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Stefan Tigges

Von der Weltseele zur Über-Marionette

Cechovs Traumtheater als avantgardistische Versuchsanordnung
2010, 450 S., kart., 38,80 €
ISBN 978-3-8376-1138-0
Reihe Theater
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Cechov reflektiert und überwindet in »Die Möwe« (1895) die Krise des modernen Dramas und entwickelt damit ein symbolistisch geprägtes experimentelles Dramaturgie-Format, das unter anderem mit seinem Meta-Theater die gegenwärtige nicht- bzw. postdramatisch geprägte Aufführungspraxis herausfordert.
Diese Studie zielt darauf ab, das Drama im Hinblick auf avantgardistische Positionen des 20. Jahrhunderts als »ästhetisches Manifest der Theatermoderne« radikal neu zu lesen. In einem zentralen zweiten Schritt werden u.a. Aufführungen von Andrea Breth, Stéphane Braunschweig, Luc Bondy, Lars Noren, Arpad Schilling, Nicolas Stemann, Stefan Pucher und Falk Richter auf ihr reflexives ästhetisches Potential sowie ihre avancierten Spielformen hin beleuchtet.
Stefan Tigges (Dr. phil.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft an der Ruhruniversität Bochum. Er arbeitet zurzeit im Rahmen eines DFG-Projektes über Theater als Raumkunst und vertritt die Schaubühne Berlin als Wissenschaftler im europäischen
Theaternetzwerk Prospero.
Theater, Ästhetik, Medien, Avantgarde-Diskurse, Anton Cechov
Theaterwissenschaft, Literaturwissenschaft, Philosophie
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Interview

... mit Stefan Tigges
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Weil der Titel das einhält, was er verspricht? Diese Frage möchte ich lieber an die Leserinnen und Leser weiterleiten.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch? ... mehr Konventionelle Blickwinkel und Engführungen in der Rezeption durch avancierte Blickeinstellungen zu ersetzen und die Theorie und Praxis zu einem weiterführenden Dialog gemeinsam zu Tisch zu bitten. Ästhetische Krisenphänomene des modernen Theaters exemplarisch fruchtbar zu machen, indem Cechovs Meta-Theater-Drama ›Die Möwe‹ in früheren und zeitgenössischen avantgardistischen Diskursen, die insbesondere die polyphone Schreib- und Spielpraxis sowie Fragen des Bühnenraums betreffen, gespiegelt und radikal neu verortet wird.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Gegenwärtige ästhetische Befindlichkeiten in der europäischen Theaterlandschaft am Beispiel eines Klassikers mehrdimensional zu vermessen, dramatische Transformationen und Zäsuren auf inhaltlicher und formaler Ebene herauszuarbeiten, und damit tiefer gehende Einblicke in die Theaterkunst zu entwickeln. Eine Arbeit auch am kulturellen Gedächtnis, ein Versuch die sich schnell auslöschende Aufführungspraxis in signifikanten Momenten in ihrer Sinnlichkeit festzuhalten und den Sinn sowie die Grenzen von aufführungsanalytischen Methoden neu zu verhandeln.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Theresia Birkenhauer
5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine ornithologisch orientierte Studie, die den theatralen Luftraum nach einer bis heute geheimnisvollen und in großer Freiheit lebenden Seevogelfamilie absucht und dabei (un-)dramatisches Neuland betritt.
Foto: Blaise Pasteur
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