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Fritz Böhle, Margit Weihrich (Hg.)

Die Körperlichkeit sozialen Handelns

Soziale Ordnung jenseits von Normen und Institutionen
2010, 382 S., kart., zahlr. Abb., 29,80 €
ISBN 978-3-8376-1309-4
Reihe Materialitäten
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Dieser Band stellt die Frage, welche Rolle der Körper im sozialen Handeln spielt. Ob bei der Teamarbeit oder beim Friseur, ob beim Tanz oder beim musikalischen Improvisieren – Menschen stimmen ihre Handlungen aufeinander ab, indem sie körper- und leibbezogen agieren. So schaffen sie aktiv, miteinander und situativ fluide soziale Ordnungen jenseits von Normen, Routinen und geistiger Planung – und damit jenseits der sozialen Mechanismen, mit denen sich die Soziologie bislang hauptsächlich beschäftigt. Eine solchermaßen körperbasierte Sozialtheorie »geht unter die Haut« und eröffnet ganz neue Antworten auf die Frage, wie soziale Ordnung möglich ist.
Fritz Böhle (Prof. Dr.) ist seit 1972 Wissenschaftler am Institut für sozialwissenschaftliche Forschung e.V. (ISF München) und war von 1999-2008 Professor an der Universität Augsburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind Verwissenschaftlichung und Erfahrungswissen, Entwicklungen von Arbeit und subjektivierendes Arbeitshandeln, neue Kompetenzen und berufliche Bildung, Organisation und informelle Prozesse sowie die Theorie reflexiver Modernisierung.
Margit Weihrich (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Augsburg (Sozioökonomie der Arbeits- und Berufswelt). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Handlungstheorie, Handlungs-Struktur-Theorie, Institutionenanalyse, Dienstleistungsforschung und interaktive Arbeit sowie die Soziologie alltäglicher Lebensführung.
WWW: www.philso.uni-augsburg.de/lehrstuehle/soziologie/sozio4/team/weihrich/
Körper, soziale Ordnung, Handlung, Kooperation, Body Turn
Soziologie, Sozialtheorie, Arbeitswissenschaft, Sportwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Kulturwissenschaft
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Interview

... mit Prof. Dr. Fritz Böhle und Dr. phil. Margit Weihrich
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Soziologie geht davon aus, dass soziale Ordnung in den Köpfen der Menschen hergestellt wird – dort werden ... mehrEntscheidungen getroffen, dort werden Handlungen geplant. Die Rolle, die körperliches Wissen und leibliches Gespür dabei spielen, wird weitgehend übersehen. Dass Menschen mit Leib und Seele handeln, ist Basis alles Sozialen – und sollte in unserer unübersichtlichen Welt, in der geistige Planung immer mehr an ihre Grenzen gerät, auch die notwendige Aufmerksamkeit bekommen. Übrigens: Auch das Lesen eines Buchs ist keine rein mentale Angelegenheit. Schließlich will man ja etwas ›begreifen‹.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Beobachten Sie mal, wie Fachkräfte und Kunden in personenbezogenen Dienstleistungsbeziehungen agieren – ob beim Friseur oder in der Altenpflege. Man arbeitet dort mit Gesten, Empathie und Gespür – und das ist notwendig, wenn die Dienstleistungsbeziehung gelingen soll. Achtet man auf die Körperlichkeit sozialen Handelns, eröffnet sich in der Tat eine neue Perspektive auf soziale Ordnung jenseits von Normen und Institutionen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Auch wenn der Körper in der Soziologie neuerdings durchaus eine Rolle spielt, so befasst man sich doch vorwiegend mit seiner gesellschaftlichen Prägung und Zurichtung. Wir aber möchten Körperlichkeit als eine soziologische Basiskategorie etablieren. Die Diskussion ist noch ganz am Anfang, hat aber unseres Erachtens eine große Zukunft.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit all jenen, die sich dafür interessieren! Wer seine Sensibilität für die Körperlichkeit des eigenen Tuns (und Erleidens) steigern will, lese im Buch den Beitrag der Feldenkrais-Practitioner und probiere aus, was dort angeregt wird!
5. Ihr Buch in einem Satz:
Es geht darum, das Verhältnis von Körper, Leib und Rationalität neu zu denken.
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