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Rüdiger von Krosigk

Bürger in die Verwaltung!

Bürokratiekritik und Bürgerbeteiligung in Baden. Zur Geschichte moderner Staatlichkeit im Deutschland des 19. Jahrhunderts
2010, 262 S., kart., 32,80 €
ISBN 978-3-8376-1317-9
Reihe 1800 | 2000
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Der von Zeitgenossen als Entfremdung und Bedrohung empfundene »Dualismus« von Staat und Gesellschaft im Zeichen einer wachsenden Bürokratisierung des Fürstenstaates ist ein zentrales Thema der Geschichte »moderner« Staatlichkeit im 19. Jahrhundert.
Von der vormärzlichen Bürokratiekritik ausgehend schildert Rüdiger von Krosigk den Kampf der liberalen und demokratischen Bewegung in Baden für eine Demokratisierung der Staatsverwaltung: »Volkstümlich« sollte die Verwaltung werden! Diese Forderung verstummte mit dem Scheitern der Revolution von 1848/49 nicht, sondern wurde vielmehr in Badens »Neuer Ära« der 1860er Jahre unter neuen Vorzeichen mit dem Bezirksrat realisiert.
Dieses Buch schlägt ein neues Kapitel der Geschichte »moderner« Staatlichkeit im 19. Jahrhundert auf.
Rüdiger von Krosigk (Dr. phil.) ist Marie Curie Fellow an der Universität Edinburgh, UK. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen der Geschichte moderner Staatlichkeit sowie Raum und Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert.
»Ein flüssig geschriebenes, gut lesbares Buch.«
Robert Bernsee, Neue Politische Literatur, 57 (2012)
»[Eine] sehr instruktive Untersuchung.«
Hans Fenske, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 159/120 (2011)
»[Die Arbeit] verbindet gekonnt debatten- und mikrogeschichtliche Zugänge und liest sich ausgesprochen flüssig.«
Michael Geiss, International Journal for the Historiography of Education (IJHE), 1 (2011)
»As a primary study of the history of the struggle for liberal administrative reforms in Baden, the book makes a useful contribution to historical knowledge.«
Margaret Crosby-Arnold, German History (online), 12.07.2011
»Von Krosigk legt mit ›Bürger in die Verwaltung!‹ eine konzise und auf breiter Quellenbasis fußende Studie zu einem bisher unterbelichteten Gegenstand der Verwaltungsgeschichte vor. Es gelingt ihm, die Ursprünge der institutionellen Implementierung der Bürgerbeteiligung in der badischen Staatsverwaltung in der konzeptionellen Vorarbeit der vormärzlichen Bürokratiekritik nachzuweisen und so einen weite Teile des 19. Jahrhunderts umspannenden Bogen zu schlagen.
Niels Hegewisch, H-Soz-u-Kult, 02.02.2011
»Zu [...] weiterführenden Fragestellungen anzuregen, die neue Perspektiven auf die Verwaltungsgeschichte des 19. Jahrhundert eröffnen, ist das fruchtbare Ergebnis dieser gelungenen Arbeit.«
Niels Hegewisch, H-Net, 1 (2011)
Liberalismus, Demokratie, Bürgerbeteiligung, Selbstverwaltung, Öffentliche Verwaltung, Bürokratie, Rechtsstaat
Kultur- und Politikgeschichte, Verwaltungs- und Rechtsgeschichte
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Interview

... mit Rüdiger von Krosigk
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Historische Fragen sind immer auch von der Gegenwart geleitet. »Bürger in die Verwaltung!« behandelt zentrale Aspekte der Entwicklung moderner ... mehrStaatlichkeit im 19. Jahrhundert, die auch in heutiger Zeit aktuell sind: Erstens, wie lässt sich staatliche Verwaltung kontrollieren? Zweitens, wie lassen sich Legitimation und Vertrauen in staatliche Institutionen generieren? Und drittens, wie lässt sich die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft auf lokaler Ebene verbessern?
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
»Bürger in die Verwaltung!« untersucht ein von der Historiografie bisher unbeachtetes Mischsystem aus Selbst- und bürokratischer Verwaltung im 19. Jahrhundert: Die Beteiligung von Bürgern an der staatlichen Verwaltung und Verwaltungsgerichtsbarkeit. Das Buch beleuchtet die Transformation der Machtausübung durch die öffentliche Verwaltung sowie Aushandlungs- und Kommunikationsprozesse zwischen lokalen Eliten und den staatlichen Beamten im Zeichen der Bürgerbeteiligung in der Staatsverwaltung in Baden.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
»Bürger in die Verwaltung!« leistet einen Beitrag zur Differenzierung und Neuinterpretation der Geschichte moderner Staatlichkeit in Deutschland. So waren die liberalen Grundlagen moderner Rechtsstaatlichkeit in konzeptioneller und institutioneller Hinsicht in einigen deutschen Staaten weiter ausgebildet als von der Historiografie gemeinhin dargestellt wird. Die Mitwirkungsmöglichkeiten und Aushandlungsspielräume der lokalen Eliten in der Verwaltung veränderten die Ausübung öffentlicher Gewalt nachhaltig.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit den Werken von vier Historikern hat »Bürger in die Verwaltung!« zum Thema Staat und Gesellschaft engste Berührungspunkte. So hat sich Paul Nolte mit dem badischen Gemeindeliberalismus, Joachim Eibach mit dem badischen ›Staat vor Ort‹, Jürgen Maciejewski mit der Vertreibung der badischen Amtmänner 1848-49 und Wolfgang Reinhard mit der Geschichte der ›Staatsgewalt‹ in Europa auseinandergesetzt. Zu welchen neuen Fragestellungen würde unsere Diskussion führen?
5. Ihr Buch in einem Satz:
»Bürger in die Verwaltung!« eröffnet neue Perspektiven auf die demokratischen und liberalen Vorstellungen und Institutionen einer ›volkstümlichen‹ Verwaltung als Reaktion auf die tief greifende Legitimations- und Vertrauenskrise der badischen Monarchie im 19. Jahrhundert.
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