beider Länder in vielen Aspekten direkt verglichen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die letzten Jahre waren in beiden Ländern vom Ringen um Geschichtsdeutung gekennzeichnet. Durch die ›Wehrmachtsausstellung‹ wurde der ›Russlandfeldzug‹ erstmalig in der BRD von einem breiten Publikum als ›Vernichtungskrieg‹ wahrgenommen und rückte dadurch in den Mittelpunkt politischer und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen. In Russland bewirkte der Zusammenbruch der Sowjetunion Debatten über eine neue Interpretation des Krieges; zuvor hatte er als wichtiger Legitimationsfaktor der sowjetischen Politik fungiert.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Heinrich Böll (wenn er noch leben würde), weil ihm die Neubestimmung des deutsch-russischen Verhältnisses Herzensangelegenheit und Lebensaufgabe war.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Wenn man als Politologe die Skepsis gegenüber literarischen Quellen überwindet, kann man zu überraschenden Ergebnissen über die ›wunden Punkte‹ einer Gesellschaft kommen.
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