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Christa Putz

Verordnete Lust

Sexualmedizin, Psychoanalyse und die »Krise der Ehe«, 1870-1930
2011, 260 S., kart., 28,80 €
ISBN 978-3-8376-1269-1
Reihe 1800 | 2000
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Ende des 19. Jahrhunderts begannen Mediziner/-innen, Sexualforscher/-innen und Psychoanalytiker/-innen, Störungen der sexuellen Lust bei Männern und Frauen als Krankheiten zu erforschen und zu therapieren. Angetrieben wurden diese Bemühungen von historisch neuen Idealen lustbetonter Heterosexualität und veränderten Erwartungen an die Ehe.
Dieses Buch zeichnet den wissenschaftlichen Diskurs nach und legt seine theoretischen und kulturellen Voraussetzungen offen. Die Dokumentation konkreter Fälle veranschaulicht seine Reichweite und praktischen Auswirkungen auf die Patientinnen und Patienten.
Christa Putz (Dr. phil.) arbeitet als freiberufliche Historikerin mit Schwerpunkt Geschichte der Medizin in Wien.
»Der Autorin gelingt es, ein hoch interessantes Bild der Entwicklungen zu schaffen.«
Florian G. Mildenberger, Gesnerus, 69 (2012)
»Eine [...] unterhaltsame Untersuchung zu einem historischen Kapitel medizinischer Wissensverarbeitung, die die Problematik des Grenzverlaufs zwischen Normalität und Abweichung nachvollziehbar erhellt.«
Thorsten Benkel, www.socialnet.de, 09.11.2011
Besprochen in:
Dr. med. Mabuse, 195/1-2 (2012)
Medizin, Psychoanalyse, Sexualität, Ehe, Sexuelle Störungen
Geschichte, Wissenschaftsforschung, Sexualmedizin, Psychoanalyse
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Christa Putz hat für ihren Band »Verordnete Lust« den ›Pro:Woman award 2012‹ in der Kategorie Sozial- und Kulturwissenschaften erhalten.
Interview

... mit Christa Putz 1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Ich würde es auf Verdacht kaufen: Es ist lesenswert und sogar dekorativ. Es handelt von modernen Gefühlen, die viele Menschen beschäftigen, etwa vom ... mehrWunsch nach sexueller Intensität und Befriedigung. Manchen, die von sexueller Unzufriedenheit heimgesucht werden, kann es vielleicht zu mehr Gelassenheit verhelfen. Dass es die Welt verbessert, mag ich aber nicht garantieren, da ich mich auch räumlich auf deutschsprachige Texte beschränkt habe.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Fachleute, die mit der Behebung sexueller Störungen beschäftigt sind, werden vielleicht angeregt, sich mehr mit der Geschichte ihrer theoretischen und therapeutischen Ansätze zu beschäftigen. In den historischen Texten ist vieles noch explizit, was heute unausgesprochen vorausgesetzt wird. Interessierte aus den Sozial- und Kulturwissenschaften finden in dem Buch eine Auseinanderlegung des medizinischen Diskurses über Heterosexualität und moderne Ehe. Es betrachtet Sexualtherapie aber auch als Praxis und zeigt anhand von Fällen ihre Folgen für die Subjekte auf.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Zwei Debatten sind relevant: In der einen wird die Tendenz diskutiert, Alltägliches (etwa Gefühle und menschliche Beziehungen) zu »verwissenschaftlichen« und zu einer Angelegenheit von Experten zu machen, z.B. von Eheberaterinnen und Eheberatern oder Sexualtherapeutinnen und -therapeuten. Die andere Debatte, die schon lange geführt wird, bemüht sich, Sexualität zu »dekonstruieren« und sie als ein Gefüge von Wissen und sozialen Verhältnissen kenntlich zu machen. Ich habe das, wie andere vor mir, mit Heterosexualität versucht.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen, die es gern, mit einigen, die es nicht gern gelesen haben. Mit meiner Tochter.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine Liedzeile von Anja Garbarek beschreibt es gut: »I follow the tracks and spin the context. I follow the tracks and spin. [...] Into the open.«
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