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Nanette Rißler-Pipka, Michael Lommel, Justyna Cempel (Hg.)
Der Surrealismus in der Mediengesellschaft – zwischen Kunst und Kommerz
Januar 2010, 278 S., kart., 27,80 €
ISBN 978-3-8376-1238-7
Reihe Medienumbrüche
Schlagworte:Surrealismus, Medien, Kultur, Avantgarde Adressaten: Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Filmwissenschaft
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Auch wenn die Musealisierung des Surrealismus voranschreitet, ist seine massenmediale Wirkung größer denn je – und dies, obwohl er die von seinen Begründern proklamierte Revolution nicht auszulösen vermochte. Zwischen Kunst und Kommerz – in diesem intermedialen Spannungsfeld diskutieren die Beiträger/-innen die Frage nach der Aktualität des Surrealismus in der heutigen Mediengesellschaft. Zwischen Mythos und Marke changierend, inspiriert er nach wie vor Kunstschaffende und Medientheoretiker und dient zugleich als Werbeträger der Kulturindustrie. Dadurch eröffnet er am Beginn des 21. Jahrhunderts ein Potenzial, das gerade für den aktuellen Medienumbruch neue Perspektiven eröffnet.
Nanette Rißler-Pipka (Dr. phil.), Michael Lommel (PD Dr. phil.) und Justyna Cempel (M.A.) arbeiten im Teilprojekt »Intermedialität im europäischen Surrealismus« des Forschungskollegs »Medienumbrüche« an der Universität Siegen.
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»Wie steht es um die aktuellen Fortbestände und Weiterentwicklungen eines künstlerischen Stils, der eine nachhaltige Revolution sein wollte? Was sind virtuelle Welten, in denen wir uns zunehmend bewegen, anderes als surreal? Haben wir darin nicht immer ... mehr das Erscheinen von Unbekanntem zu erwarten? Oder ist der Surrealismus ein historisches Phänomen, vollendet und heutzutage nur mehr wiederholt und zitiert?
Eine Stärke des Bandes liegt darin, dass das Verhältnis zum Surrealismus, bei aller festzustellenden Aktualität nicht unkritisch beschworen, sondern zugleich auch in Frage gestellt wird – in Hinsicht auf kommerzielle Interessen, aber auch hinsichtlich der Frage der Abgrenzbarkeit des surrealistischen Phänomens. Auch negative Befunde werden zugelassen, denn nicht alles, was surrealistisch erscheint, ist es auch im Sinne der (überlieferten) historischen Avantgarde.
In der Auseinandersetzung mit verschiedenen Künstlern und Medien – nah bei den Dingen und doch diese theoretisch immer wieder überschreitend – zeichnet der Band ein vielseitiges Bild. Nicht immer werden die Beiträge dabei direkt dem gerecht, was der Titel des Sammelbandes vermuten lässt, doch wird dies durch eine interessante Materialfülle, die neben einigen bekannteren auch weniger klassische Werke berücksichtigt, und eine in der Regel gute Lesbarkeit ausgeglichen. Zudem ist spürbar, dass die verschiedenen Beiträge aus einer gemeinsamen Diskussion hervorgegangen sind, so dass sie in gewisser Weise in der Summe das Thema erschließen und dabei das erreichen, was man als die wesentliche Leistung hervorheben kann: Die vielfältigen Darstellungen des historischen Surrealismus nicht nur zu vermehren, sondern einen Blickwinkel auf Kontinuitäten und Brüche bis hin zu den jüngsten Entwicklungen zu eröffnen – mit Gewinn für das Bild der historischen Ereignisse und Artefakte ebenso wie für die Reflexion der eigenen Gegenwart.
Der interessierte Leser stößt auf vielfältige, produktive und anregende ›Begegnungen der dritten Art‹. Exemplarisch zeigt dies schon das Grußwort Peter Gendollas: er aktualisiert die Technik der criture automatique und lässt dazu Delphi V.2.1 sprechen; Google verbindet er mit Bretons Definition der Enzyklopädie. Wie nebenbei gelingt es so, dem weniger informierten Leser in O-Tönen eine Einsicht in die wesentlichen Grundideen des Surrealismus zu geben, ohne den informierten zu langweilen.
Aufgrund einer guten Lesbarkeit, anschaulicher Beispiele und eines überaus sparsamen Gebrauchs von exotischen Fachbegriffen ist das Buch schon für Studienanfänger zu empfehlen. Aufgrund des Materialreichtums kann er Wissenschaftlern und Praktikern als Quelle für produktive Anschlüsse und reflexive Ideen dienen.«
Miriam Vincke
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